, wildert er nicht mehr , sondern arbeitet mit Fleiß und Schick in den Holzschlägen , und seine Kinder erwerben sich ihr Brot durch Sammeln von Waldfrüchten . Der Mann hat mir gestern ein Bündel gedörrter Blätter gebracht ; dieselben wüchsen nur drüben im Gesenke und besäßen eine wunderbare Heilkraft , die auch der jahrelang kränkelnden Aga die Gesundheit wieder gegeben hätte . Die Lili habe die Blätter gesammelt und getrocknet , und da sei es ihnen beigefallen , dieselben dem jungen , gnädigen Herrn Schrankenheim zu schicken ; es sei kein Zweifel , daß er bei entsprechendem Gebrauche des Krautes genesen würde . Ob ich nicht so freundlich sein wolle , die Arznei zu übermitteln ? Ich habe es dem Berthold zugesagt . Alpenrot Fronleichnam 1832 . Der Waldsänger ist nun auch verstummt . Sein ganzes Leben und Sterben ist angelegt wie ein rosenprangender Dornstrauch in der Wildnis . Ich habe seine wunderlichen Worte so gerne aufgeschrieben und bin gegen seine Sprüche ein paarmal ganz pharisäisch worden ! Als ob eine solche Einfalt freveln könnte ! Er hat eben Himmel und Erde vermengt , wie das jeder Dichter tut . Und Humor ist lange noch kein Frevel . - Nun lege ich in diesen Blättern sein Ende nieder . Der Kropfjodel hat auf der Breitsteinalm eine Hirtenhütte . Und in dieser Hirtenhütte hat er zur Sommerszeit zwei übermütige Söhne , welche die Rinder versorgen und zu ihrem Zeitvertreib allerhand Tollheiten begehen . In letzter Zeit hat sich der Rüpel bei ihnen aufgehalten und ihnen durch seine Lieder und Strohharfenspiele Spaß gemacht . Der Alte ist zeitweilig verwirrt und schwachsinnig gewesen . Und das ist den Jugen just ein rechtes Spielzeug . Allerwege ist der Alte der Bock , auf dem sie reiten ; und er läßt es nicht ungerne geschehen ; es freut ihn schier , daß er bei » Teppen « noch Anwert hat , sagt er , zu gescheuten Leuten tauge er nimmer . Des Abends ist der Rüpel stets in die Hütte gekommen , hat was zu essen erhalten und die Nachtruhe auf dem Heuboden . Da ist es eines frühen Morgens , daß der alte Rüpel vor der Hütte auf einem taufeuchten Stein sitzt . Er spielt auf der Strohharfe und wendet seine matten Augen empor gegen das Morgenglühen der Felsen . Gellt ihm jählings ein wüster Schrei in das Ohr . Er schrickt empor , da stehen die Jodelbuben neben ihm und lachen . Der Alte blickt sie gutherzig an und lächelt auch ein wenig . » Tust strohdreschen , Rüpel ? « frägt der Veit und deutet auf die sonderlichen Saiten . » Und schon so zeitig ! « sagt der Klaus . Der Alte wendet sich : » Ihr wisset das von der Morgenstund ? « Dann legt er die Hände an die Lippen und lispelt den Burschen vertraulich ins Ohr : » Sie hat Gold im Mund ! « » Geh ! « entgegnet der Klaus spottend , » du , da heißt sie sich ja die Zähn aus ! « - Die Hirten erheben über diesen ihren Einfall ein Lachen . » Da oben habt ihr ' s ja , das Gold , da oben ! « Der Alte deutet zitternd gegen die glühenden Wände . » Ja , du Rüpel , das ist wahr ! « sagt der Veit ernsthaft , das ist richtig Gold ; geh nur hinauf und schabe es herab . « Der Greis blickt befremdet drein . » Da kriegst du einen ganzen Korb voll Gold zusammen , und etwan mehr noch ! « sagt der Klaus , » da kannst du dir ein goldenes Schloß bauen und einen goldenen Tisch kaufen und einen goldenen Wein und eine goldene Harfe und eine goldene Frau ! « » Eine goldene Harfe ! « murmelt der Rüpel und seine Augen leuchten auf . Dann fährt er sich mit der Hand über die Stirne . - Er hat das vom goldenen Morgen zuerst selber gesagt , gleichnisweise . - Und jetzt sollte es wirklich so sein ? » Und das Zeug da gibst du des Grassteigers Esel in die Krippe ! « ruft der Veit . Bei diesem Spott auf seine Harfe soll es wie der Schatten einer Wolke über des Alten Antlitz gezogen sein . » Du , Veit ! « droht er , » mein Harfenspiel , das legt dir nichts vor dein Ziel . Das laß du in Ruh ! « Das Wort reizt den Burschen . » So spielt man auf dieser Harfe ! « ruft der Veit und fährt mit der Hand über die Saiten , daß es rauscht und alle Halme springen . Dann sind sie davongelaufen . Der Alte sitzt noch eine Weile und bewegt sich nicht . Er starrt auf die zerrissene Harfe , er wischt mit beiden Händen die Augen , er will sich aus dem Traume helfen ; er kann es nicht glauben , daß es wahrhaftig sei . Sein Alles und Einziges haben sie ihm zerstört - sein Saitenspiel . Erst als oben in den Felsen schon der helle Sonnenschein liegt , erhebt er sich . Den Astreifen mit dem Strohgewirre hat er sich umgehangen , zu den beleuchteten Wänden hat er emporgestarrt , und mit schweren Schritten ist er davongewankt , hinan gegen die Schroffen , über die der Wasserfall niederrieselt , im Sonnenleuchten zu sehen wie flüssiges Gold ... An dem Abende desselben Tages ist es , daß die beiden Hirten wieder lustig um den Herd ihrer Hütte wirten , wie sie es gewohnt . Sie kochen Mehlklößchen , welche sie » Fuchsen « nennen , da sie fuchsbraun geröstet sind . Die Herde ist von ihren Weiden geholt und in Sicherheit des Stalles gebracht . Lustig sind die Jodelbuben allerwege , aber zum Feierabend am lustigsten . Ist der alte Harfner in der Hütte , so necken sie diesen ; ist er nicht da , so necken sie sich selbander . Der Harfner ist