eurer Welt ! Wenn ich zu euch in unserer Weise spräche , ihr würdet nichts vernehmen , denn euer Ohr hat nur Empfängnis für den Schall , durch Schwingungen der Luft zu euch getragen ; wir aber sprechen nicht durch dieses Mittel , und unser Wort ist kein Geräusch , ist That ! « Wir horchten höchst verwundert auf , denn das war nicht die Stimme des Münedschi , sondern eine ganz andere . Ich habe Verwandlungskünstler und Stimmenimitatoren gesehen und gehört , deren Leistungen gewiß vortrefflich waren , aber wohl keiner von ihnen hätte es fertig gebracht , nicht nur seine Stimme , sondern auch den Ausdruck derselben so vollständig zu verändern , wie es hier von dem Münedschi geschah . Hätte ich ihn nicht da vor mir stehen sehen , ich wäre überzeugt gewesen , daß wir von einer ganz andern Person angesprochen würden . Er fuhr fort : » Richtet eure Blicke empor zum Himmelszelt ! Ueber und hinter euch stehen die Sterne des Herkules , rechts der Adler und Delphin , links die Schlange und vor euch der Schlangenträger mit dem Ras Alhagua und hunderten von Welten , von denen ihr nur wenige als kleine Punkte erkennt . Darüber hin zieht sich die Saman oghrisi109 , bestehend aus noch nie gezählten Himmeln , deren jeder wieder in andre neue Himmel führt . So schaut ihr von euch aus nach allen Seiten hinaus und hinein in Millionen und Milliarden Ewigkeiten und haltet eure kleine , ach wie beschränkte irdische Weisheit doch für klug genug , den Herrn und Schöpfer dieser Welten und Aeonen im letzten , höchsten , herrlichsten der Himmel zu entdecken . Ich sage euch : es giebt keinen Himmel , welcher der höchste , der letzte ist . Wie diese Himmel alle doch nur einen einzigen bilden , so ist der Herr auch nur in diesem einen , nicht in einem besonderen zu suchen , und wenn ihr ihn nicht im Mittelpunkte eures irdischen Firmamentes findet , also hier bei euch selbst , so werdet ihr ihn dort in jenen Himmeln auch vergeblich suchen . Ihr findet ihn weder hier noch dort , weil ihr die falschen Augen öffnet , die richtigen aber fest geschlossen haltet . Ihr sucht ihn so , wie ihr nach der Erkenntnis irdischer Dinge trachtet , nämlich mit den Augen eurer Wissenschaft , die doch schon , um nur Irdisches zu sehen , der Brille bedarf . Die Augen des Glaubens aber , welche nie eines Glases bedürfen und bedürfen werden , haltet ihr geschlossen . « Er machte eine kurze Pause . Bisher hatte er laut , mit voller Stimme gesprochen ; nun fuhr er , wie wenn man so recht eindringlich und vertraulich reden will , in unterdrücktem Tone fort : » Ich habe euch etwas Himmlisch-Wichtiges zu sagen ; schenkt mir die Aufmerksamkeit nicht nur eures Geistes , sondern auch eures Herzens ! Ihr unterscheidet am Menschen Leib , Seele und Geist ; ihr sprecht von Kopf und Herz , vom Verstehen , Fühlen , Erkennen und Wollen , von Vernunft , Verstand und Gefühl . Könntet ihr euch sehen , wie ich euch sehe , indem mein Auge jede innerste Faser eures Körpers und die verborgenste Regung eures Geistes , eurer Seele durchschaut , so würde euch klar werden , wie falsch alle diese Unterscheidungen sind . Der geistige Mensch kann nicht zergliedert werden wie der Körper ; er ist nicht mit verschiedenen Kräften und Vermögen thätig , wie der Körper es bald mit den Armen , den Beinen , bald mit den Augen oder den Ohren ist . Selbst wenn ihr diese Thätigkeit nach ihren verschiedenen Weisen und Richtungen bezeichnet , bedient ihr euch falscher Namen . Wie es keine Grenze zwischen Gottes Allmacht , Allweisheit und Allliebe giebt , denn Gott ist Eins , so sind auch bei seinem Ebenbilde , dem Menschen , das Denken , das Fühlen , das Wollen nicht voneinander zu trennen , denn der geistige Mensch ist auch Eins . Doch muß ich mich eurer Weise anbequemen , weil ihr mich sonst nicht verstehen würdet . Hört und merkt euch genau , was ich euch jetzt sage ! - - - : Der Mensch ward ein Pilger auf Erden , um ein Bürger des Himmels zu werden . Er hat hier zu säen , um dort ernten zu können . Er hat hier die Augen zu öffnen , um dort sehend zu sein . Er hat hier zu lernen , um dort zu bestehen . Nach seiner Arbeit hier richtet sich dort sein Lohn , denn seine Werke folgen ihm ins Jenseits nach , die guten sowohl wie auch die bösen , und wer hier seiner Trägheit fröhnt und nicht rastlos und unausgesetzt für den Himmel wirkt , der tritt in jenes Leben mit leeren Händen ein und wird zurückgewiesen werden . Sprecht ja nicht in eurer Bequemlichkeit : Ich hüte mich ja , Böses zu thun und muß also selig werden ! Wer so sich nur hütet , von der Arbeit nicht beschmutzt zu werden , wer so hier nur von Gottes Gnade lebt wie ein fauler Sohn vom Reichtume seines Vaters , der erwirbt nichts für die Ewigkeit und tritt dereinst als Bettler vor Gottes Thron . Am Jenseits aber wird der Bettler abgewiesen , denn wer das Mitleid Gottes hier verbrauchte , dem bleibt nichts davon für den Himmel übrig ! So ist also das Erdenleben eine Vorbereitung auf das große , einstige Examen . Das Zelt , welches du als Pilger hier aufschlägst , es sei dir ein Kalyb110 des Hauses , welches dich in jenem Leben erwartet ! Du darfst nicht nur , nein , du sollst sogar dir dieses Zelt so fest und sicher wie möglich bauen ; du sollst es schmücken und verschönern mit den Gaben , welche dir verliehen sind . Du sollst die Erde mit allem , was sie trägt und bietet , kennen lernen ; du sollst die