Frauenseelen , denen es möglich ist , in solchen Verwirrungen wie ein rettender Schutzgeist zu helfen und sie zu lösen . Ihr fehlte das einzige untrügiche Mittel dazu , die Selbstverleugnung und das rückhaltlose Hingeben an das Herz des Mannes . Hätte Caroline das vermocht , hätte sie den Muth und die Liebe besessen , Alfred Zeit zu gönnen , hätte sie sich zu seiner Vertrauten zu machen gesucht , so würde das Gefühl des gerechten Dankes , das sie ihm eingeflößt , zu einem neuen und dauernden Bande zwischen ihnen geworden sein . Aber diese Seelengröße war ihr nicht gegeben . Schon nach wenig Augenblicken bereute sie es , Alfred zu dem Besuche bei Therese aufgefordert zu haben , und sann auf Mittel , ihn dorthin zu begleiten , als ihm ein Diener ein Billet überbrachte . Es war von Therese und enthielt nur die Worte : » Julian hat ein Nervenfieber , sein Leben ist in Gefahr . Kommen Sie nicht zu mir , ich darf und will nichts denken , als ihn . Ich beschwöre Sie , kommen Sie nicht ! « Er las das Blatt und steckte es zu sich , ohne etwas zu sagen . Caroline hatte in der Adresse eine weibliche Handschrift zu erkennen geglaubt und begehrte in hellauflodernder Eifersucht zu wissen , was das Billet enthalte . Alfred wich Anfangs ihren Forderungen aus , endlich , da sie immer dringender ward , gab er ihr das Blättchen . So hast Du sie dennoch wiedergesehen ! rief sie aus . O ! ich Thörin , ich glaubte , Du würdest dazu meiner Erlaubniß bedürfen ! ich Thörin , die in blinder Gutmüthigkeit Dich bat ihr Trost zu bringen . Caroline ! sagte Alfred , ich habe Therese nur einmal gesprochen , ohne daß Du es weißt . Ich hatte mir ' s gelobt , sie nur in Deinem Beisein zu sehen ; aber der Unfriede des gestrigen Abends lastete zu schwer auf mir . Das Mistrauen hatte mich erbittert , mit dem Du Therese und mich auf ' s Neue beleidigtest ; mich erdrückte gestern Abend die Freud- und Lieblosigkeit in unserm Hause und fast ohne daß ich es wollte , fand ich mich in Theresen ' s Nähe nach langem einsamen Umhergehen wieder . Spare die Entschuldigung , meinte Caroline , außer sich vor Zorn , ich glaube Dir nicht mehr , und Du und sie Ihr verdient keinen Glauben . Alfred , einer der wahrhaftesten Menschen , empfand diesen Vorwurf schwer , ein neuer , lebhafter Streit entstand . Er endete mit solcher Erbitterung von beiden Theilen , daß sie sich im Laufe der nächsten Tage zu begegnen vermieden und sich auswichen , wenn sie zufällig irgendwie zusammentrafen . XVI Die Krankheit des Präsidenten hatte einen sehr gefährlichen Charakter angenommen . Als Alfred zu Sophien kam , war sie von derselben bereits unterrichtet und trat ihm mit der Frage entgegen , wie es Julian ergehe ? Er konnte ihr nicht verbergen , daß der Zustand sehr bedenklich sei , fügte aber hinzu , daß man dennoch bei seines Freundes kräftiger Natur das Beste hoffen dürfe . Sie hörte ihm ungläubig zu , lächelte schmerzlich und sagte : Ich hoffe nichts , Julian wird sterben . Sehen Sie , mein Freund ! diesen Rosenstock brachte mir am Weihnachtsabend ein Knabe , als ich in tiefster Wehmuth der Vergangenheit dachte . Der Bote kannte den Geber nicht , aber mein Herz errieth ihn , meine innere Freude sagte mir , er käme von ihm . Die Blumen prangten in vollster Pracht . Glücklich , daß er meiner doch gedenke , daß ich nicht ausgetilgt sei aus seiner Seele , trug ich den Topf in mein Zimmer und drückte mein Gesicht in die Blüthen . Mir schien , als lehnte ich mich an sein Herz . Kaum aber war es geschehen , kaum war der Rosenstock eine kurze Zeit in meinem Besitze , als seine Blätter sich senkten ; er fing an zu welken und ich wußte , was mir bevorstand , als ich am nächsten Morgen von meinem Arzte hörte , Julian sei erkrankt . Vergebens stellte ihr Alfred vor , das Welken des Rosenstockes sei ein durchaus natürliches Ereigniß . Er ist in Treibhauswärme erwachsen , sagte er , dann hat ihn die kalte Nachtluft plötzlich berührt , ehe er in die warme Atmosphäre Ihres Zimmers gebracht wurde , das hat die Pflanze getödtet . Warum denn gleich das Schlimmste glauben ? Warum in diesem Zufall so trübe Vorbedeutung suchen ? Sie sind ein Dichter , wendete Sophie ein , und können an das blinde Walten des Zufalls glauben ? Haben Sie nie den wunderbaren Zusammenhang alles Erschaffenen empfunden ? Haben Sie nie gefühlt , wie die Weltseele das All durchdringt und harmonisch wirkt in uns und in der Pflanze , in den Sternen und in den Thieren ? Ich bin gewiß , alles Lebende empfindet mit uns , unsere Liebe klingt auch in den Geschöpfen wieder , denen kalte Philosophen die Empfindung absprechen . Ich halte fest an der Zuversicht , daß ein Theil von der Seele des Geliebten in allen Gaben lebte , die ich ihm verdanke und von denen ich mich nur mit blutendem Herzen trennen werde . Es wird mir ein erneuter Abschiedsschmerz sein und doch muß auch dieser durchlebt werden . Ihre frühere Lebhaftigkeit hatte einer stillen Trauer weichen müssen , ihre Bewegungen waren langsamer und ruhiger geworden , das Feuer ihres einst so brennenden Auges gedämpft und selbst ihre Kleidung , schwarz und von einfachster Form , trug dazu bei , sie gänzlich verändert scheinen zu lassen . Alfred hatte diese Verwandlung gleich bei seinem Eintreten bemerkt und fragte sie , ob sie denn immer noch bei ihrem frühern Vorsatze beharre . Er hielt ihr die Bedenken vor , die sich in ihm dagegen regten , er bat sie , noch ein Jahr zu warten , er stellte ihr die traurige Einsamkeit des Klosterlebens , die Reize