, wie er , der wahre Beruf zu diesem Glauben . Er sammelt jetzt schon Menschen und Hülfsquellen um sich , die er zu seiner Zeit in Bewegung setzen wird . Ihm können auch Schwärmer nützen , und so hat er einen der entschiedensten , jenen Agathokles um sich , den neulich der Schwindelgeist seiner Kameraden zum Tribun machte . Ich hasse den Menschen aus mehr als Einem Grunde , und nehme mir vor , ihm nächstens einen empfindlichen Streich zu spielen . Es ist eine lächerliche Geschichte , die ich vielleicht in Nikomedien keiner Aufmerksamkeit gewürdigt hätte , die aber dazu dienen soll , mir die lange Weile zu vertreiben . Ich war kaum acht Tage hier , als mir eines Morgens in der Nähe eines Christentempels ein Frauenzimmer begegnet , dessen guter Anstand und tiefe Wittwentrauer meine Blicke flüchtig auf sich ziehen . Sie kommt näher , ich betrachte sie genauer , und obwohl der schwarze Schleier ihr Gesicht halb verbirgt , erkenne ich mit Erstaunen Larissa , die Wittwe des Demetrius , die man schon lange für todt gehalten hatte . Als ich nach Nisibis kam , um den Heerbefehl zu übernehmen , war sie schon abgereiset ; aber ich kannte sie von frühern Zeiten , und war öfters auf Reisen mit ihr zusammengetroffen . Wie sie den Händen der Gothen entgangen , wie sie hierher gekommen , weiß ich nicht ; im Grunde liegt auch nichts daran . Genuß sie ist hier , und lebt im Hause eines gewissen Lysias , eines der angesehensten Bürger dieser Stadt , unter dem Namen Theophania , als Wittwe eines byzantinischen Kaufmanns . Diese geheimnißvolle Verborgenheit fiel mir auf , denn ich weiß , daß sie die heißgeliebte Jugendfreundin jenes Agathokles war , der Alles , was er auf Erden besitzt , darum geben würde , wenn er erfahren könnte , daß sie lebt , und ihn noch liebt . Ich mußte der Sache auf die Spur kommen , und führte mich unter einem leichten Vorwande bei Lysias ein ; da sehe und spreche ich sie nun täglich , ich stelle mich , als kennte ich sie nicht , begegne ihr mit großer Achtung , schone ihre Vorurtheile , und habe nun schon so viel herausgebracht , daß sie ihren Agathokles für untreu hält , und deßwegen ihre Verborgenheit nicht verlassen will . Das hat sie mir nun freilich nicht so geradezu erzählt , aber ihre Fragen und Erkundigungen sagten mir Alles , was ich wissen wollte . Sie ist leicht zu bethören , wie alle die frommen und arglosen Menschen ihrer Art , aber sie gefällt mir , und ich hätte Lust , sie in mich verliebt zu machen . Schön ist sie nicht , aber , beim Jupiter , kein gemeines Geschöpf . Eine kleine Narbe auf der einen Wange entstellt sie ein wenig , aber ihr Wuchs ist edel , ihr dunkles Auge , das sich langsam unter seidenen Wimpern wendet , hat einen sehnsüchtigen anziehenden Ausdruck , ihre Arme sind vorzüglich schön , überdies ist sie eine Christin , und eine höchst andächtige . Es wäre doch lustig zu sehen , welchen Contrast die irdische Venus mit allen diesen Erhabenheiten machen würde , und zu versuchen , ob es nicht möglich wäre , den phantastischen Jugendgeliebten aus ihrem Herzen zu verdrängen . Der Spaß lohnt wohl die Mühe einer kleinen Vorstellung , und belustigt mich im Voraus . Leb ' wohl ! 61. Calpurnia an ihren Bruder Lucius Piso . Nikomedien , im December 302 . Stehlen muß ich die Zeit , liebster Bruder , um dir zu schreiben , und meine alte Schuld abzutragen . Aber du kennst meine Unart . Es kostet mich Mühe , zum Schreiben zu kommen , wenn ich aber einmal anfange , kostet es mich eben so viele , wieder aufzuhören . So wirst du zwar wenige , aber desto längere Briefe von mir bekommen . Wir leben jetzt in einer unruhigen fröhlichen Zeit . Wie Schade ist ' s , daß du nicht Theil daran nehmen kannst ! Feierlichkeiten und Unterhaltungen jeder Art wechseln mit einander ab , Hoffeste , Volksfeste , Hochzeitfeste , Friedensfeste , und deine Schwester spielt bei allen diesen Herrlichkeiten , als Tochter des Proconsuls , und Freundin der armenischen Königin , eine gar nicht unbedeutende Rolle . Ich erscheine fast jeden Tag öffentlich bei irgend einem feierlichen Aufzuge , und ich müßte doch wahrlich kein Mädchen , ich müßte so etwas von einem Stoiker oder Cyniker seyn , wenn es mir nicht eine wahre Angelegenheit seyn sollte , jedesmal in einem so viel wie möglich neuen und passenden Anzug zu erscheinen . Das kostet Zeit , Nachdenken , Arbeit . Rechne dazu die vielen Stunden , welche Gastmahle , feierliche Opfer u.s.w. einnehmen , und du wirst leicht begreifen , daß deiner geschäftigen Calpurnia in ihrem weitläufigen Hauswesen wenig Zeit übrig bleibt . Zuweilen könnte ich wohl ein Stündchen finden , aber bald ist ein Freund , bald Braut und Bräutigam da ; es wird geschwatzt , gescherzt - wer kann dem Reiz der geselligen Freuden widerstehen ? - und so verfliegt der Tag , wie eine Minute . Wenn ich dann Abends müde auf mein Lager sinke , wiederholt Morpheus gefällig die Freuden des Tages in noch schönern Bildern . Ich bin so vergnügt , wie ich seit Langem nicht mehr war , und fühle , daß sich in diesen Freuden , als in meinem eigentlichen Elemente , mein ganzes Wesen auf ' s leichteste und angenehmste entfaltet . Doch ich plaudre in einem fort , ohne zu bedenken , daß du unmöglich wissen kannst , was ich meine . Nun so will ich denn einmal die flatternde Phantasie beim Flügel haschen , und sie zwingen , recht sittsam und ordentlich zu erzählen , wie sich Alles begeben hatte . Vor zwanzig Tagen ungefähr hielten der Augustus , Galerius und Tiridates ihren feierlichen Einzug in Nikomedien . Es war eins der glänzendsten Feste