Nacht wie Tag Der Schönheit Ruhe mir erhalten mag . Wenn du mich willst , o Schöpfer , einst genießen , Muß über mich der Born der Schönheit fließen , Wie wollt ich fröhlich sein ! - Sonst acht ich nichts , was Mut und Blut beliebt , Noch was die Welt , noch was der Himmel gibt . Die Hoch sagte : » Sie haben das Lied schön verketzert , kein Mensch wird ' s für ein Andachtslied erkennen . « - » Ich hab es doch mit wahrer Andacht gesungen , ist es eine Sünde , so wollen wir lieber ein Bußlied singen , damit mir nicht gar noch ein Bart davon wächst . « Die Hoch sagte : » Ach , gehn Sie doch , das wär Ihnen grad recht , wenn Ihnen ein Bart wüchse . « Am andern Morgen ging die Tonie zum Tiroler und ich ging mit , um mir sein Antlitz einzuprägen , ich dachte , wenn man sich so was tief in die Seel schreibt , so blüht ' s am End mit einem auf , und weil die Tonie Handschuh aussuchte , setzte sich ein Schmetterling , der vom Main herübergeflogen kam , auf den Strauß an seinem Hut . » Ach , guck den Schmetterling , den haben die Blumen an deinem Hut herbeigelockt ! « - Der Tiroler fragte : » Was ist das für ein Ding , ein Schmetterling ? « und sieht ihn fliegen und ruft : » Ei was , das ist ja ein Pfeilmuter und kein Schmetterling . Du bist ein Schmetterling ! « und kriegt mich um den Hals und küßt mich auf den Mund . Die Tonie macht ein bös ' Gesicht und kauft gleich keine Handschuh mehr bei ihm und geht fort . » Na , « ruft er ihr nach , » nehm ' Sie ' s nit übel , das Mädel nimmt ' s ja auch nit übel auf « , und die Tonie mußt ' lachen und die Handschuh kaufen . Die Geschicht wollt ich als immer aufschreiben , weil sie mir gefällt , aber zu einem Buch paßt sie nicht , denn sie ist ja gleich aus , und was soll dann weiter passieren ? - Der Clemens meint , ich soll alles schreiben , was mir durch den Kopf geht , er denkt , es wär Markt da ; er schreibt , ich soll aus dem Kloster alles aufschreiben , aber nun les nur erst die dummen Gedanken , die in meinem Buch stehen , ob man da was Vernünftiges dran schreiben kann , und hab ' s noch dazu auf den Deckel inwendig geschrieben weil ich meint , ich wollt ' s recht voll schreiben , ja , hat sich was , ich bin schon über vier Wochen noch immer am Deckel . Da steht erstens obenan : Ob Tugend nicht auch Genialität sein möchte , und ob wir vielleicht nur deswegen so mühselig hinanklettern zum Erhabenen , weil wir kein Genie haben . Das war auf der Pappel , an der ich so bequem hinaufklettern kann , ich sah die Vögel geflogen kommen und dacht in mir , du hast kein Genie , du mußt mühselig zu allem hinanklettern , und dann kannst du dich nicht oben erhalten , mußt immer wieder hinunter . - Und da fühlt ich recht in mir , wie alles in mir schwankt , nichts erreichen kann , wie ein Feuer in mir braust , jede Kunst liegt in mir so nah , ich mein , ich hätte sie schon in mir , die Wangen glühen mir gleich so hoch , sie brennen mir , wenn ich nur in die Ferne denk , da liegen mir goldne Berge . Ich steh da , als hätt ich nur den Zauberstab in der Hand , alles inwendig im Geist , aber wenn ' s heraus soll , da bleib ich beim Buchdeckel und muß mühselig Sandkörnchen für Sandkörnchen zusammentragen . Wie ich von der Pappel herunter die Trepp herauf war und hatte meinen ersten papiernen Gedanken aufgeschrieben , der mich noch immer anlachte - so wollt ich doch noch ein bißchen im Abendschein mich wiegen , denn beim Wiegen kommen mir Gedanken . Kaum war ich der halben Pappel hinaufgeklettert , so fiel mir schon wieder was ein , ich klettert also gleich wieder herunter und wieder die Trepp hinauf und schrieb auf : Der ganze Mensch muß in sich einverstanden sein nämlich Herz und Kopf und Hand und Mund . Da stand ich noch so eine Weile vor dem Gedanken still und dacht , vor dem hätt ich immer auf der Pappel können sitzen bleiben , und es tat mir schon leid , daß ich das Buch mit bekleckst hatte , aber weil der Clemens gesagt hatte , ich soll alles schreiben , was mir durch den Kopf geht , so wollt ich ' s durchsetzen . Jetzt gefällt mir aber doch etwas in dem Gedanken , ich kann ihn ja zu was Großem machen , wenn ich einen großen Sinn hineinlege , und wenn ich alles , was ich so schreib , ohne zu wissen warum , mit Gewalt wahr mache . - Ja , ich fühl , es hängt mit dem ersten Gedanken zusammen , es ist die Genialität der Tugend , wenn der ganze Mensch in sich einverstanden ist , und es ist gewiß , was die meisten nicht tun . Ach , nun kommt mir gar die Moral in Weg , laß mich nur lieber die Gedanken weiter abschreiben , dann kleb ich den Deckel zu vom Buch , daß ich sie nicht mehr seh . - Dann fallen mir vielleicht bessere Sachen ein , die nicht so steifstellig sind . Ich bin also wieder auf meine Pappel geklettert , denn es ist mir grad , als kämen mir nur da oben Gedanken , aber kaum war ich droben , so mußt ich auch schon wieder herunter