genommen , » Sie haben mir da einen Schreck in den Leib gejagt , den ich nie vergesse . Fallen , Fälle , wie kann man auch nur dies Wort in Gesellschaft aussprechen ! ! Nun , Sie wollten sagen ? « » Es gibt Affären « , fuhr ich fort , » wo der Diplomat schweigen muß . Über das Nähere meiner Sendung z.B. werden Sie selbst mich nicht befragen wollen ; nur so viel kann ich Ihnen aber , mein Herr Simon , im engsten Vertrauen ! - « » Der Gott meiner Väter tue mir dies und das ! « rief er feierlich ; » so ich nur meinem Nachbar oder seinem Weib , oder seinem Sohn , oder seiner Tochter das Geringste - « » Schon gut ! ich traue auf Ihre Diskretion , kurz , so viel kann ich Ihnen sagen , daß nächstens eine bedeutende Krisis eintreten wird ; ganz zu allernächst . Für oder gegen wen darf ich nicht sagen ; doch Herr von Zwerner - « » Von Zwerner ? « » Nun , ich nenne ihn so , man weiß ja nicht , was geschieht ; an ihn war ich besonders empfohlen vom Fürsten , und ich glaube , wenn ich anders richtig schließe , er muß in den nächsten Tagen Kuriere aus Wien bekommen . « » Der Zwerner ? ! ei , ei ! wer hätte das gedacht ! Zwar ich sagte immer , hinter dem steckt etwas ; geht so tiefsinnig , kalkulierend umher , hat wahrscheinlich nicht umsonst so unsinnig viele Metalliques gekauft ; ei , sehe doch einer ! Hält sich Kuriere mit Wien ! Und , wenn man fragen darf , es handelt sich wohl um das Ultimatum mit der Pforte ? « » Ja . « » Ei , darf man fragen ? wie ist es ausgefallen ? Hat er eingewilligt , der Effendi ? Hat er ? « » Mein Herr Simon , ich bitte - « » O ich verstehe , ich verstehe , Sie wollen es nicht sagen , aus Politik , aus Politik , aber er hat , er hat ? « » Trauen Sie auf nichts , ich warne Sie , auf keine Nachricht trauen Sie , als auf authentische . Der Herr dort weiß vielleicht mancherlei , und hat nicht das drückende Stillschweigen eines Diplomaten zu beobachten . « » Ei , hätte ich das in meinem Leben gedacht , Kuriere von Wien , und der Zwerner aus Dessau ; zwar er ist ein solides Haus , das ist keine Frage , aber denn doch nicht so außerordentlich . Ob sich wohl was mit ihm machen ließe ? « setzte er tiefer nachsinnend hinzu , indem er seine Nase herunter gegen den Mund bog , und das lange Kinn aufwärts drückte , daß sich diese beiden reichen Glieder begegneten und küßten . Dies war der Moment , wo er anbeißen mußte , denn er nagte schon am Köder . Ich gab dem Seufzer aus Dessau einen Wink , sich dem Papa zu nähern , und nahm seinen Platz bei der Gazelle des Morgenlandes ein . 4. Das gebildete Judenfräulein Wie war sie graziös , das heißt geziert , wie war sie artig , nämlich kokett , wie war sie naiv , andere hätten es lüstern genannt . » Ich liebe die Tiplomattiker « , sagte sie unter anderem mit feinem Lächeln und vielsagendem Blick ; » es is so etwas Feines , Jewandtes in ihren Manieren ; man sieht ihnen den Mann von jutem Jeschmack schon von die Ferne an , und wie angenehm riechen sie nach Eau de Portugal ! « » O gewiß , auch nach Fleur d ' Orange und dergleichen . Wie nehmen sich denn die hiesigen Diplomaten ? kommen sie viel unter die Leute ? « » Nun , sehen Sie , wie das nun jeht , die älteren Herren haben sechs bis sieben Monate Ferien und reisen umher . Die jüngeren aber , die indessen hierbleiben und die Geschäfte treiben , sie müssen Pässe visieren , sie müssen Zeitungen lesen , ob nichts Verfängliches drein is , sie müssen das Papier ordentlich zusammenlegen für die Sitzungen ; nun , was nun solche junge Herren Tiblomen sind , das sein janz scharmante Leute , wohnen in die Chambres garnies , essen an die Tables d ' hôte , jehen auf die Promenade schön ausstaffiert comme il faut , haben zwar jewöhnlich kein Jeld nich , aber desto mehr Ansehen . « » Da haben Sie einen herrlichen Shawl umgelegt , mein Fräulein , ist er wohl echt ? « » Ah , jehen Sie doch ! meinen Sie , ich werde etwas anderes anziehen , als was nicht janz echt ist ? Der Shawl hat mir jekostet achthundert Gulden , die ich in die Rothschildischen Los gewunnen . Und sehen Sie , dieses Kollier hier kostet sechzehnhundert Gulden , und dieser Ring zweitausend ; ja , man jeht sehr echt in Frankfort , das heißt , Leute von den jutem Ton wie unsereine . « » Ach , was haben Sie doch für eine schöne , gebildete Sprache , mein Fräulein ! wurden Sie etwa in Berlin erzogen ? « » Finden Sie das och ? « erwiderte sie anmutig lächelnd , » ja , man hat mir schon oft das Kompliment vorjemacht . Nee , in Berlin drein war ich nie , ich bin hier erzogen worden ; aber es macht , ich lese viel und bilde auf diese Art meinen Jeist und mein Orkan aus . « » Was lesen Sie ? wenn man fragen darf . « » Nu , Bellettres , Bücher von die schöne Jeister ; ich bin abbonniert bei Herrn Döring in der Sandjasse , nächst der Weißen Schlange , und der verproviantiert mich mit Almanachs und Romancher . « » Lesen Sie Goethe , Schiller , Tieck und dergleichen ? « » Nee , das tu