eher , als ich dachte ! « » Mit Kara Ben Halef ? « » Ja . Bist du innerlich gerüstet , Effendi ? « » Gewiß ! « » Prüfe dich ! Es wird ein Sturm sein , welcher an deiner Seele , an deinem Leben rüttelt ! « » Diese Seele ist stark ; ich kenne sie . « » So sei es denn ! Wir wagen viel , sehr viel , doch meine Hoffnung blickt zu Chodeh auf , der nur allein es ist , dem wir vertrauen müssen . Ich will nach Halef schauen und dann am Thor die Gäste begrüßen ; hierauf kehre ich mit ihnen hierher zurück zu dir . « Er ging hinein , und ich hörte , daß er befahl , die Kerzen anzubrennen . Gleich hierauf drang eine Fülle des Lichtes durch die offenen Bogen heraus auf den Vorplatz . Ich sah deutlich unsere zwei Pferde liegen und mehrere Dschamikun damit beschäftigt , die aufgesteckten Fackeln schnell anzuzünden . Auch die andern Räume des » hohen Hauses « schienen hell erleuchtet worden zu sein , denn die Strahlen vereinten sich zu einem glänzenden Lichtstrome , welcher weit hinaus bis an den See und tief hinunter bis auf die Sohle des Thales flutete . Von dort klangen laute Stimmen herauf . Ich hörte Pferde wiehern . Eine Fantasia oder gar ein lärmendes Pulverspiel gab es nicht . Die Nähe des Todes verbietet solche Dinge . Bald hörte ich fernleisen Hufschlag , welcher lauter wurde . Er kam den Berg herauf . Nun ertönte das langgezogene , ungeduldige » Chchchchchuuuuh « eines Kameles . Ich kannte diesen Ton . So klagt das Hedschihn der ebenen Wüste , wenn es gezwungen wird , auf ungewohnten Bergwegen zu schreiten . Von rechts unten her erklang die laute Stimme des Pedehr . Ich verstand die Worte nicht , doch waren sie das Willkommen , welches er den Gästen sagte . Hierauf erschienen einige Dschamikunreiter auf dem Vorplatze . Sie waren die Führer . Hinter ihnen kam , von den Fackeln genügend beleuchtet , Kara Ben Halef , auf seinem » Ghalib « sitzend . Ihm folgten zwei aus der edelsten Bischarizucht stammende Eilkamele . Das eine war ledig ; auf dem andern saß der verschleierte Fremde . Seine Waffen hingen am Sattelknopfe . Er sprach mit dem Pedehr . Er war ebenso wie Kara in den gewöhnlichen Wüstenanzug gekleidet . Kara Ben Halef sprang vom Pferde und trat zu dem Kamele hin , um dessen Reiter beim Absteigen zu unterstützen . Dieser aber glitt ohne die beabsichtigte Hilfe schnell aus dem Sattel herab und fragte so laut und pressant , daß ich die Worte verstehen konnte : » Nun sag , wo liegt der Scheik der Haddedihn ? ! « Welch eine Stimme ! Die kannte ich ja ! Täuschte mich mein Ohr , oder war es Wirklichkeit ? » Hier oben in der Halle , « antwortete der Pedehr . » So komm ! « Mit diesen Worten ergriff der Fremde Karas Hand , um mit ihm die Stufen emporzueilen . » Ich ersuche euch , nicht so schnell zu gehen , « bat der Pedehr . » Es ist notwendig , daß ich vorher - - - « Dem Verschleierten aber fiel es gar nicht ein , auf diese Worte zu achten . Er zog Kara von Stufe zu Stufe in größter Ungeduld hinter sich her , bis er die oberste erreicht hatte . Da fiel sein Blick auf mich . Er blieb stehen , um mich zu betrachten . Seine Gestalt schien plötzlich alle Möglichkeit , sich zu bewegen , verloren zu haben . Er stand starr , wortlos , eine ganze , ganze Zeit . Dann hob er langsam die Arme und schlug die Hände laut zusammen . » Sihdi ? ! « rief er aus . » Ich bin es , « antwortete ich . Da that er die drei Schritte zu mir her , warf sich vor mir nieder , zog meine beiden Hände unter seinen Schleier und drückte sein Gesicht hinein . Es waren glatte , bartlose Wangen , die ich fühlte . Sein Körper bewegte sich konvulsivisch . Er wollte den Ausbruch des Schmerzes , das Schluchzen unterdrücken und konnte es doch nicht . Aus seinen Augen floß eine Flut von Thränen über meine Hände . Kara stand still auf der vorletzten Stufe . Auch er erkannte mich , ließ aber dem Andern das Vorrecht , zuerst mit mir zu reden . Da hob dieser Andere den Kopf empor , sah mir noch einmal forschend ins Gesicht und sagte schluchzend : » Das , das ist mein Sihdi ! Der einzige Freund meines irdischen Lebens ! Der kluge Berater meines Herzens ! Der treue Leiter meiner irrenden Seele ! Der unerschütterliche Fels in jeder Not ! Kennst du mich ? « » Hanneh ! « Ich konnte dieses kleine Wort kaum über die Lippen bringen , so tief erschüttert war ich . Meine Augen standen voller Thränen , und meine Stimme bebte . Da warf sie den Turban vom Kopfe , riß den Schleier herab und rief jammernd aus : » Ja , ich bin es ! Aber bist du der noch , der du warst ? « » Ich werde es wieder sein ! « » Ja , du mußt , du mußt , du mußt es wieder sein ! Ich mache dich gesund , ich , ich , ich ! Und ich beginne damit gleich , gleich jetzt , in diesem Augenblick ! Kennst du das Märchen von Chakika89 , welche vom Himmel kam und dem Tode begegnete ? Sie küßte ihn ; da wurde aus ihm das Leben . « » Ich kenne es . Diese lichte , himmlische Chakika ist die herrlichste Wahrheit , die es giebt . « » So laß mich dieses Märchen sein , und zürne mir wegen meiner Kühnheit nicht ! « Sie rutschte auf den Knieen ganz zu mir