machen ! « Er sank vor mir nieder mit der nämlichen extatischen Geberde mit der ich einst im Dom zu Würzburg ihn auf den Knien gesehen , und dieselbe Ueberfülle der Empfindung stralte von seinem Antlitz aus . Und wie damals meine kindische Seele - so ward jezt die bewußte Seele gleichsam angedonnert von der Ueberlegenheit , welche die seine über sie hatte , blos darum .... weil er liebte . Klein und unwürdig erschien ich mir selbst , und mit unsäglicher Trauer sprach ich : » Fidelis ! ich bin Ihrer nicht werth . « Er hörte nicht auf mich ; er blieb in seiner Stellung , nahm meine Hände und sagte : » Ja , ich liebe Sie mit einer Liebe von der ich nicht weiß ob sie mir den Himmel ob die Hölle bringt .... aber ich liebe Sie ! - nicht jezt nicht früher , nicht seit dieser oder jener Zeit .... nein , immer ! eingeschreint in meiner Seele , wortlos , maßlos , grenzenlos , wie Sie es nie verstehen noch begreifen können , weil Sie nur den Maßstab der andern Männer haben , welche Sie zur Abwechselung liebten ! ich , ohne Wechsel , nur Sie ! nur Sie ! « Er sprach beinah flüsternd , wie man eben ein Geständniß macht , und doch mit einem solchen vibrirenden Nachdruck , daß mein Herz erbebte , und von diesem Beben aus ein leises Zittern durch meinen ganzen Körper rieselte . Wenn Geister unsichtbar an uns vorüberschweben , mag ein solcher Schauer die Folge ihrer unirdischen Nähe sein . Ich sagte : » Stehen Sie auf , Fidelis ! Sie sind außer sich .... und sprechen Sie nicht so heftig - ich bin nicht daran gewöhnt . « Er stand auf , sank in einen Lehnstuhl und entgegnete fast mitleidig : » Das glaube ich gern ! Arme Sibylle , so wenig sind Sie an die Sprache tiefer , das Leben durchglühender Empfindung gewöhnt , daß Sie vor deren Ausdruck erschrecken .... .... während mir kein andrer zu Gebot steht . Und so werden wir ewig wie auf zwei Planeten fern von einander bleiben , weil uns die unausfüllbare Kluft trennt , welche lieben von nicht lieben scheidet . Ich liebe Sie , ohne jene Zwischenspiele der Sinne , der Gedanken , der Phantasie , welche alle Menschen mehr oder weniger mit gutem Gewissen sich erlauben : daher ist meine Liebe von andrer Kraft , von andrer Sehnsucht , von andrem Schwung , und von einer Intensität , welche Vernichtung , Wiedergeburt und ewiges Leben in sich schließt . « Er hielt immer meine Hand ; ich kann nicht sagen daß er sie drückte , nein ! er hatte sie nur in der seinen begraben . Seine mächtige , ausgearbeitete , wunderschöne Hand , die ganz Nerv war , hielt mich wie an einem ehernen Anker . Er kam mir als der Herr meiner Seele vor . Wie der Magnet beim Nordlicht zittern soll , so zitterte ich .... denn zum ersten Mal in meinem Leben stand ich einer Leidenschaft gegenüber - der Leidenschaft eines Mannes , welcher unangetastet durch die Welt , die Jugend und den Frühling seines Lebens gewandelt war , und jezt , in dessen Sommer , mit all ' ihren Gewittern und Gluten , mit ihren langen Sonnentagen und ihren tropischen Sternennächten , mit ihrer unendlichen Fülle und unermeßlichen Sehnsucht mir entgegen trat . Gott weiß welche Himmel sich mir öfneten ! Gott weiß welch ein Paradies sich vor mir erschloß ! Ich werde ihn lieben ! blitzte es wie mit Stralen und Flammen auf mich herab . » Ich liebe Sie ! « stammelten die Lippen fast tonlos , fast gedankenlos , als Echo eines innern Traumes hervor . Mit einer elektrischen Vehemenz umschlang mich Fidelis ; aber im nämlichen Augenblick ließ er den Arm wie gelähmt sinken und sagte , mir tief ins Auge sehend : » Das ist nicht wahr , Sibylle ! .... Eine immense Seele .... aber leer ! « » Sie wollen mich lieben ! rief ich , und zweifeln daß jener Strom der Empfindung , der Sie so reich macht , in meine Brust hinüber wallen könne ? - daß jene Gluten die in Ihnen flammen in mir ein homogenes Element finden können ? - Aber , Fidelis , wogt die Liebe denn so ins Blaue ohne Ziel hinein ? erfaßt und umschlingt sie nicht ihren Gegenstand mit dem tiefen unabweislichen Bewußtsein ihres Rechts und ihrer Macht , welches in jedem unräsonnirten primitiven Gefühl liegt ? - Ist meine Seele leer , so lieben Sie mich nicht .... sonst müßten Sie darin den Reflex einer Sonne finden . « - - Er sank zu meinen Füßen hin und fand keine Worte mehr . - - - Er blieb . - Das Leben bekam eine wunderbare Färbung . Ich stelle mir vor daß es den Opiumessern so erscheinen mag .... wie durch einen rosenfarbenen wehenden Schleier ! Fidelis hatte ganz Recht : mir fehlte der Maßstab für seine Empfindungsweise . Mir war dergleichen nie vorgekommen , nie in mir , nie außer mir . Diese Intensität der Leidenschaft , die ein ganzes Menschenleben absorbirte , ließ andre Kräfte , andre Gaben , andre Fähigkeiten .... eine andre Organisation voraussetzen . » Wie sind Sie so ganz anders als die Uebrigen ! « sagte ich zuweilen mit ungeheucheltem Erstaunen . » Ja , ich bin ' s ! sagte er einmal ; denn es leben sich Alle in Bruchstücken ihres Daseins zu Tode , von frühster Jugend an . Das that ich nicht . Von diesen Tropfen am Nectarbecher des Lebens fühlte ich mich nie angelockt . « » Erzählen Sie mir den Gang Ihrer innern Entwickelung , Fidelis ! ich kenne Sie so lange , aber immer verschlossen schweigend . « » Schweigend ? hab ' ich nicht mein Herz in Ihre Hände gelegt ? spricht meine Seele nicht zu Ihnen in Rhapsodien der