. Freilich wurde der Stiefel nicht ganz blank , und Münchhausen schalt Karln , sich verstellend , Faulpelz . - Das ist eine der schwersten Prüfungen , welche mir dieses Verhältnis auflegt , daß ich , um es in seiner ganzen Wahrheit zu zeichnen , so viele gemeine Fluch- und Schimpfwörter , euch , o ihr meine reinen Blätter , aufdrängen muß ! Der Fürst hat einen unglaublichen Appetit . Heute verzehrte er wieder eine ganze Bratwurst , und sie gehörte zu den größeren im Kreise ihrer Schwestern ! Das indische Klima wird so an ihm gezehrt haben . Wenn sie ihm nur bekömmt ! * Vor meinen Ohren summt ein altes Lied : Einst liebtest du den Nußknacker , Nach dem Nußknacker liebtest du mich ... So weit kann ich ' s , aber die folgenden Verse wollen mir nicht beifallen , wie oft ich ' s auch für mich hin singe . Dabei uns zu erkennen war in der fürchterlichen Stunde , wo uns die Juden schieden , das heilige Gelöbnis . Ich habe den Fürsten daran erinnert , aber auch er kann die folgenden Verse nicht finden . Mir ist es unmöglich geworden , dem wilden Humor , der in dem Namen : Karl Buttervogel flattert , mich ferner zu fügen . - Bin ich denn nicht ein Weib , d.h. ein Wesen ohne allen Sinn für Ironie ; tiefem , schlichtem Ernste einzig hingegeben ? Um mich nicht aus dem Bilderkreise , den der Fürst gewählt , zu entfernen , nenne ich ihn vor den andern Karlos den Schmetterling . Der Vater lachte , als er diese Bezeichnung zum ersten Male von mir hörte . Er versteht mich nie . Münchhausen begriff mich wieder ganz , begriff mich , ohne daß ein Wort der Erklärung zwischen uns gewechselt wurde . Er sagte : » Wenn der Esel « ( o Gott , wie leide ich ! ) » nur dadurch nicht stolz wird ! « Ja freilich wird , wenn so nach und nach über ihm das Licht verklärender Beziehungen und Bezeichnungen aufgeht , der angestammte Stolz sich herrlich zeigen ! O Münchhausen , Münchhausen , großer Herzenskündiger ! Viertes Kapitel Blätter aus dem Tagebuche eines Bedienten Auch Karl Buttervogel führte ein Tagebuch . Da er sich viel in der Welt umhergetrieben und bei hundert Herrschaften gedient hatte , so war es ihm zur Gewohnheit geworden , kleine kurze Notizen in seine Brieftasche einzutragen , die sich denn dort vermischt mit Anzeichnungen seiner Auslagen fanden . Die Brieftasche hatte Decken von ehemals rotem Schafsleder . Denn ihre Farbe war durch die rauhe Faust der Zeit allgemach ausgetilgt worden ; sie sahen jetzt fast aschgräulich aus . Vier Blätter gelben , oftbenutzten Pergamentes , auf welchem der Bleistift kaum noch eine Spur nach sich lassen wollte , waren eingeheftet ; die Seitentasche enthielt eine gemalte Blume , mit einem Reime darunter , einen kleinen immerwährenden Kalender und einen Kamm . Dieses ehrwürdige Altertum schloß folgende Herzensergießungen Karlos ' des Schmetterlings in sich : Erstes Blatt Den sechzehnten Juni : Ausgerissen von Stuttgart . Hab ' mein Putzzeug im Wirtshaus stehenlassen . Von der Rieke keinen Abschied nicht genommen . Ging zu rasch . * Den zweiundzwanzigsten Juni : Angekommen auf ' m Schloß durch Pferdsturz . Sehr viel Hunger und Durst gelitten . Flöh ' , Wanzen und sonstiges Ungemach . Gefallt mir hier gar nicht . * Vor Wachs . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Stüber Vor blauen Zwirn . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Stüber Vor Sachen aus der Apotheke . . . . . . . . 18 Stüber Vor einen Brief . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Stüber Vor waschen zu lassen . . . . . . . . . . . . . . . 8 Stüber Vor meinem Herrn vor eine gemeinnützliche Kollekte . . . . . . . . . 3 Heller was mir alles mein Herr noch zahlen muß . Seit Lichtmeß keinen Lohn nicht gekriegt . Tut drei Gulden sechs Kreuzer per Monat , zusammen zwölf Gulden vierundzwanzig Kreuzer . * Den sechsundzwanzigsten Juni : Seit drei Tagen nichts zu fressen gehabt . An mein ' Rieken kontinuierlich immerwährend gedacht . Ist kaum noch auszustehen . Sichtlich mager geworden . * O Rieke , dein Getreuer Aus Schwaben oder Bayern , Dem ist es nicht gegonnen , Wenn abends sinkt die Sonnen , Daß er an deiner Brust Dich kußt nach Herzenslust . Vorstehenden Spruch gemacht gestern nacht als den achtundzwanzigsten Juni , da ich nicht schlafen konnt ' von wegen Hunger und Flöh ' . Zweites Blatt Den fünften Juli : Lange nichts eingeschrieben in die Brieftafel . War zu beschäftigt die Zeit her . Außerordentlich mich verbessert in meiner ganzen Lag ' und Kondition . Fräulein verliebt in mich . Durchaus nicht gewißt und erfahren , wie sich ' s zugetragen . Gefragt und getribeliert und endlich auf den Kopf mir zugeschworen , ich sei ' s. Nicht ausweichen gekonnt und endlich zugesichert , ich wollt ' s sein , wenn und wofern ich meine gehörige Verköstigung erlange . Meinen alten Nußkracher mir fortgenommen und dazu geweint . Glaub ' , sie ist verrückt . Sogleich am nämlichen Tag zwei Pfund Rindfleisch gegessen . Sehr schönes Gefühl danach gehabt . Zum erstenmal wieder in Ruh ' an mei ' Rieken gedacht . * Den siebenten Juli : Über alles und jedes befragt , als zum Exempel von Fürst und Hechelkram und seligen Spaziergängen in Nitze und von Rutscheputsche . Kein Wort verstanden , indessen aber mir alles gefallen gelassen und immerdar ja gesagt . * Den achten Juli : Große Gewissensbisse gehabt um mei ' Rieken . Bratwurst gessen