, wenn sie nicht den weiten Umweg nach der Fahrstraße machen wollte . Ein schmaler , für Reiter ziemlich gefahrvoller Fußweg lief an den Abgründen vorüber . Der Gedanke an Gefahr kam der Reiterin nicht , sie war unerschrocken und konnte sich auf Miß Saras sichere Füße und klugen Kopf verlassen . Hinter den Steinbrüchen begann wieder der Wald – jene Linie , die sich so erquickend dunkel lang hindehnte ; über ihr träufelten durchsichtige Wolkengebilde , die hoch in der Luft schleierartig zerflossen – bei weniger heller Beleuchtung würden sie wohl schwarzgrau ausgesehen haben – , es waren die Rauchwolken des brennenden Dorfes . Eine leichte Berührung mit der Reitgerte scheuchte Miß Sara hinaus auf das Feld . Mit Gisela zugleich erschien aber auch ein zweiter Reiter am Saum des Waldes – der Mann , der nach Frau von Herbecks Ausspruch » wie ein Gott « zu Pferde saß . Der Portugiese kam vom Waldhause her , und wenn auch jetzt wieder sein plötzliches Erscheinen an die scherzhafte Bemerkung des Fürsten , daß Herr von Oliveira fliegen könne , erinnerte , so war diese zauberhafte Geschwindigkeit erklärt durch das prächtige , schnellfüßige Tier , das er ritt ; es war ein Gegenstand der Bewunderung und des Staunens für die ganze Umgegend . Miß Sara scheute zurück vor der gewaltigen Erscheinung , die linker Hand so unerwartet aus dem Dickicht hervorbrach – die Reiterin aber erstarrte in jener Art von lähmendem Schrecken , der das Herz erfaßt beim Ertapptwerden auf unrechtem Wege ... War doch eben noch ihre ganze Seele erfüllt gewesen von ihm , der dort hervorstürmte ... Noch in diesem Augenblick hatte sie mit leidenschaftlicher Angst jeden Zug seines Gesichtes , jede seiner Bewegungen sich vergegenwärtigt und jenen schönen Mädchenkopf dicht daneben gehalten , um unter qualvollen Leiden nach der Beziehung zwischen beiden zu forschen ... Das Gefühl der Abneigung gegen die reizende Hofdame war bei dieser Untersuchung zur heftigsten Erbitterung geworden , während sie es mutlos aufgeben mußte , auch ihm zu zürnen oder gar sein Bild aus ihrer Seele zu verscheuchen ... Stand das nicht alles auf ihrer Stirne zu lesen ? ... Die Empfindung vernichtender Scham kam mit aller Wucht über sie . Die Blutwellen ergossen sich verräterisch und unaufhaltsam über ihre Wangen – sie war verloren den dunklen , durchdringenden Augen gegenüber , wenn sie nicht floh ... Nie hatte wohl Miß Sara die Reitgerte so energisch empfinden müssen , wie in diesem Augenblick – sie stieg in die Höhe , dann flogen Roß und Reiterin wie toll über das Blachfeld . Oliveira verharrte , wie , es schien , unbeweglich auf der Stelle , wo er aus dem Walde hervorgekommen war – außer den Hufschlägen ihres Pferdes hörte Gisela keinen Laut ; das hielt sie jedoch nicht ab , ihre Flucht in unverminderter Sturmeseile fortzusetzen ... Schon tauchte ihr schwindelnder Blick in die Steinbrüche hinab , die , urplötzlich nahe gerückt , ihre Klüfte und Abgründe vor ihr auftaten – da stampfte und schnaubte es hinter ihr – der Reiter war ihr auf den Fersen . Mit jenem Renner , der wie ein Blitz über den Boden hinfuhr , konnten sich freilich die Füße der kleinen , zierlichen Miß Sara nicht messen – einen Augenblick noch , und der Portugiese erschien an der Seite der jungen Dame , während er mit rascher Hand in die Zügel ihres Pferdes griff . » Ihre Furcht macht Sie blind , Gräfin ! « zürnte er . Sie war keines Lautes fähig . Ihre Hände , die sich widerstandslos den Zügel hatten entwinden lassen , sanken langsam in den Schoß . Das Mädchen im weißen Kleide mit dem erschreckten Gesicht , aus dem alles Blut entwichen war , saß dort wie eine Taube , die , vom Entsetzen gelähmt , dem über ihr kreisenden Todfeind nicht mehr zu entfliehen vermag . Vielleicht drängte sich auch dem Mann , der mittels einer einzigen Bewegung die Herrschaft über Roß und Reiterin erlangt hatte , dieser Vergleich auf – ein schmerzhafter Zug bebte um seine Lippen . » War ich zu ungestüm ? « fragte er sanfter , zog aber den Zügel noch mehr gegen sich , so daß die Pferde Seite an Seite hielten . Seltsam – Miß Sara , die leicht ungebärdig unter fremder Hand wurde , mußte ihren Herrn und Meister erkennen ; sie stand mit zitternden Beinen , sonst aber wie eine Mauer , und senkte fügsam den Kopf . Gisela antwortete nicht ; sie sah auch nicht auf . Oliveiras braunes Gesicht war ihr so nahe , daß sie meinte , seinen Atem über ihre Stirne hinwehen zu fühlen . » Sie haben mir bereits gesagt , daß Sie mich fürchten « , hob er wieder an . » Ich will diese Empfindung , die Sie vor mir , als Ihrem Widersacher , instinktmäßig warnt , durchaus nicht bekämpfen – ich darf nicht einmal , ja , so oft ich in Ihr schuldloses Gesicht sehe , möchte ich Ihnen sagen : › Fliehen Sie mich , so weit Sie können ! ‹ ... Wir sind eben zwei jener Gottesgeschöpfe , denen vom Uranfang an auf die Stirne geschrieben ward : › Ihr sollt euch bekämpfen mit allen Waffen ‹ – « Er hielt inne . Gisela hatte die Augen groß und erschreckt zu ihm aufgeschlagen . Sein Mund , den die Linien schneidender Ironie , aber auch die eines verhaltenen Schmerzes umzuckten , sprach das Wort ewiger Feindseligkeit ungescheut aus , und doch , wie leuchteten seine gefürchteten Augen auf , als sie die ihren in einem Blick berührten . Sie konnte diesen Blick nicht ertragen . Er zog alles , was sie gewaltsam in sich niederkämpfen wollte , unwiderstehlich ans Tageslicht . Ihr war es sicher nicht auf die Stirne geschrieben worden , gegen ihn zu kämpfen ; sie liebte ihn bis in alle Ewigkeit – das wußte sie . Alles , was ihr Herz in der liebeleeren Einsamkeit an reiner Glut , an