Hände ! « befahl der junge Indianer . Sie gehorchten . Da trat er ganz zu ihnen heran , legte seine Hand auf die ihrigen und forderte sie auf : » Sprecht mir die Worte nach : Unsern Schützlingen treu bis in den Tod ! « » Unsern Schützlingen treu bis in den Tod ! « erklang es vereint aus ihrem Munde . » Dieses Wort ist unser Schwur ! Sprecht das nach ! « » Dieses Wort ist unser Schwur ! « fügten sie hinzu . » So ! Nun erst könnt ihr behaupten , Winnetou geworden zu sein . Denn nicht der Stern tut es , sondern der Wille . Und diesen Willen habt ihr kund gegeben . Des bin ich Zeuge . Gebt auch mir , dem Zeugen , eure Hände ! « » Hier ist die meine , « sagte Hariman , indem er sie ihm gab . » Und hier die meine , « sprach Sebulon . Der junge Apatsche ergriff beide , die eine mit seiner Rechten , die andere mit seiner Linken und fragte : » Seid ihr euch der Wichtigkeit dieses Augenblicks bewußt ? « Keiner antwortete . Da fuhr er fort : » Was ihr nicht wißt , weiß Manitou , und was ihr nicht könnt , kann er . Wer Andere beschützt , beschützt sich selbst . Indem ihr euch vorgenommen habt , die Engel eurer Schützlinge zu sein , sind in Wirklichkeit sie eure Engel geworden . Bleibt euch und ihnen treu ! Das ist der einzige Dank , den sie von euch verlangen ! « - - - Fünftes Kapitel Am Deklil-to Ich hatte den nächsten Tag dazu bestimmt , einen Ueberblick über die ausgegrabenen Skripturen zu gewinnen , sah mich aber leider in der Hoffnung , dies tun zu können , getäuscht . Wir saßen noch beim Morgenkaffee , da tauchte am südlichen Rande der Lichtung die Gestalt eines Indianers unter den Bäumen hervor und kam auf uns zu . Es war der Winnetou von gestern abend . Er wendete sich nur an den » jungen Adler « . Uns Anderen schien er mit keinem Blicke zu berühren . Er sprach seine Muttersprache , nicht englisch . » Es kommen Reiter , « meldete er . » Woher ? « fragte unser junger Freund . » Zwischen Nordwest und West . « » Wie viele ? « » Eine große Schar . Man konnte sie nicht zählen . Sie waren noch zu weit entfernt . « » So komm wieder , sobald es möglich ist , ihre Zahl zu bestimmen ! « Der Winnetou entfernte sich , kehrte aber schon nach vielleicht zehn Minuten zurück und berichtete : » Es sind Reiter und Reiterinnen . Zwanzig Männer und viermal zehn Squaws , mit vielem Gepäck auf Maultieren hinterher . « » Wie weit entfernt von hier ? « fragte der » junge Adler « . » Sie werden in einer Viertelstunde den Nugget-tsil erreichen . « » Sie mögen kommen . Man beobachte sie , aber ohne sich von ihnen sehen zu lassen . Es sind die Squaws der Sioux , die nach dem Mount Winnetou wollen . Wer die Männer sind , das weiß ich jetzt noch nicht . Wir reiten von hier nach dem Deklil-to . Ich glaube nicht , daß ich deiner Hilfe noch einmal bedarf . « Hierauf entfernte sich der Winnetou , ohne eine einzige Silbe , die nicht von seiner Pflicht geboten war , auszusprechen . Das war Disziplin ! Als unser alter , guter Pappermann erfuhr , wen wir hier bei uns zu erwarten hatten , kam er in eine Aufregung , die er zwar verbergen wollte , aber nicht verbergen konnte . Die Gebrüder Enters fühlten sich unsicher . Sie fragten , ob sie sich vielleicht zurückziehen sollten . » Ihr gehört jetzt zu uns , und ihr bleibt bei uns , « antwortete ich . » Wie ich eigentlich heiße , ist zu verschweigen . « Damit war diese Sache abgemacht . Ich sah mit meinem Herzle den Nahenden mit großem Interesse entgegen , obgleich ich es bedauerte , auf die Durchsicht der Manuskripte nun verzichten zu müssen . Es verging eine Viertelstunde nach der andern . Diese Leute nahmen sich Zeit . Endlich , nach über einer Stunde , hörten wir schon von weitem den Lärm , den sie machten . Sie kamen zu Fuß . Die Pferde waren wegen der steilen Stellen , die es gab , unten am Berg gelassen worden . Wir wurden bemerkt , noch ehe sie unter den Bäumen hervorgetreten waren . Das schlossen wir aus dem Umstande , daß die lauten Stimmen jetzt plötzlich verstummten . Hierauf sahen wir einen sehr langen und sehr hageren Menschen erscheinen , der sich in einem sonderbar hochbeinigen , schlingernden Gang auf uns zu bewegte . Er war nicht indianisch gekleidet , sondern er trug einen sehr eleganten Yankeeanzug mit einem sehr weißen und sehr hohen Kragen und ebenso weißen , glänzenden Manschetten . An seiner Brust prahlte eine große , echte Nadelperle , und an seinen Fingern glänzten verschiedene Diamanten nebst andern Edelsteinen . Aber seine Hände waren groß , sehr groß , seine Füße ebenso , und seine Nase - - o , diese Nase ! Die konnte nur von einer riesennasigen indianischen Mutter und einem noch riesennasigeren armenischen Vater stammen und war dann an ihren beiden Seiten derart abgeschliffen worden , daß sich nur die dünne Scheidewand erhalten hatte . Zu dieser Nase erschienen die wimperlosen , zudringlichen Aeuglein viel zu klein . Das Gesicht war schmal . Der Kopf glich einem Vogelkopfe , aber dieser Vogel war ganz gewiß kein kühner Adler , sondern nur ein monstreschnabeliger Pfefferfresser . Also dieser Mann kam auf uns zugeschlingert , blieb vor uns stehen , ohne zu grüßen , betrachtete uns , Einen nach dem Andern , wie leblose Gegenstände oder wie völlig wertlose Personen , die sich das gefallen lassen müssen , und