er am Morgen stechen will , ob das Herz oder die Sau ? Wer alte Käusene kennt , welche Launen regieren , die leben , je nachdem der Teufel sie sticht , ohne Gewissen und ohne Erbarmen , der kann sich denken , wie es Anne Mareili sein mußte . Jetzt war sein Glück seinem Vater recht , weil er damit den Kellerjoggi so recht , wie man sagt , abetüfeln konnte ; aber wenn Kellerjoggi kam und sich unterzog , sein Rückenweh recht groß machte , seinen Agenten recht dumm , der nicht gewußt , was er redete , zu nichts den Auftrag gehabt , so war die ganze Freude aus und der Friede unter den Sündern wieder hergestellt . Und wenn der Vater dann noch hinfuhr , wie er versprochen hatte , so war er imstande , sie dort im Ungewissen zu lassen , bis er recht wohlfeile Laden gekauft , und dann erst zu sagen , sie sollten nur nicht weiter Mühe haben , aus der Sache werde nichts , er tue es nicht . Wenn es draußen doppelte an der Türe , so fuhr es hoch auf ; wenn es von weitem ein Wägelein hörte , so zitterte es , bis es sich vergwissert hatte , daß nicht der Kellerjoggi darauf sitze , und wenn der Vater vom Hause wegging , so stund es in alle vier Ecken Kehr um Kehr und hatte nicht Ruhe , bis der Vater heim war , bis es wußte , was er für ein Gesicht heimgebracht . Ein Tag nach dem andern ging um , ohne daß einer dem Vater den Kellerjoggi oder einen andern Sinn gebracht ; aber es kam der Sonntag , der Vater war auch noch nicht gefahren , und wenn er fahren wollte , das wußte niemand , und niemand fragte ihn . In diesem Hause ward nicht Familienrat gehalten , wie es sonst wohl in andern geschieht , hier war unumschränkte Despotie . Der Vater wollte , daß die Söhne reich blieben , er sorgte dafür , aber er befahl , und in sein Regiment sich zu mischen , das wagte niemand . Und wenn er Argwohn faßte , einer seiner Söhne hätte Mut , den Kopf aufzuheben und etwas von eigenem Willen spüren zu lassen , so drückte er ihm den Kopf nieder , daß derselbe froh war , ihn unten zu behalten . Er zog die Söhne zu Bauern , ließ sie zAcker fahren und handeln ; aber wenn er irgend merkte , daß einer derselben anfing zu glauben , er verstehe die Sache und möge mit Kauf und Verkauf bald den Vater , so war er imstande , ein Pferd , welches einer seiner Söhne eingekauft , unter dem Preise wegzugeben , nur um denselben demütigen , ihm vorhalten zu können , wieviel an einem Roß , welches derselbe eingekauft , verloren gegangen und daß solche Schnuderbuben doch nicht meinen sollten , sie könnten schon etwas . Wohl , das würde gehen , wenn der Alte nicht noch immer das Heft in der Hand behielte ! So führte er ein Regiment , und wenn ein Kind etwas fragte , so sagte er : » Lue de « , und wenn sonst jemand etwas von ihm wissen wollte , so sagte er entweder ebenfalls nichts oder das Gegenteil von dem , was er eigentlich im Sinne hatte . Nur der Mutter sagte er zuweilen etwas , wenn sie sich nämlich recht demütig und stille verhielt . Rührte sie sich , zeigte sie Neugierde , so sagte er ihr : » Ja wolle , am ene sellige Babi wird man öppis sagen , das dKing uf dr Gaß nit sölle wüsse . Geh und köhl de Säue ; für selligs het me dWyber , i ds Angere häb dNase nit , sust überchunst druf , es geyht dih o hell nüt a. « Da aber doch selten ein Mensch ist der nicht seine Stunden hat , in denen er gerne schwatzt oder der nicht gerne einmal die Perücke abzieht und ist , wie er ist , und schwatzt , wie ihm ist , und selten einer ist wie Ludwig der Vierzehnte , den auch sein Kammerdiener nie in seiner Gemeinheit , sondern stets nur in der Perücke gesehen , so packte er zuweilen bei seiner Frau aus , was er dachte , was er wollte ; dann mußte sie ihm gellen , ihn rühmen und hatte vielleicht einige gute Stunden , wo sie meinte , sie seien Beide recht gute Freunde . Aber sie brauchte dieses Gefühl nur einigermaßen merken zu lassen , so gab er ihr einen Tätsch , daß sie merken konnte , daß ihr Mann sie nicht zum Freund , sondern nur zum Hund wolle . Was sie in solchen Stunden erfuhr , das sagte sie manchmal Anne Mareili , weil es verschwiegen war und sie nicht verriet . Die Buben aber erfuhren nichts davon , denn sie zeigten eine souveräne Verachtung gegen das Weibervolk ; dem ließen sie es auf allen Suppenbröcklene merken , wer da einmal zu befehlen hätte . An einem Sonntag ging der Dorngrütbauer selten aus , wenn er nicht irgend einem Geschäft nachfuhr mit Roß und Wägeli , manchmal um Holz aus , manchmal um eine Kuh oder sonst was . Er rechnete am Sonntag , und nachmittags war meist jemand da , der mit ihm verkehren wollte , bald ein Metzger , bald ein Zinsmann , bald ein Nachbar , der Rat suchte , bald ein Anderer , der Geld wollte . An jenem Sonntag tat er wie gewohnt , und Anne Mareili bebte nur vor einem heranfahrenden Kellerjoggi ; aber es wußte doch immer , was ging , und hatte den Vater sozusagen unter den Augen . Wie erschrak es aber , als er , sobald er zu Mittag gegessen hatte , sich sunndigte , den Hut bürsten ließ und abzog , ohne zu sagen wohin , aber in der Richtung eines Wirtshauses ,