Müh wert , mich hnaufzrufen oder hrunterzkämma , und ließen s ' mir durch a Fremds Post zutragn , so will ich doch auch soviel wissen , wie dösselbe weiß , und eh d ' mir nit alls sagst , wonach mich neugiert , laß ich dich nit aus der Stubn , mag ' s hitzt kurz oder lang dauern ! « » Was willst denn wissen ? « » Was gschieht ? « » Was soll gschehn ? Dein Tochter wird Sternsteinhofbäuerin . Das kannst dir wohl denken . « » Was weiter ? « » No , ich mein , ' s wär das gnug ! aber obndrein nimmt noch der Bauer ihrn Bubn , ' n Muckerl vom seligen Kleebinder , als eigen Kind an . « » Gar dazu zwingt er sich ? « Die Alte bleckte die Zähne , als aber der Mann vor ihr ernst blieb und verwundert die Augendeckel aufzog , besann sie sich und sagte : » No , ' s is wohl schön von ihm . « » Wohl , wohl , Gotts Lohn dafür ! Als bstelltem Vormund war mir ' s kein gringe Freud . Kannst dir wohl denken , daß ich mich nit dagegen gsperrt hab , daß mein Mündel mal als Herr und Eigner af eins von d ' größten Anwesen im Land z ' sitzen käm ! ? Jo . Aber obwohl ' s Glück bei dem Bubn schon völlig ein Gupf gmacht hat , mußt ich doch noch af eins bstehn , damit ich aller Verantwortlichkeit nachkimm und frein Gwissens d ' Vormundschaft niederlegen kann . Das Häusel da is nach ' s Vaters Tod ' m Kind - « » Was « , kreischte die Zinshofer , mit der Faust in den Tisch schlagend , » gar austreiben ließen mich dö von da , und du , alter Krippenreiter , halfst ihnen dazu ? ! No , schauts enk aber a an , ös zwei dort drobn , denen ich zu allm Schlechten recht war und hitzt zu allm Rechten z ' schlecht wär , und du , sorghaftiger Vormund , ob ich enk nit alln miteinander ein dickmächtigen Strich durch d ' Rechnung mach ! ' s Maul tu ich auf und weis nach , daß dem verhöllten Fratzen ' s Häusel da nit zukommt , ein Jurament leg ich drauf ab , daß er an ' m Verstorbnen kein Recht hat und der andere ihn nit an Kinds Statt ... « Der Bürgermeister hatte eine Art Rundtanz um die scheltende Alte ausgeführt - eine choreographische Leistung , weit davon entfernt , Sinnlichkeit zu erregen - , wobei er ein über das andere Mal die Arme beschwichtigend auflüpfte und unablässig raunte : » Halt ' s Maul ! - dein verwettert Maul halt , sag ich . « Als sie aber dazu weder gewillt noch je willens zu werden schien , sah er selbst zu dem Rechten und schloß ihr mit eigener Hand den Mund . » Du himmelherrgottssakkermentische Kreuzader , eh dein Gift und Gall ausspeibst , laß eins doch ausreden , ich war ja noch nit z ' End . Dann - dann such ein Anlaß zun Schelten - müßtst grad du ein finden ! « » No , so red « , murrte die Alte , » red halt . « » Weil ' s selb Häusel doch von gar kein Belang is , so war ich dafür , mer sollt ' s verkaufen und ' n Erlös ' m Bubn anlegn ; der Bauer war einverstanden , hat aber gleich selber a Anbot gmacht , was ' s überzahlt , no ja , ' s kommt doch ' m Kind z ' gutem ; so warn d ' Sternsteinhoferleut Eigner von da , und d ' Sternsteinhoferleut schenken ' s wieder dir , und ' s Veranstalten is gtroffen , daß d ' in nächstn Tägn grundbücherlich drauf angschrieben wirst . Hitzt weißt ' s. Hast ' s auch verstanden ? « » Ei , du mein , je ja , freilich , dös wird doch leicht zu verstehn sein . ' s Häusel is hitzt mein ! « » Is dein - und no kannst dich schon dein ausartigs Reden von vorhin reun lassen . « » Wohl , wohl , war ja nix wie dumm Gschnatter . Du hast als gscheiter Mon gleich nit drauf ghört . Ich schreiet ' s so frei aus nit , wußt ich , was nachzweisen , und könnt ich a Jurament ablegn ? ! Wär doch sündhaft gegn d ' braven Leut und mein leiblich Tochterkind ! Nit ? Jo ! Burgermaster , tatst mer leicht d ' Ehr an für dein gute Botschaft und nahmst a Glasel Wein ? Z ' Haus hätt ich wohl kein - « » Dank schön . Ich nimm mitm guten Willn vorlieb , bei dir auch mit weniger . Gute Nacht ! « » Gute Nacht , Burgermaster ! « Was nun die Alte im Hause herumtrieb , Stuben aus und Stuben ein und vom Grundgemäuer bis hinauf unters Sparrenwerk , das war nicht Neugierde noch Unruhe , sondern Lust an dem neuen Eigen . Vieles , worauf sie früher nicht geachtet , besah sie sich erst jetzt genauer ; nun galt jeder Nagel an seiner Stelle und zählte mit . Sie lief auch hinaus in den Garten und schlug angesichts der Bäume und Sträuche freudig in die Hände ; bei alledem aber verließ sie keinen Augenblick der sittlich erhebende Gedanke , daß sie nichts einem blinden Glücksfalle schulde und , was ihr geworden - redlich verdient habe . Es war eine stille Hochzeitsfeier , die bald darnach auf dem Sternsteinhofe stattfand , ganz wie es sich für Brautleute schickte und ziemte , die nach kurzem Witwerstande eine zweite Ehe schlossen . Schier verwundert und verblüfft standen die wackern Zwischenbüheler , als das junge Weib vom Altare wegging . Daß Helene schön war ,