geradezu in die Burg zu gehen und mich zu entdecken , denn wie leicht konnte Stadion schon die Oberhand gewonnen haben , und dann war ich verraten . Ich beschloß den Tag noch zu warten ; hörte ich bis Samstag früh nichts Schlimmeres über die Besatzung , so wollte ich ins Schloß dringen und Euer Durchlaucht Schreiben übergeben . Ich streifte im Lager und in der Stadt umher , und niemand hielt mich an ; auch suchte ich mich immer in der Nähe der Obersten zu halten ; so kam der Nachmittag . « » Das war noch freitags , an dem Fest ? « fragte Lichtenstein . » Am heiligen Freitag war ' s. Nachmittags um drei Uhr ritt Georg von Frondsberg mit etlichen andern Hauptleuten vor die Stadtpforte an dem Schloß , und schrie hinauf , ob sie im Schlosse bauen ? Ich stand nicht weit davon , und sah wie Stadion auf den Wall kam und antwortete : Nein ; denn es wäre wider den Pakt des Stillstandes ; aber ich sehe , daß Ihr im Feld bauet . Georg von Frondsberg rief : So es geschehen , ist es ohne meinen Befehl geschehen ; wer bist du ? Da antwortete der im Schloß : Ich bin Ludwig von Stadion . Drauf lächelte der Bündische und strich sich den Bart. Ist ' s also wie du sagst , rief er , so will ich ' s wenden , ritt zu ein paar Schanzkörben und warf sie um . Dann rief er dem Stadion zu , mit einigen Rittern herabzukommen , und miteinander einen Trunk zu tun . « » Und sie kamen ? « rief der Herzog ; » die Ehrvergessenen kamen ? « » Auf dem Schloßberg vor dem äußersten Graben ist ein Platz , dort sieht man weit ins Land ; hinab ins Neckartal , hinauf die Steinlach , hinüber an die Alb und Zollern , und viele Burgen schmücken die Aussicht . Dorthin ließen sie einen Tisch bringen und Bänke , und die Bundesobersten setzten sich zum Wein . Dann ging das Tor von Hohen-Tübingen auf , die Brücke fiel über den Graben , und Ludwig von Stadion mit noch sechs andern kamen über die Brücke ; sie brachten Eure silbernen Deckelkrüge , sie brachten Eure goldenen Becher und Euren alten Wein , sie grüßten die Feinde mit Gruß und Handschlag und setzten sich , besprachen sich mit ihnen beim kühlen Wein . « » Der Teufel gesegne es ihnen allen36 ! « unterbrach ihn der Ritter vom Lichtenstein , und schüttete seinen Becher aus . Der Herzog aber lächelte schmerzlich und gab Marx Stumpf einen Wink , fortzufahren . » So taten sie sich gütlich bis in die Nacht und zechten bis sie rote Köpfe bekamen und taumelten ; ich stand nicht ferne und keine ihrer verräterischen Reden entging mir . Als sie aufbrachen , nahm der Truchseß den Stadion bei der Hand ; Herr Bruder , sagte er , in Eurem Keller ist ein guter Wein , lasset uns bald ein , daß wir ihn trinken . Jener aber lachte darüber , schüttelte ihm die Hand und sagte : Kommt Zeit , kommt Rat . Wie ich nun sah , daß die Sachen also stehen , beschloß ich mit Gott mein Leben dranzusetzen , und in die Burg zu den Verrätern zu gehen . Ich ging hinaus bis in die Grafenhalde , wo der kleinere , unterirdische Gang beginnt . Ungesehen stieg ich hinab und drang bis in die Mitte . Dort hatten sie das Fallgatter herabgelassen und einen Knecht hingestellt ; er legte an auf mich , als er mich durch die Finsternis kommen hörte , und fragte nach der Losung . Ich sprach , wie Ihr befohlen , das Losungswort Eures tapfern Ahnherrn Eberhards im Bart Atempto ; der Kerl machte große Augen , zog aber das Gatter auf und ließ mich durch . Jetzt ging ich schnellen Schrittes weiter vor , und kam heraus im Keller . Ich schöpfte einige Augenblicke Luft , denn der Atem war mir schier ausgeblieben in dem engen Gang . « » Armer Marx ! geh trinke einen Becher , das Reden wird dir schwer « , sagte Ulerich ; willig befolgte jener das gütige Geheiß seines Fürsten , und sprach dann mit frischer Stimme weiter : » Im Keller hörte ich viele Stimmen , und es war mir als zanke man sich . Ich ging den Stimmen nach , und sah eine ganze Schar der Besatzung vor dem großen Faß sitzen und trinken . Es waren einige von Stadions Partei und Hewen und mehrere der Seinigen . Sie hatten Lampen aufgestellt und große Humpen vor sich ; es sah schauerlich aus , fast wie das Femgericht . Ich barg mich in ihrer Nähe hinter ein Faß und hörte was sie sprachen . Georg von Hewen sprach mit rührenden Worten zu ihnen , und stellte ihnen ihre Untreue vor ; er sagte , wie sie ja gar nicht nötig haben , sich zu ergeben , wie sie auf lange mit Vorräten versehen seien , wie Euer Durchlaucht ein Heer sammeln werden , Tübingen zu entsetzen , wie eher die Belagerer in Not kommen , als sie . « » Ha ! wackerer Hewen ! und was gaben sie zur Antwort ? « » Sie lachten und tranken ; Da hat es gute Weile , bis der ein Heer sammelt ! wo das Geld hernehmen und nicht stehlen ? sagte einer . Hewen aber fuhr fort und sagte , wenn es auch nicht so bald möglich sei , so müssen sie sich doch halten bis auf den letzten Mann , wie sie Euch zugeschworen , sonst handeln sie als Verräter an ihrem Herrn . Da lachten sie wieder und tranken und sagten : Wer will auftreten und uns Verräter nennen ? Da rief ich hinter meinem Faß hervor : Ich , ihr Buben , ihr seid Verräter am Herzog und am Land ! Alle waren