Stegmüller . Aber vielleicht habe Held seine gute Meinung später geändert . Nein , sagte Sylvester , denn dieses Lob habe er in der letzten Zeit von Held gehört . Und wenige Monate später sei der alte Herr gestorben . Dann habe er den Zettel vielleicht früher geschrieben und habe erst nachträglich eine bessere Meinung vom Schuller erhalten , erwiderte der hartnäckige Stegmüller . Jedenfalls sei der Zettel da , und er möchte Sylvester nicht raten , solche Zweifel auszusprechen . Überhaupt müsse man froh sein , wenn die Sache nach und nach einschlafe . Das sei auch für den Schuller das beste . Sylvester war nicht zu ängstlich auf seiner Hut , und es mochte wohl sein , daß die Weberin einiges hörte , von der es wieder die Bäcker Ulrich Marie und auf diesem Umwege der Herr Kooperator erfuhr . Vielleicht kam die Kunde auch auf andere Weise in den Pfarrhof ; jedenfalls ließ Baustätter den Herrn Mang um seinen Besuch bitten . Sylvester dachte , er wolle mit ihm Rücksprache nehmen wegen seines Abschiedes vom geistlichen Berufe , und fand sich zur festgesetzten Stunde im Pfarrhof ein . Der Gang war ihm nicht lieb . Er hatte es nach jenem ersten Besuche vermieden , mit Baustätter zusammenzutreffen . Aber er gestand dem Pfarrer das Recht zu , in dieser Angelegenheit von ihm selbst die Wahrheit zu erfahren , und er hielt es für gut , wenn er mit einer bündigen Erklärung den Klatsch aus der Welt schaffte . Baustätter empfing ihn wohlwollend . » Ah , der Herr Studiosus ! Wollen Sie Platz nehmen ? « Sylvester musterte mit einem raschen Blicke den Raum , der ehedem so behaglich war , und von dessen Wänden jetzt aufdringliche Frömmigkeit auf ihn herunterstarrte . » Setzen Sie sich doch ! « wiederholte der Pfarrer . » Ich danke , wenn Sie erlauben , stehe ich lieber . « » Wie Sie wünschen . Ich habe Sie um Ihren Besuch gebeten , Herr Mang , weil mir Verschiedenes berichtet wurde . Sie wollen dem priesterlichen Stande entsagen ? « » Ja , Hochwürden . « » Ich habe Ihnen keinen Vorwurf zu machen . Sie werden sich geprüft haben , warum Sie diesem erhabenen Stande nicht angehören wollen . « » Ich habe es lange überlegt . « » Wer nicht allem absagt , kann nicht mein Jünger sein , steht geschrieben . Wenn Sie die weltlichen Interessen höher achteten , dann war es besser , daß Sie zurücktraten . « » Ich habe keine rechte Freude dazu . Und die muß man doch haben ! « » Gewiß ! Man muß sich vom Weltgeiste losschälen . Nisi quis renuntiaverit omnia . Aber haben Sie überlegt , was Sie aufgeben wegen dieser verkehrten Welt ? Wird nicht eines Tages die Stunde kommen , wo Sie den Tausch bitter bereuen ? « » Ich glaube nicht , Hochwürden . « » Und ich hoffe es nicht . Wie gesagt , ich mache Ihnen keinen Vorwurf . Als ich von Ihrem Entschlusse hörte , habe ich Sie in mein Gebet eingeschlossen . Und ich dachte , wenn ihn nur kein niedriger Beweggrund veranlaßt hat ! « » Nein , Herr Pfarrer . « Sylvester begegnete den Blicken Baustätters . Die waren stechend auf ihn gerichtet . Jetzt huschten sie weg und senkten sich auf die fleischigen Hände , welche wie zum Gebete gefaltet waren . » Es ist mir gesagt worden , daß Sie wegen eines Mädchens auf Ihrem Wege umkehrten . « » Wer hat das gesagt ? « » Man hat es allgemein behauptet . Aber ich glaubte es nicht . Ich konnte mir nicht denken , daß ein ehrbares Mädchen seine Wünsche auf einen richtet , der sich zum priesterlichen Berufe vorbereitet . « Sylvester fühlte , wie ihm die heiße Röte ins Gesicht stieg . Wieder begegnete er dem lauernden Blick . Es lag etwas Feindseliges in diesen Augen . Sie verrieten Gedanken , die nichts zu tun hatten mit den salbungsvollen Worten . » Und Sie haben sich ausgesöhnt mit denen , welche eigentlich ein Recht haben auf die Vollendung Ihrer Studien ? « » Es hat keine Aussöhnung gebraucht . Meine Mutter wollte mich überhaupt nicht zwingen . « » Das ist gewiß vernünftig . Aber es gibt noch jemand , den Ihr Entschluß sehr nahe angeht . Ihren Vetter . « » Ich habe ihm geschrieben . « » Und er hat Ihnen schon geantwortet ? « » Nein . Ich glaube auch nicht , daß er mir schreibt . Vielleicht kommt er an den Feiertagen herüber . « » Sie wissen also nicht , wie er über die Sache denkt ? « » Nein . « » Mein Kooperator war gestern zufällig in Pasenbach . Er hat mit Ihrem Herrn Vetter gesprochen . « Baustätter machte eine Pause . Er wollte sehen , wie diese Mitteilung wirkte . Sie wirkte nicht stark . Sylvester kannte den hochwürdigen Herrn Sitzberger , und er kannte darum auch den Zufall , der ihn nach Pasenbach geführt hatte . » So , er hat meinen Vetter getroffen ? « fragte er gleichmütig . » Ja , und ich muß Ihnen zu meinem Bedauern sagen , daß der alte Mann sehr unglücklich ist und sehr entrüstet . « » Das tut mir leid , Herr Pfarrer . Vielleicht kann ich ihn beruhigen , wenn ich selber mit ihm rede . « » Das glaube ich nicht . Er sagte , daß er elf Jahre das Geld für Ihre Studien hergegeben habe , bloß auf das Versprechen , daß Sie Geistlicher werden . Und Sie hätten ihn getäuscht . Vielmehr betrogen , sagte er . Er gebrauchte nämlich sehr starke Ausdrücke . « In Sylvester stieg der Zorn auf . » Wenn mein Vetter das wirklich gesagt hat , dann weiß er nicht , was er redet . « » Sie zweifeln doch nicht daran ? Wenn Sie wünschen ,