. Dann erst kann er meinen Werth vollkommen erkennen , wenn der Salonverkehr seines Hauses , dem ich präsidiere , den rechten Lüstre über seine hervorragende Stellung wirft ; wenn er mich stets in gewohnter Eleganz und Sicherheit auf meinem Posten findet , ohne daß mein Fernhalten von Hauswesen und Kinderstube pekuniäre Opfer seinerseits fordert . Ich habe bereits Alles berechnet ; nach Abzug meiner Toiletten- und Nadelgelder bleibt wir von meinen Revenüen so viel übrig , daß ich den Gehalt einer perfecten Köchin , der Wirthschaftsmamsell , der Kinderfrau und der Gouvernante aus meiner eigenen Tasche bezahlen kann . “ Sie sah bei den letzten Worten auf ihre glänzenden , rosenfarbenen Nägel , dann wandte sie mit einer langsamen stolzen Bewegung den Kopf seitwärts – der deckenhohe Spiegel warf ihre Gestalt zurück , diese blendende Erscheinung , bei deren Anblick man sich allerdings unmöglich denken konnte , daß sie je in trauter Häuslichkeit einen kleinen Liebling auf den Knieen wiegen , am Krankenbettchen Märchen erzählen und in der Kinderstube das sein werde , was die treue Mutter sein soll , das tröstende Licht , das keine Nacht aufkommen läßt , die höchste Instanz , die mit einem Kusse jeden Streit schlichtet , die unermüdlich stützende Hand , an der das Kind geistig und physisch laufen lernt . Und ihr Blick irrte wie schönheitstrunken weiter und blieb vergleichend an dem weißgekleideten Mädchen hängen , hinter welchem die blausammtene Portière niederfiel . Von diesem Grunde hoben sich die jugendlich schwellenden Glieder , die unvergleichliche Schönheit der Gesichtsfarben unter der dicken Flechtenkrone , die im reinsten Perlmutterweiß schwimmenden dunklen Augensterne herrlich ab , und wenn die schöne Flora in ihrem Gesammtausdrucke das wissende Weib repräsentierte , das bereits tief in das Leben geschaut hat , so stand da neben ihr ein jungfräulich keuscher Schwan in naiver Unschuld und fleckenloser Seelenreinheit . Vielleicht mißfiel ihr das . Sie lächelte das Spiegelbild spöttisch an und nickte hinüber . „ Ja , ja , meine Kleine , so veilchenhaft bescheiden wirst Du nicht immer bleiben , und die häuslichen Bestrebungen , zu denen Dich die Lukas in so unvernünftig übertriebener Weise erzogen , sind bei Dir ebenso wenig am Platze , wie bei meiner künftigen Lebensstellung . Moritz wird Dir nie das unharmonische Geklingel mit dem wirthschaftlichen Schlüsselbunde gestatten – darauf verlasse Dich , und wenn er Dir galanter Weise sogar zehnmal einen Geflügelhof in Aussicht stellt ! Gerade er mit seinem neugebackenen Adel wird in Bezug auf die etiquettengemäß weißen , geschonten Hände seiner Frau penible sein , wie kaum unser Allerdurchlauchtigster . “ Käthe war längst erröthend aus dem Bereiche des Spiegels getreten . „ Das mag Moritz halten , wie er will . Was geht das mich an ? “ fragte sie in halbgewendeter Stellung , aber die Augen groß und verwundert auf das Gesicht der Schwester richtend . „ Aber ich bitte Dich , Flora , wie kannst Du so tactlos sein . Moritz in so unumwundener Weise vorzugreifen ? “ rief Henriette erschreckt ; sie fixierte mit einem besorgten , verlegenen Seitenblick Käthe ’ s Gesichtsausdruck . „ Ach was , er kann mir nur dankbar sein , wenn ich ihm den Weg ein wenig glatt und eben mache . Und glaubst Du denn , ich spräche da etwas aus , das Käthe nicht selbst längst wüßte ? Es giebt kein Mädchen über fünfzehn Jahre , das nicht mit den Fühlfäden des Sehnens und Wünschens unausgesetzt sondierte und sofort wie durch einen elektrischen Schlag fühlte , wenn ein Männerherz sich ihm zuneigt . Die das nicht zugeben , sind entweder zu dumm oder raffinierte Koquetten . “ Sie maß wieder ihr Spiegelbild vom Kopfe bis zu den Fußspitzen und zog die Löckchen tiefer in die Stirn . „ Wer vorhin Augen gehabt hat , zu sehen , wie unsere Kleine sich vertrauensvoll und hingebend anzuschmiegen weiß , der kann nicht mehr fehlgehen – gelt , Käthe , Du verstehst mich ? “ Jetzt lächelte sie mit frivol blinzelnden Augen unter dem hochgehobenen Arme weg die junge Schwester an . „ Nein , ich verstehe Dich nicht , “ versetzte das Mädchen mit stockendem Athem ; ein undefinirbares Gemisch von heftigem Widerwillen und böser Vorahnung stieg in ihr auf und machte sie ängstlich . „ Komm , Käthe , wir wollen gehen , “ sagte Henriette undschlang ihren Arm um die Hüften der großen , schlanken Schwester , um sie nach der Thür zu ziehen . „ Ich leide ein solch indiscretes Verhör nicht , “ setzte sie , zornig mit dem Fuße stampfend , hinzu . „ Bah , echauffiere Dich nicht , Henriette ! “ lachte Flora . Sie reichte Käthe das Etui mit dem Geschmeide hin . „ Hier , Kleine , Du wirst doch die Steine nicht in dem offenen Salon liegen lassen , wo die Dienerschaft aus- und eingeht ? “ Käthe legte unwillkürlich und naiv wie ein Kind die Rechte , in welche der Schmuck gedrückt werden sollte , auf den Rücken . „ Mag doch Moritz sie wieder an sich nehmen , “ sagte sie kurz und bestimmt . „ Deine Großmama hat darin ganz Recht – es ist ein unpassendes Geschenk ; an meinen Hals gehört ein solcher Schmuck nicht . “ „ Und an diese gutgespielte Unbefangenheit soll ich glauben ? “ rief Flora ärgerlich und wie gelangweilt . „ Geh ’ ! Einem so großen , vierschrötigen Mädchen steht die kindische Ziererei nun einmal nicht an . Da liegt er noch , der Spitzenshawl , den Moritz der Großmama mitgebracht hat – sie verschmäht ihn ; sie ist empfindlicher als Deine Schwestern , die es selbstverständlich finden , daß Dein Geschenk Alles , was er hier für uns ausgebreitet hat , an innerem Werthe mindestens vierfach aufwiegt – und über das Warum dieser Auszeichnung wolltest Du allein im Unklaren sein ? Mache Dich nicht lächerlich ! Hörst Tag für Tag das Hantieren drüben im Pavillon – Alle im Hause , bis