, aber jetzt - « Senders Tatkraft war wieder in ihm wach geworden . Als er daheim die Wohnstube betrat , fand er just diesen anderen vor . Der » Marschallik « war auch sonst kein Kopfhänger , heut ' lachte ihm vollends die helle Freude aus den Augen . » Gottswillkomm ' ! « begrüßte ihn Sender herzlich . » Ist das recht ? Seid Ihr nur ein Freund für die schlechten Tage ? Seit vier Wochen hab ' ich kein Zipfele Eures Kaftans gesehen . Aber ich seh ' , heut ' ist Euch was Gutes begegnet ! « » Wird erst ! mein Jung ' « , lachte der Marschallik , » wird erst ! Das Beste , was ich auf der Welt hab ' . Simche ist gestern nach Chorostkow gefahren und bringt mir heut ' meine Jütte mit . Das Kind war jetzt vier Jahr ' nicht zu Haus , und seit ihrem zehnten ist sie drüben - sieben Jahr ' ! So gut sie ' s in der Fremde hat , mir tut doch das Herz weh , daß sie dort bleiben muß . Aber was läßt sich da machen ! Kein Mensch will heiraten , nicht einmal ein gewisser Mensch , der ' s dem Rabbi versprochen hat ! « » Findet doch erst eine , die mich mag « , erwiderte Sender , suchte jedoch dann hastig das Gespräch auf andere Dinge zu bringen . Es fiel ihm nicht schwer , der Marschallik erzählte von seinen Kindern ; die beiden Söhne verdienten sich nun als Handwerker selbst ihr Brot , von den vier Töchtern waren nun drei verheiratet . » Und die Jütte bring ' ich auch noch an ! « schloß er . » Um die ist mir schon gar nicht bang . Freilich hier nicht , so wenig wie die Schwestern . « » Warum nicht hier ? « fragte Frau Rosel . » Weil Ihr arm seid ? Das ist doch kein Grund . « » Nein « , erwiderte er , » sondern weil ich der Marschallik bin . Die Leut ' haben mich gern , ich weiß , und gegen meine Ehrlichkeit ist auch nichts zu sagen , aber mit einem Menschen , der um Geld Spässe macht , verschwägert sich niemand gern . « Er nickte traurig vor sich hin , aber gleich darauf lachte er wieder . » Glaubt Ihr , ich mach ' mir was draus ? Nicht so viel ... Aber nun geh ' ich weiter ! « » In der Hitze ? « rief Frau Rosel . » Erwartet doch Eure Tochter hier und eßt mit uns , so viel da ist . « Er ließ sich nicht lange bitten , aß aber nur wenige Bissen . » Ich kann ' s nicht - vor lauter Freud ' « , sagte er . » Ach wüßtet Ihr , was das für ein golden Kind ist . Reb Hirsch Salmenfeld sagt mir immer : Ich gönn ' Euch gewiß den Richtigen für Euer Kind wie mir für meine Malke , aber was ich ohne sie anfang ' , weiß ich nicht , sie hält mir das ganze Haus zusammen . Und Ihr wißt « , fuhr er stolz fort , » es ist die größte Wirtschaft in Chorostkow , das feinste Einkehrhaus weit und breit . Mit Müh ' und Not hat er sie jetzt auf acht Tag ' freigegeben , weil grad ' das Geschäft still ist . Ja , meine Jütte ! « Nach dem Essen ging Frau Rosel auf ein Schläfchen in ihre Kammer , auch der alte Mann nickte in der Hitze ein . So war es Sender allein , der das Herannahen des schweren Leiterwagens gewahrte , den sein Freund Simche lenkte . Wohl ein Dutzend Passagiere saßen unter der Leinwandplache , halb erstickt von Staub und Hitze , darunter einige junge Mädchen . Sender musterte sie neugierig . » Du bist die Jütte ! « sprach er eins von ihnen an , dem lachende braune Augen in einem frischen , runden Gesicht standen . » An deines Vaters Augen erkenn ' ich dich . Komm ' , steig ' ab , er ist drinnen eingeschlafen - vor lauter Erwartung ! « Sie sprang ab . » Und du mußt der Pojaz sein « , sagte sie munter . » Ich erkenn ' dich an der Höflichkeit . Einem erwachsenen Mädchen du zu sagen - so eine Feinheit lernt man nur aus den deutschen Büchern . « Die Mitreisenden lachten . » Du , gib acht « , warnte ihn Simche . » Die ist dir über ! Was , Nüssele ( Nüßchen ) ? « Der Vergleich war nicht übel , sie war rund , braun und blank wie eine Haselnuß . » Dein Kofferchen geb ' ich zu Haus ab . « Er fuhr weiter . Sender öffnete ihr die Tür . » Ich bitte , näher zu treten , verehrtes Fräulein « , sagte er neckend in seinem besten Hochdeutsch . » Wenn das Fräulein es so belieben ... « Sie blickte ihn scheinbar erstaunt an . » Was ist das für eine Sprach ' ? « fragte sie . » Glaubt Ihr , es wär ' Deutsch ? « » Der Stich gibt kein Blut ! « lachte er , war aber doch rot geworden . » Und da sagt man : Dicke sind gut . Jetzt weiß ich , wie viel ' s bei Euch geschlagen hat . « » Kein Wunder « , erwiderte sie . » So ein Uhrmacher wie Ihr ! « Frau Rosel kam herbeigeeilt , als sie die fremde Stimme hörte , und geleitete das Mädchen zu ihrem Vater . Es war rührend , wie er die Augen aufriß und sie wieder schloß und dann aufjubelte : » Kein Traum ! Kein Traum ! « Die Hausfrau brachte der Halbverschmachteten eine Labung ; die vier blieben noch eine