einem armen Dorfe , reißen stets die Feder wie die Gedanken mit sich fort . Ueberdem greift das hier Vorgefallene in das Gewebe der letzten Residenzgeschichten mit ein , und erhält dadurch einiges Interesse . Ich hoffe deshalb auf Ihre Verzeihung . Gewähren Sie diese Ihrem unterthänigsten Curd . Leontin an den Comthur Alles vergebens ! Ich kann sie nicht mehr auffinden ! Es ist , als wären sie von der Erde verschwunden . Bis hierher folgte ich einer Spur , die ich für die ihrige hielt , und die mich auch wirklich nicht betrog . Es war natürlich , meine Richtung nach der Heimath der Frau Oberhofmeisterin zu nehmen . Wir waren hierüber einig , wie Sie sich erinnern werden . Ich durfte gleichwohl nicht auf der großen Straße bleiben , gewiß , den Reisenden am wenigsten zu begegnen , wenn diesen , wie es das Ansehen hatte , daran lag , Widerspruch und Gegenrede auszuweichen . Ich fand auch bald in Gebirgshütten , in versteckten Thaldörfern oder in entlegenen Klöstern Nachricht von einer schönen , vornehmen Kranken , die , in Begleitung ihrer Mutter , schnell und geheimnißvoll durch diese Orte reiste , wenige Stunden der Ruhe gönnte , selten nur irgendwo an einem Orte übernachtete . Diese Eile , die glänzende Equipage , das Incognito , alles erregte meine Aufmerksamkeit . Die Leute erzählten gern davon , und vielleicht mehr und umständlicher , als es im Verfolg gewohnter Weise auf gewöhnlichem Wege geschehen wäre . Ich erkannte indeß hierin die vorgreifende Hand der Oberhofmeisterin , die das Wie so oft über das Was in ihrem leidenschaftlichen Wollen vergißt . So durchzog ich den Schwarzwald . Ich kam eines Abends bis zum Fuße eines der höchsten Berge . Der Weg über denselben war in der Dunkelheit nicht mehr zu finden . Ich kehrte in einem freundlichen Hof , bei wackern Leuten ein . Das geräumige Haus , die geordneten Umgebungen ließen auf gastliche Bewohner schließen . Ich konnte nicht zweifeln , daß diese , an ähnlichen Besuch gewöhnt , niemals durch denselben überrascht oder gestört werden würden . Gleichwohl nahm ich nach dem ersten treuherzigen Gruße einige Befangenheit auf den ehrlichen Gesichtern wahr , die mich verlegen machte . Es mußte irgend ein besonderer Fall sie persönlich getroffen , ihrer wohlwollenden Offenheit Zwang angelegt haben . Ich ward in ein großes , hallenartiges Gemach geführt , das eher einem Vorrathsgewölbe als einem Wohnzimmer ähnlich sah . Es standen offne und verschlossene Schränke , Kisten und Kasten , auch Handwerksgeräth und andere Gegenstände umher . Als ich mich ein wenig verwundert hier umsah , lächelte der Wirth , der allein bei mir geblieben , und ängstlich bemüht war , mir Bequemlichkeiten zu verschaffen , welche der , zur Aufnahme von Fremden wenig eingerichtete Raum , entbehrte . » Wir haben drüben einen Bau vorgenommen , « sagte er , indem sein Auge verschämt zu Boden sah . » Das Kämmerchen , in welchem wir fürs Erste eingeklemmt sind , hat nicht Platz für Gäste , « fuhr er mit abgewandtem Gesicht fort . » Wir hätten uns deshalb auch gar nicht unterstanden , einem vornehmen Herrn unser schlechtes Obdach anzubieten , wäre es nicht unrecht , irgend Jemand von der Thüre zu weisen , an die er geklopft hat . « Er sprach die letzten Worte lauter und zwangloser , als die frühern . Sie kamen ihm aus dem Herzen . Er hatte dieses nun erleichtert , und bezeigte sich während dem Herzutragen von Stühlen und Tischen , Speise und Trank , sehr herzlich und gesprächig . Nach einer Weile blieb er indeß weg . Es währte lange , ehe die Frau seine Stelle einnahm . Ich behielt Zeit , bei mir über aufsteigende Zweifel nachzudenken , welche diese sonderbare Aufnahme bei mir erregten . Wahr ist es , dachte ich , ich habe draußen ein Baugerüst , und auf der Flur Leiter , Karren , Maurer- und Zimmergeräth bemerkt , es mag mit dem Baue seine Richtigkeit haben , allein wenn ich nicht irre , so ist die ganze vordere Seite des Hauses überhaupt neu , und dieses Gewölbe , im Zusammenhange mit mehrern andern , tiefer hineingehenden Gemächern , gehört zu dem eigentlichen Hauptgebäude , das ziemlich geräumig sein , und ein wohnlicheres Unterkommen bieten mußte . Der redliche Mann stockte auch bei seiner Entschuldigung , als schäme er sich einer Lüge . Was steckt nur dahinter verborgen ? Die eintretende Wirthin unterbrach dies Selbstgespräch . Sie that sehr emsig , kehrte und wischte im Zimmer umher , ohne meine Fragen , in Betreff der jüngst hier Vorübergereisten sonderlich zu beachten . Sie hatte darauf nur allgemeine Antworten , meinte , so manch ' Einer ergehe sich , oder werde die Berge hinauf oder herab getragen , spreche bei ihnen ein , lasse auch wohl den stillen Hof bei Seite liegen , ohne daß sie es sonderlich wahrnähmen . Sie sah dabei gleichgültig die Zimmerwände an , und klagte , daß zwischen dem Schnitzwerk über der Thüre die Spinnen Jahr aus Jahr ein ihre Fäden zögen . Ich war den hausmütterlichen Blicken gefolgt , der ernste und großartige Charakter meiner Wohnung fiel mir aufs Neue auf . Ich äußerte dies , zugleich über den Ursprung und die frühere Bedeutung des ältern Theils des Hauses Erkundigungen einziehend . Die Frau gab keine befriedigende Auskunft , wußte nur Allgemeines von einer ehemaligen Abtei zu sagen , die hier gestanden , und über die umliegenden Klöster geherrscht habe . Dies Zimmer solle eine Capelle gewesen sein . Alle die Aecker und Wiesen , die Mühle und das ganze fruchtbare Thal habe dazu gehört . Später , als die Klöster zerstört und wieder erbaut worden , wäre eine neue Ordnung an die Stelle der alten getreten , die Abtei sei verödet und verfallen , an den Meistbietenden verkauft worden , und der Besitz ihrer Familie durch Erbschaft verblieben . Ich hatte ihr aufmerksam zugehört , doch entging mir eine sonderbare Unruhe