einer Lustreise gingen sie in den Krieg gegen die elende Rotte von Empörern jenseits des deutschen Rheines . Sie erbaten und erhielten Aufträge für Paris , das auch diese Herresabtheilung früher oder später zu erreichen hoffte . Die Kriegsräthin schärfte es ihrem Freunde , dem Hauptmanne , noch besonders ein , den Grafen Berka an den goldenen Chignonkamm zu erinnern , den er ihr aus Paris mitzubringen versprochen hatte , und sie that sicherlich wohl mit dieser Mahnung , denn der Graf , der auf der anderen Seite des Platzes eben vor seiner Schwadron hielt , sah nicht danach aus , als ob er an solchen Auftrag in diesem Augenblicke dächte . Er hatte die Kriegsräthin gar nicht bemerkt , als sie dem Vorüberreitenden ihren Gruß zugewinkt , er bemerkte überhaupt nicht viel von dem , was um ihn vorging . Nur zwei Augen sah er - zwei große , dunkle Augen schwebten ihm vor der Seele , die sich thränenschwer zu ihm erhoben , und zwei Arme streckten sich flehend gegen ihn aus , und er hörte den bangen Aufschrei eines verzweifelnden Herzens . Er hätte sie gern vergessen mögen , diese Augen und diesen Ton ! Er hätte lachen mögen über die Scherze seiner Cameraden , die ihn fragten , warum er keine Begleitung habe und wie es mit der Wette von neulich stehe . Aber so leicht sein Sinn auch war , das Lachen und Scherzen gelang ihm heute nicht , und seine Gedanken wollten ihm nicht gehorchen . Sie kehrten , wie er sich auch vorwärts wendete , in jenes stille Gemach zurück , zurück zu eines armen Weibes Schmerz ! Er athmete erst auf , als er die Stadt verlassen hatte , als das Thor schon lange hinter ihm lag und die Landstraße sich vor ihm in weiter Ferne aufthat . Seine Cameraden hatten ihn nie so finster und so still gesehen , und finster sah heute manche Stirne aus , still war es heut ' in manchem Hause . Die ganze Stadt kam ihren Bewohnern nach dem Abzuge der Truppen recht verödet vor . Mit den Festtagskleidern , die man zu Ehren der kriegerischen Gäste getragen , legte man bald auch die Leichtlebigkeit ab , in der man sich die Zeit her bewegt hatte . Die Rührigsten schienen müde zu sein und ruhten unwillkürlich aus , ohne Freude an der Ruhe zu haben . Die Einen hatten mehr Kräfte , die Anderen mehr Zeit und mehr Geld aufgewendet , als sie gemerkt und gewollt , und in gar vielen Häusern , in denen man noch vor wenigen Tagen fröhlich , als ob die Heiterkeit gar kein Ende haben könnte , beisammen gewesen war , weilten jetzt die Frauen einsam in ihren Stuben , ohne Lust , ihre Freundinnen aufzusuchen , und ohne Neigung , sich es vom Gesichte ablesen zu lassen , wie ihnen eigentlich an diesem Aschermittwoch nach dem militärischen Carneval zu Muthe war . Die Zeit wurde den Frauen lang , nun sie nicht mehr so heiter unterhalten wurden , aber Seba wurde die Zeit nicht lang , wenn schon die Tage und die Stunden auf ihr lasteten , daß sie fast davon erdrückt ward . Finster und schweigend saß sie in ihrer Stube oder auf dem gewohnten Platze der Mutter gegenüber , die Lippen zusammengepreßt , den Kopf brennend und schwer von einem Denken , das ohne Ausweg sich mit zermalmender Schärfe immerfort im Kreise drehte , von zagender Hoffnung , von zweifelndem Vertrauen und schwerem Bangen umhergetrieben . Im Hause und in des Vaters Geschäften ging Alles den gewohnten Gang . Die Eltern sahen es wohl , daß Seba niedergeschlagen war , aber sie hofften , da nun des Grafen Besuche und Galanterien ein Ende hatten , werde sie ihn bald vergessen und sich mit ihrem guten Verstande den ganzen kleinen Liebeshandel aus dem Sinne schlagen . Man dachte darauf , sie einmal durch eine schon lange geplante Reise zu zerstreuen , und der Vater ergriff jetzt doppelt gern jede Gelegenheit , seine Tochter mit Fremden in Berührung zu bringen , von deren Unterhaltung er sich ein Vergnügen für sie versprechen konnte . Eines Morgens , es war nur wenige Wochen nach dem Abmarsch der Truppen , kam gegen den Mittag hin der Architekt zu ihm , der nun schon seit Jahr und Tag im Orte wohnte . Denn seit Herbert den Kirchenbau in Richten übernommen hatte , waren ihm auch andere Bauten in der Provinz übertragen worden , und in jedem Betrachte noch frei und ledig , hatte er sich aus seiner rheinischen Heimath in diese entlegene Provinz übergesiedelt , um seine mannigfachen Arbeiten auf diese Weise sicher leiten und beaufsichtigen zu können . Weil nun der Freiherr von Arten seine Geldgeschäfte alle dem Herrn Flies überantwortete , war Herbert mit demselben bereits hier und da im Auftrage des Freiherrn in Berührung gekommen , und einem Auftrage des Barons galt auch sein heutiger Besuch . Es war nämlich neuerdings in Richten mehrmals von einem mittelaltrigen Waschgeräthe gesprochen worden , welches die Herzogin in Vaudricour hatte zurücklassen müssen und dessen Verlust sie stets beklagte . Der Freiherr hatte es , da es ein Familien-Erbstück und ein hochgehaltenes Meisterwerk aus dem fünfzehnten Jahrhundert war , seiner Zeit in Vaudricour bewundert , und der Marquis bei der Unterhaltung eine ungefähre Zeichnung davon entworfen , die von dem Architekten vervollkommnet und unter dem Beirathe der Herzogin so lange umgemodelt worden war , bis sie zu ihrer Freude einen völlig richtigen Abriß des ihr werthen Gegenstandes vor sich zu haben erklärte . Aber eben das Betrachten der Zeichnung machte an jenem Abende das Bedauern der Herzogin über den Verlust und die wahrscheinliche Zerstörung des schönen Geräthes erst recht lebhaft . Auch die Baronin äußerte ihr Wohlgefallen an den edeln Formen und den sinnreichen Verzierungen , und so entstand in dem Freiherrn , der es liebte , den Personen seiner Umgebung Freude und eine Ueberraschung zu bereiten , der Gedanke , heimlich zwei solcher Waschgeräthschaften