schnell entstehende und wieder verschwindende Sterne in der Gegend der Residenz , die sie für Raketen hielten . » Das sieht recht lustig aus « , sagte Leontin . » Hier können wir ohnedies nicht weiter , laß uns einen Streifzug dorthinaus wagen und sehen , was es in der Stadt gibt . Wir kommen wohl in der Dunkelheit unerkannt durch und sind , ehe der Tag anbricht , wieder im Gebirge . « - Friedrich willigte ein , und so zogen sie ins Tal hinunter . Noch vor Mitternacht langten sie vor der Residenz an . Der ganze Kreis der Stadt war bis zu den höchsten Turmspitzen hinauf erleuchtet , und lag mit seinen unzähligen Fenstern wie eine Feeninsel in der stillen Nacht vor ihnen . Sie hatten die Kühnheit , bis ins Tor hineinzureiten . Ein verworrener Schwall von Musik und Lichtern quoll ihnen da entgegen . Herren und Damen wandelten wie am Tage geputzt durch die Gassen , unzählige Wagen mit Fackeln tosten dazwischen , sich mannigfaltig durchkreuzend , eine fröhliche Menge schwärmte hin und her . - » Nun , was gibt ' s denn hier noch für eine rasende Freude ? « fragte Leontin endlich einen Handwerksmann , der , ein Schurzfell um den Leib und ein Glas Branntwein hoch in der Hand , unaufhörlich Vivat rief . Der Mann machte eine verteufelt pfiffige Miene und hätte gern die Unwissenheit der beiden Fremden tüchtig abgeführt , wenn ihm nicht eben sein Witz versagt hätte . Endlich sagte er : » Der Erbprinz hält heute Hochzeit mit der schönen Gräfin Rosa . Wer will mir da Branntwein verbieten ! Mag der Gräfin voriger Bräutigam Wasser saufen , denn er ist lange tot , und ihr Bruder mit den Engeln Milch und Honig trinken , denn er treibt sich in allen Wäldern herum . Hol der Teufel alle Ruhestörer ! Friede ! Friede ! Es leben alle Patrioten , vivat hoch ! « - So taumelte der Branntweinzapf wieder weiter . Die beiden Grafen sahen einander verwundert an . An Friedrichs Brust schallte die Neuigkeit ziemlich gleichgültig vorüber . Er hatte Rosa längst aufgegeben . Seine Phantasie , die Liebeskupplerin , war seitdem von größern Bildern durchdrungen , alle die hellen Quellen seiner irdischen Liebe waren in einen großen , ruhigen Strom gesammelt , der andere Wünsche und Hoffnungen zu einem andern Geliebten trug . - Ein Bürger , der ihr Gespräch mit dem Betrunkenen mit angehört hatte , war unterdes zu ihnen getreten und sagte : » Es ist alles wahr , was der Kerl da so konfus vorgebracht . Die Gräfin Rosa hatte wirklich vorher schon einen Grafen zum Liebhaber ; der ist aber im Kriege geblieben und es ist gut für ihn , denn er ist mit Lehn und Habe dem Staate verfallen . Der Bruder der Gräfin ebenfalls , aber wir wissen von sicherer Hand , daß man gegen diesen nicht streng verfahren wird und ihm gern verzeihen möchte , wenn er nur zurückkäme und Reue und Besserung verspüren lassen wollte . « - Leontin lachte bei diesen Worten laut auf und gab seinem Pferde die Sporen . » Frischauf ! « sagte er zu Friedrich , » ich ziehe mit den Toten , da die Lebendigen so abgestanden sind ! Ich mag keinen von ihnen mehr wiedersehen , kommen wir wieder zurück auf unsere grünen Freiheitsburgen ! « Sie waren indes an das fürstliche Schloß gekommen . Tanzmusik schallte aus den hellen Fenstern . Eine Menge Volks war unten versammelt und gebärdete sich wie unsinnig vor Entzücken . Denn Rosa zeigte sich eben an der Seite ihres Bräutigams am Fenster . Man konnte sie deutlich sehen . Ihre blendende Schönheit , mit einem reichen Diadem von Edelsteinen geschmückt , funkelte und blitzte bei den vielen Lichtern manches Herz unten zu Asche . - So hatte sie ihr höchstes Ziel , die weltliche Pracht und Herrlichkeit , erreicht . - » Sie taugte niemals viel , Weltfutter , nichts als Weltfutter ! « schimpfte Leontin ärgerlich immerfort . Friedrich drückte den Hut tief in die Augen , und so zogen die beiden dunklen Gestalten einsam durch den Jubel hindurch , zum Tore hinaus und wieder in die Berge zurück . Nach mehreren einsamen Tagereisen , wobei auch die schönen Nächte zu Hülfe genommen wurden , kamen sie endlich immer höher auf das Gebirge . Die Gegend wurde immer größer und ernster , kaum noch lagen mehr einzelne Hirtenhütten in den tiefen , dunkelgrünen Schluchten hin und her zerstreut , es war eine grenzenlose Einsamkeit , nebenaus oft Streifen von unermeßlicher Aussicht . Ihre Herzen wurden wieder stark und weit , und voll kühler Freudenquellen . Da erblickten sie sehr unerwartet mitten in der Wildnis einen niedrigen , zierlichen Zaun von weißem Birkenholz , dem es ordentlich Mühe zu kosten schien , die wilde Freiheit der Natur , die überall ihre grünen , festen Arme wie zum Spotte ungezogen durchstreckte , im Zaume zu halten . Sie lachten einander beide bei dem ersten Anblicke an , denn überraschender konnte ihnen nichts kommen , als gar eine moderne englische Anlage in dieser menschenleeren Gegend . Sie ritten längs des Zaunes hin , aber nirgends war die geringste Spur eines Einganges . Sie wußten wohl , daß sie bereits in dem großen Walde sein mußten , den Erwine sterbend meinte , auch waren sie nach der langen Tagereise begierig , endlich einmal Menschen , Speise und Trank wiederzufinden , sie banden daher ihre Pferde an und sprangen über den Zaun hinein . Ein niedlicher Schlangenpfad , mit weißem Sande ausgestreut , führte sie dort bis an ein großes , dichtes Gebüsch von meist ausländischen Sträuchern , wo er sich plötzlich in zwei Arme teilte . Sie schlugen nun jeder für sich allein einen derselben ein , um so desto eher zu einer erwünschten Entdeckung zu gelangen . Doch diese schmalen Pfade gingen seltsam genug in einem ewigen Kreise immerfort um sich selber herum , so daß