, an dem es verblutete . Ach ! nur zu gewiß ist es , die erste Falschheit führt unsägliche Verwirrung herbei und kettet ein Unrecht an das andere . Hätte ich sprechen dürfen vor unserer Verbindung , wie mein Gefühl mich trieb , ich hätte mir selbst und auch dem theuersten Freunde meines Herzens all den Kummer erspart , der aus dem Gefühle entspringen mußte , daß ich ihn fortwährend über mich täuschte . Hätte ich auch später geredet , so wäre dann vielleicht die Innigkeit auch eingetreten , die mir den dornenvollen Pfad des Lebens erleichtert hätte , aber die Furcht , daß mein theurer Gemal das erste Verschweigen nicht verzeihen würde , schloß fortwährend meine Lippen , und wir wandelten durch meine Schuld zwar neben einander , aber nicht mit einander auf dem Pfade des Lebens . Der tiefe Schmerz über dieß Unglück und über mein Unrecht , wodurch es herbei geführt worden ist , bestimmt mich , alle erlittenen Qualen noch ein Mal durchzufühlen und diesen Blättern meine Leiden zu vertrauen , damit sie ein Mal , wenn auch erst nach meinem Tode , meinen Gemahl das Wesen ganz kennen lehren , das so unglücklich an seiner Seite wandelte und ach ! in der Verbindung mit ihm so glücklich hätte sein können , wenn sein früheres Leben sich hätte anders gestalten wollen . Sein großmüthiges Herz wird dann vielleicht meine Qual beweinen und das Verschweigen dieser Qual verzeihen . Ich muß , um über mich selbst vollkommenen Aufschluß zu geben , der Jugend meiner Eltern erwähnen . Mein Vater war in seiner Jugend ein schöner Mann ; er war einer der reicheren Edelleute und seine Umgebung hielt ihn für liebenswürdig . Ich habe kein Urtheil darüber , denn ich habe ihn in so früher Kindheit verloren , daß sein Bild nur schwach in meiner Erinnerung dämmert . Er war Protestant , und die Aufklärung , die in der Zeit seiner Jugend sich aller ausgezeichneten Menschen bemeisterte , ergriff auch ihn und ließ ihn in aller Religion nur eine weltliche Anstalt sehen , durch welche die Moralität des Volks erhalten und den Fürsten das Regieren erleichtert würde ; bei diesen Gesinnungen fiel es ihm nicht ein , daß die Religion jemals ein Hinderniß seiner Wünsche sein könnte , und er überließ sich der Liebe zu meiner Mutter , ohne nur daran zu denken , daß sie der katholischen Kirche angehörte . Meine Mutter war von beschränkten Eltern geboren , und ihre Erziehung wurde durch den Beichtvater ihrer Mutter geleitet ; also war es begreiflich , daß sie nur einen Weg zur Seligkeit kannte und außerhalb ihrer Kirche nur Verderben erblickte . Mein Vater setzte seine Bewerbungen fort und fand selbst Mittel , den einflußreichen Beichtvater für sich zu gewinnen , indem er mit jugendlichem Leichtsinn den beschränkten Priester hoffen ließ , die Verbindung mit meiner Mutter könne ihn wohl bestimmen , sich in den Schooß der katholischen Kirche in der Zukunft aufnehmen zu lassen ; nur jetzt , gab er zu verstehen , machten es ihm weltliche Rücksichten unmöglich , daran zu denken . Er erlaubte sich diese Falschheit ohne Vorwürfe seines Gewissens , denn ihm war die Religion überhaupt gleichgültig , und er betrachtete es als ein unschuldiges Mittel , seinen Zweck zu erreichen , wenn er auf diese Weise einen Priester und durch ihn meine Mutter hinterging . Es ist natürlich , daß die Neigung meiner Mutter für meinen Vater mächtig in ihrem Herzen wuchs , da die Hoffnung sich damit verband , sein ewiges , wie sein zeitliches Glück zu begründen , und es ist begreiflich , daß auch die Eltern bald für einen Plan gewonnen wurden , den der Beichtvater unterstützte . Mein Vater hütete sich den Hoffnungen auf seine Bekehrung zu widersprechen und ließ alle Schritte geschehen , ohne eine andere Ansicht über die Religion der Kinder auszusprechen , die aus dieser Ehe entspringen könnten , als die , welche von seinen Schwiegereltern angenommen wurde , und diese glaubten , daß die Kinder eines Mannes , der selbst sich mit der katholischen Kirche vereinigen wollte , nicht anders , als in den Grundsäßen dieser Kirche erzogen werden könnten . Mit dieser Falschheit von der einen und Beschränktheit von der andern Seite wurde die Verbindung geschlossen , und meine Mutter sah wenige Wochen nach ihrer Vermählung trotz der Beschränktheit des Geistes , in der man sie hatte aufwachsen lassen , daß an eine Bekehrung meines Vaters nicht zu denken sei , und er verwundete ihr Herz , wenn er sich schonungslos darüber zu scherzen erlaubte , durch welche Mittel er sie gewonnen habe . Die Gesellschaft meines Vaters bestand aus jungen Leuten , die mehr oder weniger seinen Meinungen über Religion anhingen , und meine Mutter mußte oft Gespräche anhören , von denen sie in frommer Einfalt glaubte , ihr frevelhafter Inhalt müsse das Feuer des Zornes vom Himmel herunter auf die sträflichen Häupter der Leichtsinnigen rufen . Mit Schmerzen sah der Beichtvater , wie gröblich er sich hatte täuschen lassen , und die Eltern der unglücklichen Frau suchten durch fromme Werke den Himmel wegen ihres Irrthums zu versöhnen . In dieser Lage der Dinge wurde die Schwangerschaft meiner Mutter fast wie ein Unglück betrachtet , denn man fürchtete mit Recht , daß auch die Kinder der katholischen Kirche würden entzogen werden und so auch diese Seelen verloren gehen würden . Indeß wurde es nothwendig , diesen Gegenstand zur Sprache zu bringen , und wie man es befürchtet hatte , lachte mein Vater nur über die Hoffnung , daß er die Erlaubniß geben würde , seine Kinder katholisch zu erziehen . Man bediente sich selbst der List , um ihn dazu zu vermögen , sein stillschweigend gegebenes Versprechen zu erfüllen , indem man ihm vorstellte , da ihm alle Religion gleichgültig sei , so könne er ja leicht zugeben , daß die Mutter , die sich nicht zu seinen Ansichten erheben könne , den Trost habe , daß die Kinder ihren Glauben theilten .