erheblich zeichnen , daher fiel das Ganze etwas byzantinisch aus , was ihm bei der Fertigkeit und dem Glanz der Farben ein eigenes Ansehen gab . Jeden Tag betrachtete ich Anna verstohlen oder offen und verbesserte danach das Bild , bis es zuletzt ziemlich ähnlich wurde . Es war in ganzer Figur und stand in einem Blumenbeete , dessen hohe Stengel und Kronen mit Annas Haupt in den tiefblauen Himmel ragten ; der obere Teil der Zeichnung war bogenförmig abgerundet und mit Rankenwerk eingefaßt , in welchem glänzende Vögel und Schmetterlinge saßen , deren Farben ich noch mit Goldlichtern erhöhte Alles dies sowie Annas Gewand , welches ich phantastisch erfand und schmückte , war mir die angenehmste Arbeit während vieler Tage , die ich im Walde zubrachte , und ich unterbrach diese Arbeit nur , um auf meiner Flöte zu spielen , welche ich beständig bei mir führte . Auch des Abends , nach Sonnenuntergang , ging ich oft mit der Flöte noch aus , strich hoch über den Berg , bis wo der See in der Tiefe und des Schulmeisters Haus daran lag , und ließ dann meine wildgewachsenen Weisen oder auch ein schönes Liebeslied durch Nacht und Mondschein ertönen . So gingen die Sommermonate vorüber ; ich verbarg das Bild sorgfältig und gedachte es noch lange zu verbergen , da es von jedermann als ein ziemlich deutliches Geständnis der Liebe angesehen werden mußte . An einem sonnigen Septembernachmittage , als der herbstliche Schein mild auf dem Garten lag und das Gemüt zur Freundlichkeit stimmte , wollte ich eben ausgehen , als ein ganz kleines Knäbchen mir die Botschaft brachte , ich möchte in die größere Gartenlaube kommen . Ich wußte , daß sämtliche Mädchen dort mit Margots Aussteuer beschäftigt waren und daß Anna ihnen half ; das Herz klopfte mir daher sogleich , weil ich irgend etwas ahnte ; doch ging ich erst nach einer kleinen Weile mit gleichgültiger Miene hin . Die Mädchen saßen in einem Halbkreise um das weiße Leinenzeug herum , unter dem grünen Rebendache , und sie sahen alle schön und blühend aus . Als ich eintrat und fragte , was sie begehrten , lächelten und kicherten sie eine Zeitlang verlegen , daß ich trotzig schon wieder umkehren und weggehen wollte . Jedoch Margot ergriff das Wort und rief : » So bleib doch hier , wir werden dich nicht essen ! « und nachdem sie sich geräuspert , fuhr sie fort : » Es sind mannigfaltige Klagen über dich angesammelt , und wir haben daher uns als eine Art Gerichtshof hierher gesetzt , um dich zu richten und ins Verhör zu nehmen , lieber Vetter ! und wir fordern dich hiemit auf , uns auf alle Fragen treu , wahr und bescheiden zu antworten ! Erstlich wünschen wir zu wissen - je , was wollten wir denn zuerst fragen , Caton ? « » Ob er gern Aprikosen esse « , erwiderte diese , und Lisette rief : » Nein , wie alt er sei , müssen wir zuerst fragen , und wie er heiße ! « » Bitte , macht euch nicht gar zu unnütz « , sagte ich , » und rückt heraus mit eurem Anliegen ! « Doch Margot sagte : » Kurz und gut , du sollst einmal sagen , was du gegen die Anna hast , daß du dich so gegen sie benimmst ? « » Wieso ? « antwortete ich verlegen , und Anna wurde ganz rot und sah auf ihre Leinwand . Margot fuhr fort : » Wieso ? das möchte ich auch noch fragen ! Mit einem Wort , was hast du für einen Grund , seit deiner Ankunft bei uns kein Sterbenswörtchen zur Anna zu sagen und zu tun , als ob sie gar nicht in der Welt wäre ? Dies ist nicht nur eine Beleidigung für sie , sondern für uns alle , und schon des öffentlichen Anstandes wegen muß es gehoben werden auf irgendeine Weise ; wenn Anna dich beleidigt hat , ohne es zu wissen , so erkläre es , damit sie dir demütige Abbitte tun kann . Übrigens brauchst du hierauf nicht stolz zu sein oder zu glauben , es sei auf deine kostbare Gunst abgesehen ! Einzig und allein muß durch gegenwärtige Verhandlung die Schicklichkeit und das gute Recht gewahrt werden ! « Ich erwiderte , daß ich die Gründe für mein Benehmen gegen Anna angeben könne , sobald sie mir diejenigen für ihr eigenes Verhalten mitteilen wolle , indem ich mich ebensowenig eines an mich gerichteten Wortes rühmen dürfe . Auf diese Rede ward mir vorgehalten ein Frauenzimmer könne immer noch tun , was sie wolle ; jedenfalls müßte ich den Anfang machen , worauf dann Anna sich verpflichten würde , in einem gesellschaftlich freundlichen und zuvorkommenden Verkehr mit mir zu leben wie mit anderen . Dies ließ sich hören und schien mir ganz in dem Sinne gesagt zu sein , in welchem ich die Frauen als eine verschworene Einheit betrachtet hatte ; es klang mir wie ein angenehmer Beweis davon , daß es gut sei , wenn sie eine Sache wohlwollend an die Hand nähmen . Ihre hochtrabenden Worte beirrten mich nicht , und ich bildete mir gleich ein , daß man mich sehr nötig habe . Lächelend erwiderte ich , daß ich mich einem vernünftigen Wort gern füge und daß ich nichts Besseres verlange , als mit aller Welt in Frieden zu leben . Nun stand ich aber wieder da , ohne Anna weiter anzusehen , welche emsig nähte . Lisette ergriff nun das Wort und sagte : » Um einen Anfang zu machen , gib nun der Anna die Hand und versprich ihr mit deutlichen Worten , jedesmal , wo du mit ihr zusammentriffst , sie mit ihrem Namen zu grüßen und sie zu fragen , wie es ihr geht ; hiebei soll festgesetzt sein , daß alle Tage , wo und wann ihr euch zuerst begegnet , die Hand gereicht werde , wie es