mir geworden wäre , Dir in ihrer Gegenwart zu nahen , “ sagte er ernst , „ Du freilich hättest mir diese Demüthigung nicht erspart ! “ Bruno sah in der That nicht aus , als wolle er dem Grafen irgend etwas ersparen oder irgend etwas gewähren . Vielleicht hätte Lucie doch besser gethan zu bleiben , der so lange verbannt gewesene feindselige Zug auf seiner Stirn regte sich wieder , auch nicht einen Schritt that er dem Vater entgegen . „ Jedenfalls habe ich diese Demüthigung nicht verschuldet ! “ erwiderte er kalt , „ denn ich habe diese Begegnung weder begehrt noch gesucht . “ „ Ich wollte Dich wiedersehen ! “ entgegnete Rhaneck weich . „ Und um so mehr , als ich hörte , daß Du Dich vermähltest . “ Die Weichheit hatte hier stets die entgegengesetzte Wirkung , Bruno flammte wieder trotzig auf bei diesen Worten . „ Ja , ich bin vermählt , und unsere protestantische Ehe wird nicht anzufechten sein ! Wenn ich auch die Mönchsgelübde brach , meinem Weibe werde ich die Treue zu halten wissen , die ich ihr am Altare schwur ! “ Die Lippen des Grafen zuckten wieder bei dieser schonungslosen Erinnerung . „ Du kannst mir nicht verzeihen , was ich Dir und Deiner Mutter gethan ! “ sagte er leise . „ Hätte ich es wieder gut machen können , es wäre längst geschehen , aber meine zweite Ehe bindet mir ja die Hände bei jedem Schritt . Die erste anerkennen hieße Ottfried im Grabe und die Gräfin an meiner Seite rechtlos machen . Du mußt das doch begreifen . “ „ Daß die hochgeborene Gräfin Rhaneck und ihr Sohn andere Rücksichten verdienen , als meine bürgerliche Mutter , die man ungestraft rechtlos machen durfte – nein , Herr Graf , das begreife ich nicht und werde es nie begreifen ! “ „ Bruno ! “ Die ganze innere Qual lag in dem Tone , Rhaneck drängte sie nur mühsam zurück , als er gefaßter hinzusetzte : „ Und wollte ich selbst das Aeußerste versuchen , Du hast den Namen Rhaneck stets von Dir gewiesen , Du würdest die Anerkennung von meiner Hand nicht einmal nehmen wollen . “ „ Nein , niemals ! “ erklärte Bruno mit unversöhnlicher Härte . „ Was Sie mir thaten , deshalb klage ich Sie nicht an , wir waren quitt in dem Momente , wo ich die Fesseln brach , in die man schon meine Kindheit geschmiedet . Auch ohne den Grafentitel [ 272 ] der Rhaneck habe ich mir einen Namen und eine Stellung in der Welt errungen , und vielleicht wäre auch ich an den Folgen einer vornehmen Erziehung geistig zu Grunde gegangen , wie Graf Ottfried . Ich habe nichts mehr von Ihnen zu verlangen , seit ich frei bin , aber was Sie meiner Mutter thaten , läßt sich nicht mehr sühnen . Ihr ist das Herz darüber gebrochen , und das ist ’ s , was ewig zwischen uns steht ! “ „ Sie hätte die Vergeltung in keine besseren Hände legen können ! “ sagte der Graf bitter , „ und vielleicht war es ihre Rache , die mir diese leidenschaftliche unbezwingliche Liebe zu Dir in ’ s Herz senkte , der ich jetzt opfere , was ich noch Keinem auf der Welt geopfert , meinen ganzen Stolz . Ich habe Dich des Namens und Rechtes Deiner Geburt beraubt – ja ! Und doch habe ich nichts so sehr auf Erden geliebt , als mein beraubtes , mein verstoßenes Kind . So oft Du äußerlich Deinem Bruder nachgesetzt wurdest , senkte sich der Stachel tief in mein Innerstes , und es blutete zehnfach unter diesem Stachel , wenn ich bei Dir nur den dunkeln instinctmäßigen Regungen des Hasses begegnete , wo ich mit der ganzen Leidenschaft des Vaters Liebe forderte . Dein mühsam verhehlter Widerwille , Dein ewiges Zurückweichen vor meiner Zärtlichkeit ist mir eine Strafe gewesen , wie sie bitterer nicht gefunden werden konnte . In Ottfried erzog ich mir den Erben meines Namens und meiner Güter – was Du mir warst , ist er mir nie gewesen ! Jetzt ist auch dieser Erbe mir genommen , dem Bruder bin ich auf immer entfremdet , ein kaltes verhaßtes Band fesselt mich an eine ungeliebte Frau , während mein Name und mein [ 272 ] Geschlecht mit mir zu Grabe geht , und mein geliebtester , jetzt mein einziger Sohn wendet sich in Haß und Bitterkeit von mir – ich glaube , Bruno , Deine Mutter ist gerächt ! “ Er hatte mit ruhigem , aber erschütterndem Vorwurf gesprochen und wandte sich jetzt zum Gehen . Bruno stand da im heftigsten Kampfe , plötzlich aber eilte er ihm nach . „ Mein Vater ! “ Der Graf blieb wie gebannt stehen , als er zum ersten Male den Vaternamen von diesen Lippen hörte ; stumm , aber mit leidenschaftlicher Zärtlichkeit streckte er die Arme nach seinem Sohne aus , noch einen Moment lang zögerte dieser , dann warf er sich an seine Brust , die Versöhnung war geschlossen . – Bruno richtete sich zuerst wieder empor , er machte sich sanft los aus den Armen , die ihn noch immer umschlungen hielten . „ Wir müssen scheiden , Vater ! “ sagte er fest . „ Oeffentlich können und dürfen wir einander nicht begegnen , auch um Deinetwillen . Du kennst meine Stellung Deiner Kirche gegenüber , sie bannt mich aus Deinen Kreisen , denen ich so wenig nahen kann , als Du den meinen . Laß es genug sein mit der Erinnerung an diese Stunde , bis auf bessere Zeiten ! “ Rhaneck trat mit dem Ausdrucke der Resignation zurück . „ Bis auf bessere Zeiten ! Und Deine Gattin ? “ „ Lucie soll auch den Vater umarmen . Sie hat meinen Widerstand gegen Dich stets Härte genannt . Ich gehe sie zu holen ! “ Eine halbe Stunde später trat das