zu geben . » Doktor Leist hat recht ; es schmeckt wie eine Doppellimonade . Und nun hole mir noch ein paar Kalvillen . Hier schräg unter uns aus dem alten Saal . Aber nimm den Wachsstock und sieh dich vor auf der Treppe ; die Stufen sind so ausgelaufen . Und verfitze dich auch nicht in dem Bohnenstroh . « Maline sah vor sich hin . Dann sagte sie verlegen : » Ich möchte die Äpfel doch lieber aus der Speisekammer holen , nicht aus dem alten Saale . « » Aber wozu den weiten Weg ? Wir sind ja hier Wand an Wand . Ein paar Stufen und du bist unten . Die Kalvillen liegen links neben dem Altar . « » Ich kann nicht gehen , Fräulein Renate . « » Was ist dir ? « » Ich fürchte mich . « » Weshalb ? « » Er betet wieder . « » Wer ? « » Der alte Matthias . « Renate schloß einen Augenblick die Augen und sagte dann mit erkünstelter Ruhe : » Ich bin ihm nie begegnet . Glaubst du daran ? « » Ich weiß es nicht . Ich weiß nur , was mir die Ruschen , die alte Jätefrau , immer gesagt hat : Wer den Spuk verschwört , dem erscheint er . « » Und wer hat ihn gesehen ? « » Nachtwächter Pachaly . « » Wann ? « » Letzte Nacht . « » Erzähle , was du gehört hast . « » Ich mag nicht . Fräulein Renate werden sich erschrecken und kränker werden . « » Nein , nein , ich will es wissen . « » Nun gut denn . Also Krist und Pachaly hatten die Wache . Jeetze kam auch ; ich sah ihn , als ich um die zehnte Stunde nach Hause kam , denn es gefiel mir nicht im Krug , und ich wollte nicht tanzen . Das gnädige Fräulein werden schon wissen , warum ich nicht tanzen wollte . Aber das muß ich sagen , er tanzte auch nicht . « Renate nickte , während Maline die Hand ihrer jungen Herrin küßte und dann fortfuhr : » Jeetze hatte sich Krists grauen Mantel angezogen und einen alten Säbel darübergeschnallt . Es war zum Lachen . Als der gnädige Herr ihn sah , wurd er ärgerlich und sagte : Das ist nichts für dich , Jeetze . Du hast deine Zeit gehabt . Und dann trat er zu Krist und Pachaly und befahl ihnen , daß sie sich immer in Nähe des Hauses halten sollten . Krist , du nimmst die Parkseite , und Pachaly , Ihr nehmt die Dorfseite , und bei dem großen Mittelfenster des alten Saales trefft ihr zusammen . Und haltet euch immer so , daß ihr euch anrufen könnt . Das alles hört ich noch mit meinen eigenen Ohren . Aber das andere hab ich von Pachaly . « » Nun ? « » So gingen sie denn wohl zwei Stunden . Es war ganz still . Nur vom Krug her , wo man noch nichts wußte , hörten sie Musik . Krist , den jetzt zu frieren anfing , trat in die Hoftür und schlug Feuer an , um sich eine warme Pfeife zu stopfen . Dadurch kam es , daß sie sich für dies eine Mal bei dem großen Mittelfenster nicht trafen und daß Pachaly den langen Querbau allein passieren mußte . Als er an das letzte Fenster kam , sah er Licht ; er trat näher heran und hob sich auf die Fußspitzen . Da sah er , daß das alte Bild erleuchtet war , und vor dem Altar kniete einer und betete . Er hatte aber keine Stimme zum Rufen . Indem kam Krist heran , und er winkte ihm . Dieser sah auch noch den Schein ; als er aber an die Stelle treten wollte , wo Pachaly eben gestanden hatte , losch alles aus , und es war wieder dunkel . Sie hörten nur noch Schritte und ein Knistern im Stroh , das vor den Stufen lag . « Renate hatte sich höher aufgerichtet . Die Wand , an der sie lag , war die Giebelwand , an deren anderer Seite - nur um eine Treppe tiefer - der alte Altar sich befand . Eine Herzensangst befiel sie . Sie hatte das Bedürfnis eines Zuspruchs , den ihr Maline nicht geben konnte ; so sagte sie : » Du solltest mir Tante Schorlemmer rufen . « Maline ging . Als sie aber eben die Tür öffnen wollte , rief ihr Renate nach : » Nein , bleib ! « Und dann wieder ihrer Furcht sich schämend , setzte sie hinzu : » Nein , geh ; ich will mich bezwingen . « Es vergingen Minuten . In dem nur matt erleuchteten Zimmer bewegten sich die Schatten hin und her ; ihr fiebriges Auge folgte diesem Tanz und haftete zuletzt auf der Bilderreihe , die an der anderen Wand des Zimmers hing . Es waren englische Buntdruckbilder , eines ein gotisches Portal darstellend , in dem eine Ampel hing und durch das hindurch man auf einen Altar blickte . Alles in vorzüglicher Perspektive und der Altar nur ein Punkt . Sie sah ihn nicht , sie wußte nur , daß er da war . Und vor ihrem Auge wuchs jetzt das Portal , und der Altar wuchs , und vor den Stufen des Altars kniete wer . Es schlug ihr das Herz , und sie konnte doch von dem Bilde nicht lassen . Da hörte sie Schritte draußen , und gleich darauf trat Tante Schorlemmer ein , noch die Wirtschaftsschürze vor , ein sicheres Zeichen , daß sie von Herd oder Küche abgerufen worden war . Maline , die wegen ihrer Spukgeschichte ein schlechtes Gewissen haben mochte , war zurückgeblieben . » Wie gut , daß du kommst , liebe Schorlemmer . Ich habe eine rechte Sehnsucht nach dir gehabt . Du