verharrt , haben bis zur Stunde wenig Erfolg gehabt , jedenfalls keinen Sieg errungen . Aber was dem alten rationalistischen Freunde , den sie so sehr liebt und den sie nur kirchlich nicht für voll ansieht , was unserem alten Petersen nicht gelingen wollte , das , denk ich , soll im rechten Augenblick unserem seit vier Wochen zum Generalsuperintendenten ernannten Schwarzkoppen ein leichtes oder doch wenigstens ein nicht allzuschweres sein . An Schwarzkoppen , den ich in der letzten Woche beinahe täglich gesehen , hab ich mich mit der dringenden Bitte gewandt , die Sache , bevor er uns und unsere Gegend verläßt , seinerseits in die Hand nehmen zu wollen , und da sich seine kirchlichen Überzeugungen mit seinen persönlichen Wünschen für Dich und Christine decken , so bezweifle ich keinen Augenblick , daß er da reüssieren wird , wo Petersen bisher scheiterte . Wenn Schwarzkoppen schon immer entscheidende Instanz für Christine war , wie jetzt erst , wo der Arnewieker Seminardirektor ein wirkliches Kirchenlicht geworden ist . Er ist nach Stettin , in seine heimatliche Provinz Pommern , berufen worden und wird uns Ende September verlassen , um am 1. Oktober sein neues Amt daselbst anzutreten . Ich mag diesen Brief nicht weiter ausdehnen , am wenigsten aber Wirtschaftliches berühren . Davon ein andermal . Gräfin Brockdorff seh ich jetzt häufig , teils in ihrem Hause , teils bei Rantzaus , aber auch gelegentlich hier in Arnewiek , wenn wir die Missionssitzungen haben , deren einer ich , freilich als ein sehr Unwürdiger , neulich präsidieren mußte . Christine hat meine Pfingsteinladung abgelehnt , angeblich weil die Dobschütz seit Frühjahr kränkle und der Pflege bedürfe . Der wahre Grund ist aber wohl der , daß sie nicht an Örtlichkeiten und in Kreise zurückkehren mag , die nur schmerzliche Erinnerungen in ihr wachrufen . In ihren Augen hat Gnadenfrei so viele Vorzüge und nicht zum wenigsten den , sich vor der Welt verbergen zu können . Aber ich geströste mich , daß das Bedürfnis nach dieser Weltabgeschiedenheit in ihr hinschwinden soll und daß wir sie recht bald in die Welt und in ein neues altes Glück zurückkehren sehen , in ein Glück , das nur ein Wahn unterbrach . Ein Wahn , aus dem zuletzt eine Schuld wurde . Was gäb ich darum , wenn dieses Pfingstfest schon Euern Einzug gesehen und die ganze Säulenhalle von Holkenäs in grünen Maien gestanden hätte , das alte Wappen über dem Eingang in einem wieder von Rosen durchflochtenen Kranz . Daß die Zukunft es so bringen möge , die nächste schon , mit diesem Wunsche laß mich schließen . Dein Arne « Holk legte den Brief aus der Hand und sah freudig aufatmend nach dem Square hinüber , wo alles grünte und blühte . Der Eindruck , unter dem er stand , war der der reinsten Freude ; Möglichkeiten , an deren Verwirklichung er kaum noch geglaubt hatte , nahmen Gestalt an , begrabene Hoffnungen standen wieder auf und wollten Gewißheit werden , und die durch Jahre hin äußerlich und innerlich Getrennten zogen wieder ein in das » Schloß am Meere « , und das alte Glück war wieder da . Zweiunddreißigstes Kapitel Und was Holk geträumt , es erfüllte sich oder schien sich doch erfüllen zu wollen . Johannistag war , und ein sonniger blauer Himmel stand über ganz Angeln , am sonnigsten aber über Schloß Holkenäs . Wagen in langer Reihe hielten an den Treib- und Gartenhäusern hin , und das Holksche Wappen über dem Portale trug einen Efeukranz , in den weiße und rote Rosen eingeflochten waren . Arne hatte Myrte gewollt , aber Christine war dabei geblieben , daß es Efeu sein solle . Und nun schlug es zwölf von Holkeby her , und kaum daß die zwölf Hammerschläge verklungen waren , so kam auch schon ein allmähliches Schwingen in die mächtige , jetzt von zwei Männern gezogene Glocke , die nun weit ins Land hinein verkündete , daß die Feier , zu der sich alle befreundeten Familien von nah und fern her versammelt hatten , ihren Anfang nehme . So war es denn auch , und nicht lange mehr , so öffnete sich die hohe , nach dem Park hinausführende Glastür , und wer von Neugierigen , und ihrer waren viele , draußen zwischen den Gartenbeeten einen guten Stand genommen hatte , der sah jetzt , wie sich drinnen im Saal alles zu einem Zuge ordnete , an dessen Spitze zunächst Holk und Christine erschienen , die Gräfin in weißem Atlas und einem Orangeblütenkranz im Haar , von dem ein Schleier niederhing . Hinter dem Paare , das nun wie zu neuem Ehebunde den Segen der Kirche empfangen sollte , schritten Asta und Axel , dann Arne , der die ältere Gräfin Brockdorff , und dann Schwarzkoppen , der die Dobschütz führte , viel andere mit ihnen , und zuletzt alle die , die gebeten hatten , der Feier im Festzuge beiwohnen zu dürfen , und deren Teilnahme , weil es Fernerstehende waren , die Herzen der wieder zu Trauenden besonders beglückt hatte . Dienerschaften schlossen sich an , und als der Zug , der sich auf Holkeby zu in Bewegung setzte , den zwischen den Tannen des Parkes hinlaufenden Kiesweg passiert hatte , trat man in ein Spalier ein , das die Holkebyer Bauerntöchter samt den Mädchen aus den Nachbardörfern gebildet hatten . Alle hielten Körbe in Händen und streuten Blumen über den Weg , einige aber , die dem Ansturm ihrer Gefühle nicht wehren konnten , warfen die Körbe beiseite und drängten sich an Christine heran , um ihr die Hand oder auch nur den Saum des Kleides zu küssen . » Sie machen eine Heilige aus mir « , sagte die Gräfin und suchte zu lächeln ; aber Holk , dem sie die Worte zugeflüstert hatte , sah wohl , daß ihr dies alles mehr Pein als Freude schuf und daß sie , wie das in ihrer Natur lag , ängstlich schmerzliche Betrachtungen