er nun einen Sohn weniger haben . « » Ach du lieber Himmel - « stammelte Willy in hilfloser Bestürzung . Tassilo nahm den Bergstock . » Nicht wahr , Junge , wenn unsere Wege auch nach dem Willen deines Vaters auseinandergehen , wir wollen gute Brüder bleiben ? « Herzlich sag er dem Bruder in die Augen und bot ihm die Hand . » Und willst du mir eine Liebe erweisen , so vergiß nicht , was du mir gestern in die Hand gelobt hast ! Willst du ? « Willy brachte kein Wort heraus ; er nickte nur , umklammerte Tassilos Hand und sah ihm ratlos ins Gesicht . » Hast du mich nötig , so schreib mir eine Zeile , und ich werde dich finden . Und sei gut mit Kitty ! Ihr fehlt die Mutter . Der Vater hat wenig Zeit für sie . Sei du jetzt der Bruder , den sie braucht . « Da erwachte Willy aus seiner Erstarrung . » Tas ! Lieber Tas ! Ich fasse das alles nicht . Ich bin wie mit einem Prügel vor die Stirn geschlagen . Sag ' mir , ich bitte dich - « Tassilo schüttelte den Kopf . » Laß uns kurzen Abschied halten ! Und geh zum Vater ! Dein Platz ist bei ihm . Und der Vater könnte es dich entgelten lassen , wenn er allzulange auf dich warten müßte . « Er schlang den Arm um Willys Hals , küßte den Bruder , riß sich los und eilte talwärts mit jagendem Schritt . 18 Vor der Tür des » Palais Dippel « stand Graf Egge mit gespreizten Beinen und vorgeneigtem Kopf , die Fäuste hinter dem Rücken ; finster spähte er nach der Pfadsenkung , in welcher Willy verschwunden war . Als er ihn erscheinen sah , hellten sich seine Züge auf , und zufrieden nickte er vor sich hin : » Na also , da kommt er ja ! « Willy blieb erschrocken stehen und versuchte seine Gedanken zu sammeln . » Komm zu mir , Junge ! « rief Graf Egge , und als Willy noch immer zögerte , ging er ihm entgegen . Dicht vor ihm blieb er stehen und sah ihm forschend in das brennende Gesicht . » Der andere sieht mir gleich und schlägt der Mutter nach . Du hast ihre Augen und ihren weichen Mund , aber ich hoffe , du bist im Kern aus meinem Holz ! Halte dich an mich , und es soll dir nicht schlecht bekommen . Hast du einen Wunsch ? Heraus damit ! Heut kannst du alles von mir verlangen . « Willy schüttelte den Kopf . » Danke , Papa , ich brauche nichts . « » Na , besinn ' dich nur , vielleicht fällt dir was ein ! « Mit einem Lachen , das ihm nicht völlig gelingen wollte , klopfte Graf Egge den Sohn auf die Schulter und trat in die Hütte . In der Küche schürte er auf dem Herd ein Feuer an und begann in einer hölzernen Schüssel einen dicken Brei aus Mehl und Wasser zu rühren . Nachdem er den Teig in das heiße Schmalz gegossen hatte , ging er zur Tür , und als er Willy draußen auf der Hausbank sitzen sah , sagte er : » Komm herein , Junge , setz ' dich zu mir auf den Herd ! Da kannst du lernen , wie man einen gesunden Schmarren kocht . « » Ja , Papa ! « Willy erhob sich müd und folgte dem Vater ; schweigend saß er auf dem Herdrand und starrte die Pfanne an . » Erzähl ' mir , Junge , « sagte Graf Egge , während er mit dem langen Eisenlöffel im brodelnden Schmarren herumarbeitete , » wie hast du drunten unsere kleine Schmalgeiß angetroffen ? « » Danke , Papa , gut ! « erwiderte Willy mit zerstreuter Scheu . » Wie lang hast du sie nicht mehr gesehen ? « » Ich glaube , seit dem Hahnfalz . August , Juli , Juni , Mai , April - fünf Monate . « » Da wirst du Augen machen ! Sie fängt an , sich zu einem patenten Mädel auszuwachsen . « Graf Egge hob die Pfanne und schüttelte sie . » Was meinst du , wenn wir die Geiß heraufkommen ließen ? Ich trete ihr meine Stube ab und leg ' mich zu euch ins Heu hinauf . Und wenn wir jagen , kann sie bei mir auf dem Stand sitzen . « Willy erschrak vor den Freuden , die seiner Schwester in Aussicht standen ; er mußte ihr das ersparen , auch um den Preis einer Heuchelei . » Eine famose Idee , Papa ! Aber weißt du , die Sache hat auch ihren Haken . Für dich ! « » Wieso ? « » Ein junges Mädel kann nicht stillsitzen . Sie würde dir manchen guten Schuß verderben . « » Du hast recht ! Und da könnte mir einmal die Galle überlaufen . Na also , lassen wir ' s ! Nächste Woche gehen wir ein paar Tage zu ihr hinunter . « Nun trat wieder Schweigen ein . Die brennenden Scheite krachten , und in der Pfanne prasselte das Schmalz . Willy versank mit bekümmertem Gesicht in die Gedanken an Tassilo , und sein Vater , der ihn von Zeit zu Zeit mit forschendem Blick überflog , bekam unruhige Hände . Nach einer Weile legte Graf Egge lächelnd den eisernen Löffel nieder und trat in die Herrenstube . Lang ausgestreckt lag Robert mit der brennenden Zigarette auf dem Bett ; er wollte sich erheben . » Bleib nur liegen ! « sagte Graf Egge , sperrte den Geheimschrank auf und trat mit dem Schächtelchen , das die Juwelen enthielt , zum Fenster . Er wählte einen Rubin von selten schönem Schliff und verwahrte die anderen Steine wieder im Schrank . Als er in die Küche zurückkehrte , nickte