, auch wenn sie nie zur Ausführung kommen ; wer möchte bei ihnen verweilen ? Sobald er sich ohne Verdacht zu erregen von Sergius losmachen konnte , eilte Richard hinweg ; er war nicht im Stande die vertraulichen Mittheilungen , die ihn überströmten , länger auszuhalten . Der hellerleuchtete Saal wurde ihm darüber zur düstern Mörderhöhle ; die Gesellschaft , die ihn umgab , erschien ihm würdig eine solche zu bewohnen ; und die Luft die er athmete roch wie Blut . Er eilte ins Freie , draußen umwehte ihn frische Kühle , doch er empfand sie nicht . Zürnend blickte er empor zum prachtvoll gestirnten Himmel , und ballte in ohnmächtigem Ingrimm die Fäuste und wünschte , wie einst Samson , die das Dach tragenden Säulen mit einem Rucke zusammenreißen zu können , um die unter demselben hausende Rotte und müßte es sein , sich selbst mit unter den Trümmern desselben zu begraben . Er schalt den Mond und die Sterne , weil sie so klar und freundlich auf diesen Inbegriff Abscheu erregender Gräuel hinabblickten ; doch was konnte das Alles helfen ? Die Nacht war schon weit vorgerückt ; aber wie hätte Richard es ertragen können , mit den Schreckbildern , die seine überreizte Phantasie erfüllten , sich zwischen den vier Wänden seiner einsamen Wohnung einzusperren ? Schon allein der Gedanke war ihm fürchterlich . Zwecklos irrte er in den stillen verödeten Straßen der gewaltigen Kaiserstadt umher ; Zufall oder Gewohnheit führten ihn , ehe er es gewahr wurde , an das Hotel des Grafen Stephan , jetzt der einzige Punkt auf der ganzen weiten Erde , wo er hoffen durfte , für das was so entsetzlich ihn bedrängte ein offnes Ohr , ein theilnehmendes Gemüth zu finden . Einige Fenster waren ungeachtet der sehr späten Stunde noch hell erleuchtet . Der Anblick zog mächtig ihn an ; das Thor stand noch offen , Richard flog die Treppe hinauf , zwischen die schnarchenden Diener hindurch , die in Decken und Mäntel gewickelt , sich überall hingebettet hatten , wo sie ein dazu bequem taugliches Plätzchen zu finden meinten . Oben trat ihm Walter entgegen : Sie wollen zu meinem Herrn ? er kann Niemand , er kann auch Sie jetzt nicht sehen . Für mich ist er immer sichtbar , das weißt Du ja , alte Seele ; ich sehe er ist noch wach , und habe höchst Wichtiges ihm vorzutragen ; erwiederte Richard und wollte an ihm vorbei . Seit diesem Morgen ringt die Gräfin mit dem Tode ; sprach Walter mit tiefer bebender Stimme , kaum vernehmbar , und vertrat ehrerbietig aber entschlossen ihm den Weg . Erbleichend vor der Todesbotschaft taumelte Richard zurück , die Sinne vergingen ihm . Walter wurde in das Innere der Zimmer abgerufen , und nach einigen , in bewußtlosem Zustande hingebrachten Minuten , fand Richard , er wußte selbst nicht wie , auf der Straße unter freiem Himmel sich wieder . Der Tag begann so eben zu grauen , die Stadt lag noch in tiefen Schlaf begraben ; nur hin und wieder wankten in der Ferne einige , in ihre Mäntel dicht eingewickelte Gestalten still ihren Wohnungen zu . Nur zwei davon schritten Arm in Arm , leise und eifrig mit einander sprechend , ziemlich nahe an Richard vorüber , ohne ihn zu bemerken . Wir übergeben ihren Staub den Winden , flüsterte Einer von Beiden ; die Stimme war Bestujeffs , an dem Gange seines Begleiters glaubte Richard den Obrist Pestel zu erkennen . Und wie von verfolgenden Furien vorwärts gejagt , setzte er von Neuem seinen einsam traurigen Lauf fort . Von seinem Herzen getrieben , kehrte er wieder und immer wieder zu Stephans Wohnung zurück , weilte ängstlich aufhorchend unter den erleuchteten Fenstern , hörte das Todesröcheln der Sterbenden , die laute Jammerklage seines verzweifelnden Freundes , doch nur in seiner Phantasie . In der Wirklichkeit war Alles still , nur einmal sah er Walter am Fenster stehend , in betender Stellung , die Hände zum Himmel erhoben . Der erquickende Hauch des immer lichter anbrechenden Morgens , der jeden nach schlaflos hingebrachter Nacht Erschöpften einzulullen pflegt ; verbunden mit Richards nach unerhörter Anstrengung doch endlich ermüdeter physischer Kraft , fingen zuletzt an , ihre Rechte geltend zu machen . Nur einmal noch wollte er das Dach sehen , in dessen Nähe er sich eben befand , unter welchem Helena vielleicht von ihm träumend schlummerte , und dann von freundlicheren Bildern begleitet zu Hause gehen , um selbst , wenn gleich nur auf kurze Zeit , Ruhe und Vergessenheit auf seinem Lager zu suchen . Zu seinem Erstaunen sah er , indem er dem fürstlich Andreas ' schen Palais sich näherte , die Thorflügel desselben weit geöffnet ; im Hofe wie in der Vorhalle war Alles in lebhafter Bewegung , angefüllt mit Wagen und Pferden und der emsig durcheinander wogenden Dienerschaft . Der ihm wohlbekannte Reisewagen des Fürsten wurde so eben in die Remise geschoben . Wenige Augenblicke früher hätte Richard ganz unvermuthet Augenzeuge der unerwarteten Ankunft seines väterlichen Freundes und Wohlthäters werden können . Jetzt war Alles rings umher Lust und Leben , Alles verkündete die glückliche Heimkehr des Gebieters . Gott sei Dank ! Gott sei Dank ! betete Richard unter Freudenthränen aus tief bewegter , mächtig erleichterter Brust , sah noch eine Weile dem fröhlichen Tumulte zu , und eilte dann in seliger Erwartung des morgenden Tages seiner Wohnung in einer Gemüthsstimmung zu , die jemals wieder zu gewinnen er noch vor einer halben Stunde kaum für möglich gehalten . Selten genug mag einem von uns ein Morgen aufgegangen sein , der völlig ungetrübt , ohne jede herbe Beimischung , alle die goldenen Hoffnungen erfüllte , die wir am Abende zuvor von ihm hegten , und alle die Knospen in voller Blüthenpracht sich erschließen ließ , von denen wir beim Untergange der Sonne es erwarteten ; diese Erfahrung machte am folgenden Tage auch Richard . Mit tief zerrissenem Gemüthe , ermattet bis zum Umsinken