verschütten , zeichnete er alles treulich ab , stellte es dann wieder in die alte Ordnung , ummauerte es mit einer anständigen einfachen Architektur , daß der Schatz jedem , der sich dem eisernen Gitter näherte , sichtbar werden und jeden erinnern konnte an die Hinfälligkeit des größten Einzelnen , ohne ein dauerndes Bestehen seines Volkes : Darum sei es der Helden größte Sorge , Heldenkinder zu erziehen . Väterlich voreilend dachte er dann , wie er seinen Sohn Karl unter großen unternehmenden Menschen wolle aufwachsen lassen , mehr dem Beispiele als der Lehre trauend ; wie er sich in allem versuchen solle , um sein Eigenes zu finden ; wie er des Jahres und der Tage Abwechselung in steter Abhärtung vergessen lernen sollte . Und von solchen Erziehungsplanen ging er in der arabeskenartigen Verwandlung des Gemüts , das leicht halb von einem , halb von dem andern erfüllt sein kann , wieder zur Mutter über , zu seiner Frau , von der er nun schon ein paar Wochen fern war ; und das ganze Heldentum , das sich vor seinen Augen aus den Knöcheln Funken schlug , schmolz in ein weiches Sehnen nach Genuß zusammen ; die Helden hatten ihm kein Ehrenlied abstreiten können , aber die wirkliche Sehnsucht entlockte ihm ein Liebesliedchen , das er gleich als einen Brief an seine Frau absendete : » Was jagt mich , So matt und müde ? Ich such Dich In meinem Liede , Ich such Dich In meinem Jagen ; Hier muß ich Die Buchen fragen . Die Frage Im Widerhalle Wird Klage , Daß Laub schon falle ; Es falle , Weil es ermattet , Es walle , Wenn es Dir schattet . Das Windspiel Mit Deinem Bande , Vergißt Spiel Und spürt im Sande ; Es legt sich Mit seinem Munde , Es hört Dich , Verliert die Kunde . Es weint dann , Wie Kinder weinen , Und gräbt dann Mit seinen Beinen ; Begräbt sich Im tiefen Sande , Begrabt mich Im Heldenlande , In weichen Armen , In stillem Kuß , Zu lang mir Armen Fehlt der Genuß . Begrab mich Und meine Lieder , Bald komm ich Und hol Dich wieder . An dieser Stelle habe ich den Brief dreimal geküßt ; in vierzehn Tagen bin ich sicher bei Dir . Könnte ich nur einen Augenblick dieses Wort sein ; sicher siehst Du es recht freundlich an , Du strahlender Augapfel im dunklen Laube . « - Also schloß sich dieser Brief . Fünftes Kapitel Die Gräfin Dolores mit dem Marchese D ... Politik . Alchemie . Verführung Die Gräfin verlor den Grafen , in der immer veränderten Gesellschaft des Marchese , bald aus den Gedanken ; mechanisch setzte sie sich Morgens eine Stunde zum Schreibtische , klagte über seine Abwesenheit , erzählte von ihrem Kinde ; solch ein Wisch von einem Briefe , krumm und schief geschrieben , mit Kaffee und Tinte befleckt , konnte doch den Grafen selig machen ; es schien ihm so vertraulich zu einem Briefe nicht einmal die Gedanken zusammen zu nehmen , sondern so wie im gewohnten Morgengrüßen auch wohl dazwischen einmal zu gähnen . Inzwischen nahm die Gräfin ihre Gedanken , oder vielmehr sie fand sie und mehr , als sie sonst hatte , zusammen , sobald der Marchese zu ihr eintrat , ihr Zimmer aufräumte und wieder mit allerhand neuen Kleinigkeiten verzierte . Da wir nicht Lust haben die Geschichte jedes Tages ausführlich vorzutragen , weil die gemeine Bosheit manches daraus erlernen könnte , so wollen wir das Betragen des Marchese durch einige frühere Beobachtungen über ihn deutlicher zu machen suchen ; bald möchte er sonst gar zu befremdend erscheinen . Aufgewachsen in der verderbten großen Welt von Madrid , mit einer Klugheit , die ihn selbständig machte , wo andre noch angeführt werden , suchte er ihren Genuß nicht in der rohen Art , die blind zugreifend die Sinnlichkeit mehr erschöpft als befriedigt , nein , er wollte das Herrlichste alles mit ganzer Kraft genießen : dies meinte er das herrlichste Leben , die Mittel waren ihm Nebensachen ; sein Talent hatte ihm die meisten entweder eigen gemacht , oder unterworfen . Ohne lange Beratung mit sich , fast unbewußt traf er stets , ob er sich einem Manne von Bedeutung , oder einer schönen Frau mehr durch Lob oder Tadel nähere , mehr durch allgemeine praktische Gesinnung oder durch Sonderbarkeit , ob er besser imponierte oder sich belehren lassen müsse , ob Bewunderung oder Mitleid ihm wesentlicher diene ; gewiß war er , besonders Frauen , bald so nahe bekannt , als irgend ein anderer , und gemeinhin viel vertrauter ; sie sagten ihm , was sie guten Bekannten lange verschwiegen , hatten sie gefehlt , so zeigte er sich noch fehlerhafter ; er zeigte ihnen so viele Häkchen , so viele Berührungen seiner reichen Natur , daß eines sicher fassen mußte ; hatte er aber nur einen Ton erkämpft , so ließ er ihn nicht mehr verstummen ; bis die letzte Luft aus dieser Pfeife ausgeblasen , nicht eher ließ er nach . Und bei dieser steten Bewegung seiner neugierigen Bestrebungen wurde er sich selbst ganz leicht ; die quälende Tätigkeit seines Daseins fand ihr Ziel ; es tat ihm leid , wo es endlich öde und traurig ausging , aber er konnte nicht anders und er fühlte , daß er auch in seiner Natur genug gelitten und erduldet ; er gönnte auch andern ihre Prüfung . Von einem Don Juan war er schon dadurch unterschieden , daß er keinesweges bloß sinnlich war mit all und jedem Weibe : nur mit den sinnlichen war er sinnlich ; noch eifriger konnte er mit streng-moralischen sein Leben durchgehen und bessern , mit einer Religiösen beten . Hätte Don Juan seine Vielseitigkeit gehabt , er hätte sich durch des Teufels Großmutter vom Teufel los geschwatzt . Daß ihn Dolores sinnlich reizte , brauchen wir nicht zu erinnern ; beten und träumen war ihre Sache nicht ,