so schwer , Dir das zu schreiben , aber Du mußt es doch einmal erfahren , war mein Verlobter und ist der Vater meines Kindes , das bald nach seiner Geburt starb . Verdamme mich nicht , Geliebter . Ich habe gefehlt , aber ich habe hart büßen müssen dafür . Ich kann Dir jetzt nicht die ganze Tragödie schreiben . Ich bin zu aufgeregt dazu . Ferdinand war damals im Bade . Dann kam der Bruch , der unvermeidlich war . Ich will Dir das Alles mündlich noch mittheilen , wenn Du es wissen willst . Später , bald nach meiner Niederkunft , sind wir hierher übergesiedelt . Die Verhältnisse zwangen uns dazu . Papa war nicht beliebt bei seinen Collegen , hatte keine Protektion und wurde nicht befördert . Und dann kam mein Fehltritt hinzu . Nun erhielt Papa heute Morgen einen Brief von jenem Bankier , der schrieb , daß Herr Pfeiffer , eben mein damaliger Bräutigam , nach langem Siechthum kürzlich am Lungenschlage gestorben wäre , aber ohne daß er in den vier Jahren , die seitdem verflossen wären , seine Schuld zurückgezahlt hätte . Er hätte immer Geduld und Nachsicht mit dem Kranken gehabt , nun müßte er sich aber an den Bürgen halten , was ihm wohl Keiner verdenken könnte . Aber wo soll Papa das Geld hernehmen ? Wir leben hauptsächlich nur von dem , was er und ich verdienen . Unsere Verhältnisse sind , wie Du weißt , sehr beschränkt . Ich mußte Dir das mittheilen , damit Du weißt , woran Du bist . Es bleibt uns nichts weiter übrig , wenn der Herr auf sein Recht besteht , als unsere paar Sachen zu verkaufen . Es ist zu schrecklich . Was soll dann aus uns werden ? Auch Du kannst uns wohl nicht helfen , lieber Adam . Ich bin zu unglücklich und weiß nicht , wie das drohende neue Unglück abgewendet werden soll . Aber nun gute Nacht , Geliebter . Behalte lieb Deine arme Hedwig . Nachschrift . Papa ist auch sehr unglücklich , ganz gebrochen , er spricht fast gar nicht und brütet nur immer vor sich hin . Wenn er sich nur kein Leid anthut . Das ertrüge ich nicht . Bitte komm morgen bestimmt , lieber Adam . « Adam faltete den Brief , der ihn kaum aufgeregt hatte , zusammen , steckte ihn ruhig wieder in sein Couvert zurück und warf ihn in einen halboffenstehenden Kasten seines Schreibschrankes Dann ging er nachdenklich in seinem Zimmer auf und ab . Das war ja klar : Das Geld mußte geschafft werden . Diese lumpigen tausend Mark ! So ' n dummer , windiger Fetzen ! Was ? Wie mancher blaublütige Jüngling mochte wohl seiner Mätresse ein monatliches - - Unsinn ! - » monatliches « - ein halbmonatliches , womöglich wöchentliches » Nadelgeld « von tausend Mark leisten ! Und an dieser pauvren Summe , an dieser tristen Bagatelle sollte die Existenz einer Familie zerschellen - eben daran , daß sie nicht aufzubringen war ? Nee ! So ' was Lächerliches lebte nicht noch ' nmal ! Uebrigens - das war also die ... die sogenannte » Vergangenheit « dieser Dame ? Wie harmlos ! Sie hatte sich mit einem Ingenieur eingelassen - und die Sache hatte sich auf dem seit Adam , dem Paradiesler , nicht mehr ungewöhnlichen Wege zu der üblichen Fortsetzung verstiegen - det war Allens . Iroßartig ! Wo lag da nur die Pointe ? Das war so grenzenlos alltäglich , eine langweilige , hebeammenhafte Spukgeschichte ohne weiteren Spiritus . Um Gotteswillen ! Einzelheiten - um keinen Preis der Welt ! damit sollte sie ihn nur verschonen ! Nachher hatte sie sich dann ihm hingegeben - und er war auf sie auch regelrecht » reingefallen « - d.h. hatte sich regelrecht mit ihr » verlobt « - hatte ihr regelrecht die sogenannte » Ehe « versprochen - und - und - - - aber war denn diese kleine , unscheinbare Hedwig wirklich etwas Anderes , als die fürtreffliche Emmy , die aus der Sache allerdings so etwas wie ein » Geschäft « machte , aber doch immerhin Liebe und Lust zu ihrem » Berufe « besaß ? Doch - das war ja vorläufig alles Nebensache . Es kam zunächst nur darauf an , die paar Groschen in die Bude zu schaffen . Aber wie ? An wen sollte er sich wenden ? fragte sich Adam . Bekannte , die eines solchen » Opfers « fähig gewesen wären , besaß er nicht . Zu seinen Verwandten engerer und weiterer Kategorie hatte er auch so gut wie gar keine Beziehungen mehr . Ha ! Etwa Lydia ? Nun ! dieser Dame war es ja schließlich ein Leichtes , war es ja ein Kinderspiel , das Geld aufzubringen . Aber - : sich bei Frau Lange darum bemühen - sie schriftlich oder womöglich gar mündlich darum zu bitten - ging das an ? Er hätte doch die ganze Situation correct auseinandersetzen müssen und konnte unmöglich seine Beziehungen zu Hedwig verschweigen dabei - diese Beziehungen eben , die er ja um jeden Preis abbrechen wollte . Das war des Pudels Kern . Eine merkwürdige Wandlung ging zugleich in Adam vor . Er bekam plötzlich einen ganz gehörigen Respect vor dem Gelde und seiner Macht . Und als Gemahl Lydias - ei ! da hatte er ja Wünschelruthe und Waffe zugleich in der Hand . Hm ! In seinem sentimentalen , idealistischen Dusel hätte er es schließlich gar noch fertig gebracht , sich mit Hedwig auf einen gemeinsamen Guerrillakrieg um die Brocken und Brosamen des klebrigen Kleinlebens einzulassen . Es war ganz gut - und in gewissem Sinne zugleich auch sehr tiefsinnig und symbolisch - daß durch sie selbst ein Moment in die Affäre eingeführt wurde , das ihn stutzig machte , das im Stande war , ihn auf seine wahren Vortheile hinzuweisen . Die lagen aber wahrhaftig nicht in einer Ehe mit ... eben mit einer