fordern darf . « - Gott ! sollte das dein Loos seyn , dachte ich , so soll dein edles Herz wenigstens durch mich nicht leiden , du sollst wissen , daß ich dir nicht im Wege bin . Mit glühenden Wangen und klopfendem Herzen nahm ich wieder das Wort : » Charlotte « , sagte ich , » Sie müssen meine Beichte anhören , sie ist sehr demüthigend , wenn gleich nicht in der Art , die Sie bezeichnen . Ich muß Herrn Maitland die Gerechtigkeit widerfahren lassen , daß er mich nie in den Fall setzte , ihn ausschlagen zu können . Er sah ein , daß ich zu seiner Gattin nicht geschickt war , und in demselben Augenblick , wo er seine Schwachheit eingestand , entsagte er ihr auf immer . Sehen Sie nicht ungläubig aus , Charlotte ! Weder ein hübsches Gesicht , noch ein großes Vermögen , wie ich damals besaß , konnten Herrn Maitland verleiten , seine Hand einem herz- und gedankenlosen ... Doch seitdem habe ich mich verändert , sehr verändert . Aber wahrlich , Charlotte , ich stehe Niemandem im Wege , der Maitland so glücklich machen möge , wie ich .... « - Ich mußte innehalten , und Miß Graham ersparte mir das Ende meiner Rede , indem sie meine Hand liebevoll drückte und sich dann mit einem eben vorbeigehenden Bekannten unterhielt . Von dieser Zeit an sprach sie , so offen sie sich über alle Gegenstände ausließ , nie mehr von Maitland , und sie gewann dadurch an Achtung bei mir ; denn sie bewies damit , nach meiner Ansicht , sowohl ihre Herrschaft über ihre eigne Empfindung , als ihre Schonung für Andere . Jedesmal , wenn ich Charlotte beobachtete , ward es mir räthselhafter , wie Maitland nicht mit ihr sympathetisch empfinden mußte . Alle Anlagen , die sich in ihm zu dem Mann ausgebildet hatten , den sein Vaterland ehrte , der seine Freunde beglückte , hatten sich in Charlotten als weibliche Tugenden entwickelt , die sie zur Führung des Hauswesens , zum erfreuenden Mittelpunct des gesellschaftlichen Kreises geschickt machten . Ein Gegenstand , der ihr Gespräch um so häufiger betraf , war ihr Bruder Heinrich , der mit ihr in dem innigsten Verhältniß zu stehen schien . Da mir aus Cecilens abenteuerlicher Erzählung ein Zweifel aufgestiegen war , ob die Veranlassung seiner frühern Auswanderung nicht nachtheiliger für ihn und seine Angehörigen gewesen seyn möchte , wie der Familienstolz der Hochländerin eingestehen konnte , war ich zu schüchtern , über seinen Aufenthalt im Auslande , seine Schicksale , nachzufragen ; da ich in Glen Eredine alle diese Umstände zu erfahren hoffte , begnügte ich mich auch immer mit dem , was mir Charlotte zu sagen für gut fand ; und wenn ich Herrn Heinrich hätte schildern sollen , so wäre er als funfzehnjähriger Knabe dagestanden , wie er in Plaid gewickelt und den Knotenstock in der Hand , von Bouoghrin herabsteigend , die Kühe von Glen Eredine wiedergewann . Daß dieses Bild nicht mehr zu dem Heinrich , aus dessen Briefen mir Charlotte oft vorlas , paßte , bekümmerte mich wenig . Er schrieb ihr wie ein Freund dem Freunde , und doch mit der Zartheit , welche die Verschiedenheit des Geschlechts dem Mann von Gefühl zur Pflicht macht . Sie war seine Almosenpflegerin , und so wenig er seit langen Jahren in seinem Thale gelebt hatte , kannte er jeden Clansmann und bestimmte ihm die Gabe , die ihm nützen konnte . Das Ansehen , der Ton , in dem er sie behandelte , hatten etwas Patriarchalisches , und oft , das gestehe ich , konnte ich seine Befehle nicht mit den englischen Begriffen von persönlicher Unabhängigkeit vereinigen . Was er gebot , athmete Uneigennützigkeit und gerechtes Urtheil , er sprach , wie ein unumschränkter Fürst , und handelte , wie ein gütiger Vater . Da Charlotte durch seine Aufträge in den Angelegenheiten des Clans in die verschiedensten Verhältnisse verwickelt ward , und dabei das Schloß ihres Vaters durch die herzlichste Gastfreundlichkeit einer Menge Besucher stets offen stand , schien mir der Aufenthalt daselbst die entgegengesetztesten Beschäftigungen zu vereinigen , und sehr begierig , dieses alles mit eignen Augen zu sehen , hörte ich es sehr gern , wie mir Charlotte endlich den Tag unserer Abreise verkündete . An einem schönen Septembermorgen machten wir uns auf den Weg . Obgleich ich mich an der Seite des Wesens befand , das mir auf Erden das geliebteste war , konnte ich Edinburg doch nicht ohne eine dankbare Thräne verlassen . Ich hatte dort die furchtbarsten Bedrängnisse erlebt , mein Geist war dort gereift , mein Herz gereinigt , und in der letzten Zeit hatte ich dort zum ersten Mal die Freuden der guten Gesellschaft , ohne den thörichten Flitter der großen Welt , genossen . Während dem ersten Tag unsrer Reise kamen wir durch ein so reiches , ebnes Land , daß ich , hätte nicht ein dunkel gefärbter Streif den westlichen Horizont bezeichnet , würde geglaubt haben , in England zu seyn . Ich bewunderte diese Gegend nach meinem englischen Maßstab von einem schönen Lande . » O wenn Sie erst mein Thal werden sehen und meine felsigen Hügel ! « rief Charlotte und sah auf den dunkelnden Wolkenstreif hin , der alle die Herrlichkeit deckte . Gegen den Abend fing sich dieser Streif an in Hügelformen zu vertheilen , wo graue Felsen die Höhen , und tiefe Schatten die Thäler ahnen ließen . Am folgenden Morgen waren alle Umgebungen verändert ; Kornfelder und Laubbäume hatten einförmigen Haiden Platz gemacht , hier und da von Schaaftriften unterbrochen , oder da , wo ein Bach durch sie hinfloß , durch das Grün , welches an seinen Ufern entsproß . Nur selten erblickte man kleine Birkenhäufchen , gewöhnlich drei und drei , deren bebendes Laub in der stillen Oede flüsterte . Wenn wir langsam die steilen Höhen hinangefahren waren , bot uns die Aussicht eben so eine Haide ,