die dem Granit der Berge gleicht . Von den Gästen , die zum Schlosse gingen , sah Dankmar auch den Justizdirector mit seiner kleinen anspruchsvollen , runden Frau , von der Hackert gesagt hatte , sie kenne Schlurcks schwache Seiten . Dankmar vermied auch dies Paar , indem er um die Mauer ging , die das Amthaus und den dazu gehörigen Garten umschloß . Wie prangten da die Obstbäume in ihrer schweren Last ! Wie guckten die schwanken Spitzen der drinnen rankenden Rebengewinde über den weißen Kalk herüber ! Wol , dachte er , muß es diesen kleinen Paschas , die bisher auf den adeligen Herrschaften Justiz übten , übel bekommen , wenn sie aus solchen anmuthigen Wohnungen , wo sie die Herren waren , in die Landstädte versetzt werden , wo sie , nach der gewöhnlichen Beamtenelle gemessen , auf der allgemeinen Bleiche des Staates nur ein bescheidenes Stückchen Tuch , vielleicht nicht länger als ihr Ordensbändchen , vorstellen . Näher besichtigte er sich jetzt den gefährlichen Thurm . Dankmar wünschte Siegberten den Anblick dieses malerisch gelegenen alten Mauerwerks mit seiner herrlichen Fernsicht auf die Ebene und das Gebirge . Mit Lächeln betrachtete er sich diesen Überrest alter feudaler Zeiten genauer . Der Thurm lag etwas erhöht und war gewissermaßen das Wahrzeichen des Ortes . Neben ihm wohnte ohne Zweifel der Büttel , Gerichtsbote und sonstige Amtsgehülfe , der dies wahrscheinlich alles in einer und derselben Person vorstellte . Der Eingang in den Thurm zeigte sich schauerlich genug . Die Thür war mit Eisen beschlagen und das Schloß von einem gewaltigen Umfange . Die untern Fenster deckten hölzerne , quer über die Gevierte genagelte Latten . Ganz oben aber waren die wahrscheinlich dort befindlichen Gefängnisse mit vergitterten kleinen Fenstern versehen , denen fast sämmtliche Glasscheiben fehlten . Vögel hatten daselbst ihre traulichsten Nester angebracht und unterhielten sicher die Gefangenen , wie Condorcet sich mit den Spinnen unterhielt . Dankmar mußte lachen , wenn er gedachte , daß hier eine gute Leiter und eine Feile , geschickt von einem guten Freunde bei Nacht dirigirt , jeden Gefangenen befreien konnte ; denn der Thurm lag ganz frei , ganz außer dem Orte , in dem offensten Zusammenhange mit der Landstraße , dem freien Felde und dem Gebirge . Er legte sich , behaglich angemuthet , eine Cigarre rauchend , am Fuß des criminalischen Gemäuers nieder , recht in die Mitte unter frischen , duftenden Feldblumen , unter gelbweißen Kamillen , dunkelrothen Klapperrosen , blauen Glockenblumen , Winden und zwischen hochstämmige hier und da aufgeschossene wilde Wurzel- und Staudenpflanzen . Da fühl ' ich ' s , dachte er im Sinne des Bruders , da fühl ' ich ' s , was doch zum Ergreifen des Pinsels treiben kann ! Wer möchte dies weite Feld , diese Wiesen , diese schlängelnden Bäche mit den Thurmspitzen und blitzenden Fenstern der Meyerhöfe nicht dauernd festhalten ! Wär ' ich ein reicher Mann , trotz meines Bruders historischem Pinsel , nur Landschaften gewänn ' ich mir ! Die andern Maler geben mir alle zu viel aus sich und nur aus sich , der Landschafter giebt nur das , was ich brauche , um mich selber zu erfreuen und mich mit ihm in gleiche aber freie Stimmung zu setzen . Auch ein Genrebild will , daß man gerade diesen Moment und nur diesen , den der Künstler darstellt , genießt . Bei jeder Verschiebung der Gruppe hört das Bild schon auf , die Veranlassung gemalt zu werden , zu verdienen . Aber die Landschaft , die bleibt sich immer gleich ! Der Beschauende wechselt . Er wechselt nicht in seinen Stimmungen , denn die sei eine und dieselbe durch jedes Landschaftsbild , aber in seinen Gedanken , in seinen Betrachtungen , Anknüpfungen , Auslegungen . Könnt ' ich dort den Waldesrand auf dem Berge so nun für ewig mit mir führen ! Es wäre ein Gefühl damit verbunden , das mir immer und immer gleich bleiben würde . Das Pünktchen da oben am Bergrücken ist fast eine Kappe von dunklerm Grün , die der hellgrün gekleidete Berg sich aufgesetzt hat ! Wie mag es unter diesen Tannen da rauschen , singen , flüstern ! Hätt ' ich das nun immer so bei mir , könnt ' ich ' s in einem Bilde so mit mir führen , wie gewiß wär ' ich , daß mir nicht nur diese Vergleichungen , sondern diese ganze selige Stimmung , hier unter dem plessener Gerichtsthurme und am Fuße des Schlosses Hohenberg , nie verloren ginge ! Es könnte nun kommen im Leben , was da wolle , ich sähe mein Bild , und immer genöß ' ich das wieder , was ich jetzt genieße ... Ich muß mir den Siegbert einmal hier hinaus plaudern . In dem Atelier , bei dem Theelöffelgeklapper seiner vornehmen Protectricen , in den Salons und Coterien , wo er ästhetisirt und sich verdüftelt , wird er mir - jetzt besinn ' ich mich auf sein Aussehen im Pelikan - ohnehin ganz blaß ... und verschmachtet mir wol gar ... an einer geheimen Liebe ? Wie Dankmar so im versengten Grase und unter den würzigen Kräutern und bescheidenen Blumen , den Kopf auf den Arm gestemmt , in die Gegend blickte , die ihm , dem Unruhigen und Rastlosen , so viel Friede in die Seele goß , verweilte sein Auge , das anfangs nur summenden Käfern und Schmetterlingen , dann und wann einem Landmanne , einem Bauermädchen , einem Wagen nachhängender folgte , auf einem ältern Manne und einem Knaben , die beide hinter dem Thurme dahergeschritten kamen und sich wie er in der Gegend umschauten . Es war dies jener Fremde , der Ackermann heißen sollte und sich mit einem bescheidenen Fuhrwerke gleichfalls in der Krone Nachmittags eingefunden hatte . Der zierliche , außerordentlich behende , schöne Knabe , der ihn begleitete , war sein Sohn . Er nannte ihn , wie Dankmar von den Leuten in der Krone schon gehört hatte , mit