Gefälligkeit bitten « ; es waren Papiere an Stadion und mündliche Aufträge , sie sagten mir noch , es würde gewiß ein Augenblick kommen , da ich ihnen Dienste leisten könne , es war mir so wunderlich , ich glaubte , es könne eine List sein , mich auszuforschen , doch war ich kurz gefaßt und sagte : » Ihr mögt mich nun betrügen oder nicht , so werd ich tun , was ihr von mir verlangt « ; der Tiroler sieht mich an und sagt : » Ich bin Leibhusar des Königs , kein Mensch hat Arges gegen mich , und doch hab ich nichts im Sinn als nur , wie ich meinen Leuten helfen will , nun hast du mich in Händen und wirst nicht fürchten , daß ein Tiroler auch ein Verräter sein könne . « Wie die Tiroler weg waren , war ich wie betäubt , mein Herz schlug hoch vor Entzücken , daß sie mir dies Zutrauen geschenkt haben ; am andern Tag war Karfreitag , da holte mich der Stadion ab , um mir eine stille Messe zu lesen . Ich gab ihm meine Depeschen und erzählte ihm alles , äußerte ihm voll Beschämung die große Sehnsucht , daß ich fort möchte zu den Tirolern ; Stadion sagt , ich soll mich auf ihn verlassen , er wolle einen Stutzen auf den Rücken nehmen und ins Tirol gehen , und alles , was ich möchte , das wolle er für mich ausrichten , es sei die letzte Messe , die er mir lesen werde , denn in wenig Tagen sei seine Abreise bestimmt . Ach Gott , es fiel mir schwer aufs Herz , daß ich so bald den lieben Freund verlieren sollte . Nach der Messe ging ich aufs Chor , Winter ließ die Lamentation singen , ich warf ein Chorhemd über und sang mit , unterdessen kam der Kronprinz mit seinem Bruder , das Kruzifix lag an der Erde , das beide Brüder küßten , nachher umarmten sie sich ; sie waren bis an den Tag entzweit gewesen über einen Hofmeister , den der Kronprinz , weil er ihn für untauglich hielt , von seinem Bruder entfernt hatte ; sie versöhnten sich also hier in der Kirche miteinander , und mir machte es große Freude , zuzusehen . Bopp , ein alter Klaviermeister des Kronprinzen , der auch mir Unterricht gibt , begleitete mich nach Hause , er zeigte mir ein Sonett , was der Kronprinz an diesem Morgen gedichtet hatte ; schon daß er diesen Herzensdrang empfindet , bei Ereignissen , die ihn näher angehen , zu dichten , spricht für eine tiefere Seele ; in ihm waltet gewiß das Naturrecht vor , dann wird er auch die Tiroler nicht mißhandeln lassen ; ja , ich hab eine gute Zuversicht zu ihm ; der alte Bopp erzählt mir alles , was meinen Enthusiasmus noch steigern kann . Am dritten Feiertag holte er mich ab in den englischen Garten , um die Anrede des Kronprinzen an seine versammelte Truppen , mit denen er seinen ersten Feldzug machen wird , anzuhören ; ich konnte nichts Zusammenhängendes verstehen , aber was ich hörte , war mir nicht recht , er spricht von ihrer Tapferkeit , ihrer Ausdauer und Treue , von den abtrünnigen , verräterischen Tirolern , daß er sie , vereint mit ihnen , zum Gehorsam zurückführen werde , und daß er seine eigne Ehre mit der ihrigen verflechte und verpfände usw. Wie ich nach Hause komme , wühlt das alles in mir , ich sehe schon im Geist , wie der Kronprinz , seinen Generalen überlassen , alles tut , wogegen sein Herz spricht , und dann ist ' s um ihn geschehen . So ein bayrischer General ist ein wahrer Rumpelbaß , aus ihm hervor brummt nichts als Bayerns Ehrgeiz ; das ist die grobe , rauhe Stimme , mit der er alle besseren Gefühle übertönt . Das alles wogte in meinem Herzen , da ich von dieser öffentlichen Rede zurückkam , und daß kein Mensch in der Welt einem Herrscher die Wahrheit sagt , im Gegenteil nur Schmeichler ihnen immerdar recht geben , und je tiefer sich ein solcher irrt , je gewaltiger ist in jenen die Furcht , er möge an ihrer Übereinstimmung zweifeln ; sie haben nie das Wohl der Menschheit , sie haben nur immer die Gunst des Herrn im Auge . Ich mußte also einen verzweifelten Schritt tun , um den Tumult der eignen Lebensgeister zu beschwichtigen , und ich bitte Dich im voraus um Verzeihung , wenn Du es nicht gutheißen solltest . Erst nachdem ich dem Kronprinzen meine Liebe zu ihm , meine Begeisterung für seinen Genius , Gott weiß in welchen Schwingungen , ans Herz getrieben habe , vertraue ich ihm meine Anschauung von dem Tirolervolk , das sich die Heldenkrone erwirbt , meine Zuversicht , er werde Milde und Schonung da verbreiten , wo seine Leute jetzt nur rohe Wut und Rachgierde walten lassen , ich frage ihn , ob der Name » Herzog von Tirol « nicht herrlicher klinge , als die Namen der vier Könige , die ihre Macht vereint haben , um diese Helden zu würgen ? Und es möge nun ausgehen wie es wolle , so hoffe ich , daß er sich von jenen den Beinamen der Menschliche erwerben werde ; dies ungefähr ist der Inhalt eines vier Seiten langen Briefs , den ich , nachdem ich ihn in heftigster Wallung geschrieben ( da ich denn auch nicht davor stehen kann , was alles noch mit untergelaufen ) , mit der größten Kaltblütigkeit siegelte und ganz getrost in des Klaviermeisters Hände gab , mit der Bedeutung : es seien wichtige Sachen über die Tiroler , die dem Kronprinz von großem Nutzen sein würden . - Wie gern macht man sich wichtig , mein Bopp purzelte fast die Stiegen herab , vor übergroßer Eile dem Kronprinzen den interessanten Brief zu überbringen , und wie leichtsinnig bin ich , ich