Läufen die Tasten hinauf und hinab wie eine Göttin des Wirbelwindes . Es schien sehr nötig zu sein , daß sie wieder einen Besuch ihrer » Freunde und Verwandten « erhalte , um von denselben auf die Vorteile und Vorzüge der » klassischen Ruhe « aufmerksam gemacht zu werden . Am Rande des Parkes traf Hans , den widerwilligen Aimé an der Hand führend , noch einmal mit dem Professor Blüthemüller und dem Doktor zusammen . » Für diesmal sind wir glücklich entkommen , Hans ! « rief lachend der letztere . » Ein eigentümliches Haus ; aber die Damen sind entzückend - jede in ihrer Art ! Welch ein reizendes Kind , Freund ; es scheint eine große Neigung zu dir zu haben . Ich könnte dich darum beneiden . « » Ich habe mit dir zu sprechen - viel , sehr viel ! « sagte Hans , nicht mit der gewohnten Freundlichkeit . » Immer zu deinen Diensten , Alter ! « lächelte der Doktor . » Wann willst du mich besuchen ? ... Wir werden uns übrigens auch wohl noch öfters in jenem Hause dort sehen ! « » Ich werde zu dir kommen « , sagte Hans . » Und ich werde dich mit Sehnsucht erwarten « , erwiderte Theophile , Abschied nehmend . Fünfzig Schritte weiter ab murmelte er zwischen den Zähnen : » Die Frage ist nur , ob du mich fürs erste zu Hause antreffen wirst , liebster Hans ! « Den Arm des Professors nehmend , rief er lachend : » Kommen Sie , Kollege . Allons diner . Ich bin Ihnen unendlich verbunden für Ihren Führerdienst , den Sie mir heute geleistet haben . Das Mädchen ist herrlich ! « » Und eine treffliche Partie « , sagte der Professor Blüthemüller und kostete ein imaginäres Glas Madeira . Hans , das Handgelenk Aimés krampfhaft festhaltend , sah den zwei Herren nach . Das war alles , was er tun konnte , und wir können leider nicht leugnen , daß er etwas stupide dabei aussah . Zwanzigstes Kapitel Es geschah so , wie es sich der Doktor Theophile Stein vorgestellt hatte : Hans klopfte einige Male an seine Tür , erhielt aber keine Antwort oder die , daß der Herr Doktor nicht zu Hause sei , und er kehrte jedesmal mißmutiger und niedergeschlagener in seinen unbehaglichen Käfig zurück . Er befand sich in diesem Gefängnis jetzt gegen jedermann in einer falschen Stellung , selbst gegen Franziska Götz . Des Leutnants Fränzchen war noch stiller als zuvor aus ihrem Stübchen zum Vorschein gekommen , und wenn in ihrem Verhalten gegen die übrigen Hausbewohner keine Veränderung eingetreten war , so fühlte Hans um so tiefer und schmerzlicher , daß ihr Wesen ihm gegenüber nicht mehr das vorige war . Und er kannte den Grund davon genau und konnte sie doch nicht fragen , ob das wahr sei , was Moses Freudenstein von ihrem Vater erzählt habe . Er hatte nicht das Recht , diese Frage zu stellen ; tragen mußte er die Last , die auf seinem Herzen Von Tag zu Tag schwerer wurde . Nun drückte und ängstete ihn die Gegenwart des Mädchens um so mehr , je mehr Frieden und Ruhe ihm bis dahin ihre Nähe gebracht hatte ; seine Aufmerksamkeit aber mußte sich in einem noch höheren Grade auf die arme Nichte des Leutnants Rudolf richten . Er war jetzt sozusagen gezwungen , auf sie mit ängstlicher Spannung zu achten ; und bald überhörte er nicht mehr den leisen Fußtritt hinter seinem Rücken , und kein Ton der süßen Stimme ging mehr in den grellen Dissonanzen dieses Hauses für ihn verloren . Die glänzende Kleophea verlor in dem Maße an Einfluß auf den Kandidaten Unwirrsch , wie Franziska ihn gewann . Ihre Pracht , ihre Schönheit , ihr funkensprühender Geist , ihr Widerstand gegen das ungesunde Wesen des Hauses hörten auf , den dummen Hans zu verblenden . Das , was ihn zuerst so magisch angezogen hatte , stieß ihn auch ab ; er erkannte immer mehr , daß nicht jeder Glanz echt ist , und die Opposition der jungen Dame erschien ihm bald fast ebenso unberechtigt wie das , wogegen sie gerichtet war . Er fing an , auch Kleophea zu bedauern , doch aus einem andern Grunde als Franziska . Oft konnte er den Gedanken nicht loswerden , daß jenem herrlichen Wesen all die geistigen und körperlichen Vorzüge dereinst zum größten Elend gereichen würden . Der Doktor Theophile Stein wiederholte seinen Besuch in dem Hause des Geheimen Rates Götz . Er kam diesmal ohne den Professor Blüthemüller , und der Kandidat Unwirrsch wurde nicht zu seiner Begrüßung in den Salon beordert . Auch dem Herrn des Hauses war der Doktor von sehr einflußreicher Seite empfohlen worden , und er empfing ihn demgemäß , da auch die Gattin dazu das Haupt neigte , mit all der Wärme , deren seine so ungemein tropisch angelegte Natur fähig war . Der Geheime Rat schrob sehr an seinem Mechanismus , ehe er aus seinem Arbeitszimmer hervortrat . Dafür war dann aber auch das Räder- und Federwerk im Gange wie selten , während - der ersten Viertelstunde , welche er dem Besucher widmete . Nachher lief es freilich in gewohnter Weise ab , und wer den berühmten Juristen nicht kannte , hätte ihm in der folgenden Viertelstunde nicht die Ehre gegeben , welche ihm gebührte , die nämlich , die Pandekten und das Landrecht auswendig zu wissen und in der Kontroversenliteratur bewanderter zu sein als irgendeiner der Kollegen . Die Lebhaftigkeit , welche dem Gemahl abging , ersetzte die Geheime Rätin vollkommen . Da Kleophea nicht zugegen war - sie besuchte eine Freundin - , konnte der Doktor ohne Schaden eine tiefinnere Übereinstimmung mit den Meinungen der Hausherrin kundgeben und tat es , ohne zu erröten . Er errötete auch nicht , als Franziska in das Zimmer trat und beim Anblick des Besuchers zusammenfuhr und totenbleich wurde . Ganz unbefangen blieb er bei der