Augenblick nur daran , ob es ihm selbst zusagend sei ; dann , als er sich davon überzeugt hatte , sagte er , ohne weitere Umstände : Ich komme mit großer Freude , wenn Sie mich haben wollen ! und doch lag gerade in dieser Einfachheit für mich etwas besonders Angenehmes . Das ist es auch ! bestätigte der Vater . Es spricht sich darin ein festes Zutrauen zu dem Freunde und zu sich selbst aus ; die Ueberzeugung , er wisse , wie willkommen er seinen künftigen Wirthen sei , und die Versicherung , er sei ihnen gern verpflichtet . Ueberhaupt charakterisirt sich ein edles Gemüth , ein freier , durchgebildeter Sinn am meisten in der Art , mit welcher man Dienste empfängt und Gefälligkeiten annimmt . Sie auf eine schickliche Weise zu leisten , erlernt Mancher . Ach ! auch das ist nicht jedes Menschen Sache ! wandte William ein . Wie oft erdrückt man uns mit der Art , in der man sich uns dienstwillig und gefällig zeigt ! Eben weil man es nicht ist ! erwiderte der Vater . Weil man sich das für eine Tugend , für eine Pflichterfüllung , oder gar für ein Opfer auslegt , was dem wohlwollenden Sinne ganz einfach und natürlich erscheint . Wer bereit ist , Andern zu dienen und gefällig zu sein , wer empfunden hat , wie viel Freude darin liegt , der gönnt diesen Genuß auch den Uebrigen und nimmt Hülfsleistungen und Gefälligkeiten so gern und unbefangen an , als er sie erzeigt . Er weiß , daß Geben seliger sei als Nehmen , und daß die Befriedigung des Gewährenden gewiß ebenso groß ist , als die des Empfangens . Darum habe ich Vertrauen zu Personen , die mit guter Art anzunehmen verstehen , ohne den innerlichen Vorbehalt , durch einen Gegendienst bald möglichst quitt zu werden oder zu vergelten . Dies Vertrauen hat mich fast niemals betrogen und findet in Walter auf ' s Neue seine Bewährung . Damit aber auch er sich nicht getäuscht finde , lassen Sie uns selber danach sehen , daß Alles für ihn bereit sei , wenn er kommt . So sehr Jenny und Clara sich ihres Wiedersehens erfreuten , so lieb sie einander waren , so konnte es Beiden doch nicht verborgen bleiben , daß es ihnen eigentlich an jenen gemeinsamen Berührungspunkten fehle , welche die Basis der Freundschaft machen . Sie hatten im Ganzen nur wenig Monate zusammen verlebt , eine Reihe von Jahren war seitdem verflossen , und trotz eines fleißigen Briefwechsels waren sie einander in ihrer gegenwärtigen Entwicklung fremd , und wußten sich nicht recht ineinander zu finden . Wie Clara ' s ganze Erscheinung Glück und Zufriedenheit ausdrückte , wie jeder Zug die Wonne aussprach , welche sie als Gattin und Mutter empfand , so zeigte sich auch in ihrer geistigen Richtung eine gewisse Ruhe , ein abgeschlossenes Begnügen . Sie hatte die höchsten Schätze des Lebens erreicht und , obgleich sie für die Außenwelt nicht abgestorben war , interessirte sie dieselbe doch eigentlich nur in so weit , als sie William berührte und mit seinen Wünschen und Ansichten zusammenhing ; denn sie lebte eigentlich nur in ihrem Manne und in ihren Kindern . Jenny hingegen wollte , durch Eduard daran gewöhnt , Theil nehmen an allem Großen und Wichtigen . Mit weiblicher Schwärmerei hing sie an den Planen und Hoffnungen Eduard ' s , nicht um seinetwillen allein , sondern weil sie auch die ihren geworden waren . Geistige und künstlerische Beschäftigungen füllten die größte Zeit ihres Tages aus , und mit ihrer gewohnten Lebhaftigkeit strebte sie nach neuen Kenntnissen , nach höherer , vielseitiger Ausbildung der Anlagen , die sie ungenützt in sich fühlte . Mit schmerzlichem Lächeln sah Clara auf diese Richtung ihrer Freundin hin . Sie glaubte in sich die Erfahrung gemacht zu haben , daß bei Frauen die lebhafte Theilnahme an den Erscheinungen der Außenwelt ein Zeichen innerer Unbefriedigung sei , ein Ersatz , mit dem sie sich für ein Glück entschädigen , das ihnen nicht geworden ist . Jenny hingegen erschien Clara ' s Wesen als eine Entsagung , die sie bewunderte , ohne zu glauben , daß sie selbst im Stande wäre , sich zu solcher freiwilligen Selbstbeschränkung zu entschließen . Bei so verschiedenen Ansichten ward eine gegenseitige Schonung derselben zur Pflicht , und da die ersten Versuche sich zu verständigen , ohne Erfolg geblieben waren , vermied man es darauf zurückzukommen , und Jenny war nahe daran , ihr Beisammensein mit Clara etwas einförmig zu finden , als durch Walter ' s tägliche Anwesenheit eine erwünschte Abwechselung in ihr Leben kam . Er war schon nach wenig Tagen ihr steter Begleiter bei den Spaziergängen , zu denen die Umgegend Baden ' s so unwiderstehlich lockt . Vor ihm durfte sie sich sorglos in ihrer eigenthümlichen Denkweise gehen lassen , und Walter , der dadurch Jenny ' s hohen Werth täglich mehr erkennen und schätzen lernte , äußerte nach einiger Zeit gegen William und Clara , wie anziehend und bedeutend Jenny ihm erscheine . Und nicht auch schön ? fragte Clara . Sehr schön ! antwortete der Graf , und um so fesselnder , als man ihren Augen anzusehen glaubt , daß sie schon geweint , ihrem Munde , daß er schon vor Schmerz gezuckt hat . Solch feucht verklärten Augen gegenüber fühlt man den Beruf zu trösten , zu vergüten , und so heiter Jenny auch erscheint , ist mir doch immer , als hätte die Zukunft bei ihr noch Vieles gut zu machen , als müsse sie durch Glück für früheres Leid entschädigt und belohnt werden . Das klingt sehr warm , lieber Graf ! sagte William scherzend , und fast , als ob Sie nicht abgeneigt wären , die Entschädigung zu übernehmen . Hüten Sie sich vor den feucht verklärten Augen . Sie thun mir Unrecht , entgegnete Walter , wenn Sie meinen Worten irgend einen andern Sinn unterlegen . Daß ich unsere Freundin so lebhaft