des Turniers bei Ashby de la Zouche im neunzehnten Jahrhundert . Siebentes Kapitel Unangemeldet , - denn die ganze Dienerschaft befand sich noch auf dem Turnierplatze - trat Hermann in das Zimmer der Herzogin . Sie war nicht dort . Die Vorhänge waren der Sonne wegen niedergelassen ; eine sanfte Dämmerung erfüllte den heimlichen Raum . Hermann warf seine verlangenden Blicke umher , und empfand ganz den süßen Schauder , der uns ergreift , wenn wir für uns die stillen Umgebungen der Frauen mustern dürfen , mit denen sich unsre Einbildungskraft beschäftigt . Seine Augen schweiften von der halbfertigen Stickerei , auf der ihre Hände gelegen hatten , zu den Blumen , die ihr Hauch berührte , von da zu den Porträts , an denen manche Erinnrung haften mochte . Die Blätter dieses Gebetbuchs empfingen ihre unschuldige Morgenandacht , in jenem Sessel mit dem gestickten Fußbänkchen davor , ruhte sie gewiß aus , wenn sie vom Spaziergange zurückkehrte ! Schon wollte er sich bescheiden wieder in das Vorzimmer zurückziehn , als er in der Ecke den Papagei gewahr wurde , der , wenn wir nicht irren , schon zuweilen in diesen Geschichten erwähnt worden ist . Die Klappe des Schreibtisches war offengelassen worden , Papiere , aus farbigen Mappen hervorsehend , lagen darauf . Der dreiste Vogel hatte sich die Entfernung der Gebieterin zunutze gemacht , vieles herausgezerrt , zerbissen , auf den Fußboden gestreut . Jetzt saß er auf dem Rande eines Korbes , welcher zur Aufnahme der weggeworfenen Papierschnitzel diente , und zerstörte mit großer Emsigkeit ein paar feine rote Blättchen , die er zwischen Klauen und Schnabel hin- und herzog . Hermann wollte ihm den Raub abjagen ; der Papagei ließ die Blätter in den Korb fallen und entfloh mit lächerlichen Sprüngen . Hermann sah in dem Korbe die halbzerrißnen Blätter auf andern gleichfarbigen liegen ; er mußte sie für Wegwurf halten und konnte meinen , wenigstens keine Indiskretion zu begehn , wenn er sich dieselben zueignete . Die Handschrift der Herzogin winkte ihm von ihnen entgegen ; in seinen unklaren verworrnen Empfindungen streckte er nach ihnen die bebende Hand aus , er wollte etwas von der Fürstin besitzen , heute besitzen , er drückte unwillkürlich seinen Mund auf die Blätter , und schob sie unter die Weste ; auf seinem Herzen sollten sie ruhn . Wie ein Schatten schwebte die Gestalt Corneliens seiner Seele vorüber , schon hatten seine Finger die Blätter gefaßt , um sie an ihren Ort zurückzubringen , als das Erscheinen der Herzogin , die aus dem anstoßenden Gemache in das Zimmer trat , dieses gute Vorhaben vereitelte . Verweint trat sie ihm , schamrot er ihr entgegen . » Das gehört auch noch zu den übeln Folgen solcher Zerstreuungen , worin ich seit vier Wochen lebe , daß man das nächste vergißt « , sagte sie , indem sie die Verwüstung erblickte . » Ich kenne den Schelm und seine Unarten , und lasse ihn hier uneingesperrt bei den Papieren zurück . « Hermann hob die am Boden liegenden Blätter auf , sie ordnete sie , so gut es in der Schnelligkeit gehn wollte , in die Mäppchen ein , und sagte : » Es sind meine Erinnrungsblätter , ich hatte heute ein Bedürfnis , darin zu lesen . Welchen eignen Eindruck macht eine solche Lektüre ! Wie vieles schreibt man auf , worüber man kurz nachher lächeln muß , oder wovor man auch wohl zu erröten hat . - Aber nun , mein Helfer und mein Trost , zur Hauptsache ! Die ganze Gegend ist in Erwartung unsres Festes , es kostet leider , wie ich aus den Rechnungen , die mir nach und nach jetzt schon vorgelegt werden , sehe , Tausende , und doch ist es , wie wir heute erfahren haben , nicht zustande zu bringen . Was für Unglück hätte ich anrichten , welche schreckliche Gewissensbisse hätte ich mir zuziehn können ! Mit Schauder denke ich an die Auftritte , die ich draußen sah . « » Beruhigen sich Ew . Durchlaucht « , sagte Hermann . » Ich hoffe , Ihnen einen Plan vorlegen zu können , dessen Ausführung Sie , den Herrn , und alle Gäste zufriedenstellen wird . « » Ich bin begierig , ihn zu vernehmen « , sagte die Herzogin . » Mein Gedanke ist folgender « , versetzte Hermann . » Die Idee zu dem Feste ist aus dem Bewußtsein Ihres Standes hervorgegangen , es sollte ein adliches sein . Dabei müssen wir also stehnbleiben . Aber warum gehn wir in so entlegne Zeiten zurück ? Warum wählen wir eine Darstellung des Ritterwesens , mit welchem , wenn wir die Sache näher betrachten , unsre heutigen Begriffe durchaus nicht mehr zusammenhangen ? Lassen Sie uns also immerhin einige Jahrhunderte weiter vorrücken und ein Fest aus dem Zeitalter Ludwigs XIV. und Augusts des Starken veranstalten , in welches die Blüte der ersten Klasse der Gesellschaft fiel . « » Und das wäre ? « fragte die Herzogin . » Ein Caroussel « , versetzte Hermann . Sie haben gewiß , meine Fürstin , von den prächtigen Lustbarkeiten gelesen , die in dieser Art besonders am sächsischen Hofe gefeiert worden sind . Auch sie geben reichliche Gelegenheit , Figur , Anstand , Geschick zu zeigen , auch bei ihnen empfängt der Kavalier aus den Händen der Dame den Dank ; Galanterie und Sitte haben auch da freien Spielraum . Und alles ist mit einigen Quadrillen , mit dem Stechen nach dem Ringe und nach dem Türkenkopfe abgetan . Jeder wird sein Vergnügen haben , und wir dürfen vor keiner Leiche besorgt sein . « Die Herzogin entzückte dieser Vorschlag . » Aus welcher Verlegenheit retten Sie mich ? Wie erkenntlich muß ich Ihnen sein ! « rief sie . Hermann fuhr fort : » Alle Anstalten zu dem Turniere können wir auch zu dem Caroussel gebrauchen ; an dem Kostüm der Damen und Herren braucht kaum etwas geändert zu werden , denn es