, das kam Rother grade gelegen . Mit glühenden Farben malte er seinem neuen Freunde die Aussichten , die ihm winkten . Auch entwarf er ein lockendes Gemälde von Berlin . Ganz entscheiden wollte sich Krastinik noch nicht , doch neigte er sich dem Entschluß der Abreise zu , - um so mehr es ja in seiner Natur begründet lag , hastige plötzliche Entschlüsse zu treffen . Doch bat ihn Rother , als er ihn an jenem Tage verließ , nun definitiv sich zu entscheiden , da er bestimmt übermorgen nach Berlin zurückreise . - - Da half dem Grafen ein Wink des Schicksals aus seinem Dilemma . Denn , eben im Begriff sich für einen erneuten Besuch bei Egremonts zurechtzuputzen , erhielt er , auf elegantem Velinpapier mit Goldschrift gedruckt , die freudige Nachricht von dem geistigen Schutzpatron der » Britischen Aristokratie « , daß seine Tochter Alice sich mit Sir Thomas de Mowbray verlobt habe . Einen Augenblick fühlte sich Krastinik wie niedergeschmettert . Das Blatt entfiel seiner Hand , er sank auf einen Stuhl und starrte lange vor sich hin . Dann erhob er sich und stürmte ins Freie . Wie lange er so umhergewandert , planlos , irr , durch Parks und Straßen , - er wußte es nicht . Es war nach Mitternacht , als er , wie aus einem Traum erwachend , an dem Eingang einer Underground-Station stillhielt . Mechanisch löste er ein Billet , stieg die Stufen hinab , wo an jeder Seite lange Holztreppen in die ungeheure Halle hinabführten , und wartete auf seinen Zug . In dieser Nacht war er ein Andrer geworden . Der Stahl der Härte verschmolz sich dem ideellen Silber und dem materiellen Kupfer seiner Seele . Ueber die Falschheit der Welt kann man nur lachen . Ihr zürnen und sich über sie grämen , heißt ihr allzuviel Ehre erweisen . Der letzte Nachtzug brauste mit rothfunkelndem Laternenauge heran . Die hölzernen Wände und Treppen der Underground-Station blickten so dürr trübselig drein . Droben auf der Oberwelt heulte ein eisiger Wind . Matt blinzelten die Ampeln . Nur wenige Passagiere trotteten vorüber . Krastinik dachte an eine Nacht auf dem großen Bahnhof zu Perth . Nebel über den fernen Bergen , er ganz allein auf einer Bank . Vor ihm auf und ab spazierend nur ein amerikanischer Tourist mit Frau und Schwester , über der Schulter den buntgewürfelten Tartanplaid , der hier als Touristenmode gilt . Er hatte den Mann recht von Herzen beneidet , den Glücklichen mit zwei weiblichen Wesen an der Seite - er so ganz allein , fern der Heimath , einsam wie eine Distel auf Lammermoors Haide , auf die der Hochlandregen niederträuft . Und dann kam ihm wieder die Erinnerung an eine Nacht in der ungarischen Pußta hinter Großwardein , wo der Eisenbahnzug plötzlich hielt . Man hatte sich verfrüht oder verspätet und ein entgegenkommender Zug wurde signalisirt . So hielt man bange zehn Minuten an derselben Stelle . Die Schaffner liefen mit Laternen draußen auf und ab , unabsehbar dehnte sich zu beiden Seiten die Wüstenei und aus den Sümpfen kreischten unheimlich Wildgänse und Reiher im dunkeln Röhricht . Am andern Tage theilte Krastinik seinem » Kameraden « mit , daß er sofort morgen Abend mit ihm nach Berlin abreisen werde und bereits gepackt und die » Bill « bei seiner Wirthin erledigt habe . Zugleich machte er sich auf , um Dorringtons diese Mittheilung zu machen . Er ließ natürlich den Grund von Rothers Kommen im Dunkeln , that , als sei dies ein alter Bekannter aus Wien her , und entwickelte die litterarischen Gründe , die ihn nach Berlin trieben . Sogar Lady Dorrington billigte , was sie eine » zeitweilige und geschickte Entfernung « nannte . Sie äußerte sich sehr erbost über Miß Alice ' s schmachtende Falschheit , wie Frauen stets dasselbe Benehmen ihrer Schwestern shoking finden , das sie selber doch unter Umständen als echte Frauen in gleicher Weise betreiben würden . Weltklug rieth sie ihrem Neffen , erst aus Berlin seinen Glückwunsch darzubringen : da er schon verreist gewesen sei , ohne zu seinem Bedauern sich Egremonts empfehlen zu können , von plötzlichen wichtigen Affairen abberufen . » Man muß seinen Rückzug decken und seine Niederlage bemänteln , mein armer Xaver . « Dieser biß sich auf die Lippen . ... Krastinik schlug Rother gegenüber jetzt einen forcirt jovialen Ton an . Er glaube , es werde sich diesem alles zum Guten wenden . Uebrigens möge er nicht alle Hoffnung auf Kathi aufgeben . Der kleine Fleck in der Vergangenheit - was schade das ! Das bliebe ja unter ihnen drei - in der Familie . Sie sei ja sonst offenbar ein ganz famoses Weib . Rother liebe sie doch nun mal . Also nicht nachlassen ! » I was schadet ' s denn ! Ich beneide Sie darum . Enden Sie als Gatte einer dicken Gastwirthin , einfach lebend mit einem ruhigen Weib , die sich bescheiden von Ihnen bilden läßt . Solch ein derbes dummpfiffiges Küchenmensch paßt grade für Sie - Sie idealen Schwachmatikus , verzeihn Sie . Damit werden Sie eine gute Brut erzeugen - Darwinische Zuchtwahl . Hören Sie in mir den kundigen Thebaner ! Sie meinen , die Leute werden sich über Sie moquiren ? Pah , was geht Sie die Gesellschaft an ! Sie Glücklicher , Sie haben ja keine Rücksichten zu nehmen wie ich . Lägen dann die Neidhammel , die sich über Sie mokiren , nur in Ihrem Ehebett ! Ja , nur los , ich gebe Ihnen meinen Segen ! Nur hüten Sie sich , daß Sie nicht wie als Freier auch als Mann den blöden Corydon spielen - solcher Sentimentalität sind die Weiber und nun gar solche Weiber bald überdrüssig . « Aber Rother wollte jetzt von solchen Predigten nichts hören . Stumpf und begierdelos , schien er in nörgelnde Apathie versunken . Hatte er zu viel von dem ungewohnten London Fogg , dem dicken Nebel