Herzog schritt ihr entgegen und küßte ihr die Hand . » Nehmen Sie meinen und meiner Söhne innigsten Dank für Ihren freudigen Opfermut « , sprach er , indem er sie zum Bette führte . » Sehen Sie selbst , gnädiges Fräulein , er hat großes vollbracht ! « Die Herzogin streckte ihr die Hände entgegen , während der Erbprinz sich jubelnd an sie hing . » Ich habe ja immer gewußt « , sagte er , » Sie haben Mut , Fräulein von Gerold , und dies geben wir Ihnen , ich und mein Bruder , weil Sie Mama wieder gesund gemacht haben . « Er reichte ihr ein kostbares Schmuckstück und die Händchen der anderen hielten ihr stumm die Rosen entgegen . » Klaudine « , flüsterte die Herzogin . Sie kniete in alter Gewohnheit am Bette nieder , aber der Kopf legte sich nicht wie sonst zutraulich an die Wange der Freundin , sie verharrte wie eine jener gemalten Beterinnen in der Schloßkirche , mit niedergeschlagenen Augen und unbeweglicher Miene . » O , warum denn Dank ! Ich tat ja nichts « , sagte sie . Die Herzogin gab , von ihr ungesehen , ihrem Gemahl ein Zeichen , sich zu entfernen . Leise trat er hinaus , die beiden ältesten Prinzen folgten ihm , nur das Kleinste blieb auf dem Bette sitzen und spielte mit den Rosen . » Dank , Klaudine , tausendfachen Dank ! Und nimm auch meinen treuesten Glückwunsch zu deiner Verlobung . Ich erfuhr sie vorhin durch Mama . Es hat mich überrascht , Klaudine . Warum sagtest du mir nie davon , daß du ihn liebst ? « Klaudine blieb stumm , dann erschrak sie . Wenn sie ihre Rolle so schlecht spielte , dann war ja die ganze Komödie vergeblich ! Hier galt es also vor allen Dingen , sich mutig zu zeigen . » Mir wurde es so schwer , darüber zu sprechen « , stammelte sie , » ich wußte ja nicht , ob er mich wiederliebt . « Die Herzogin drückte ihr die Hand . » Klaudine « , flüsterte sie , » weißt du – der Herzog dauert mich , denn er liebt dich ! « » Hoheit , nein ! « rief das Mädchen , » er liebt mich nicht ! « » Doch , Klaudine « , versicherte die Kranke , » sieh , ich hatte ja einen Brief von ihm in den Händen – an dich . « Klaudine fuhr empor . » Einen Brief ? Ich habe nur einen von Seiner Hoheit erhalten , und der – « » Pst ! « flüsterte die Herzogin . » Ganz recht ! Ich verstand ihn gestern nicht , heute erklärte mir Adalbert seine Bedeutung selbst . Er hat mir alles gesagt , es ist ihm nicht leicht geworden . Ich weiß alles , Klaudine , und er dauert mich , weil du ihm nun verloren bist . « » Elisabeth ! « stotterte das Mädchen , dem fast die Sprache versagte . » Es ist ein Irrtum Seiner Hoheit , und welcher Mensch – « » Ja , ein Irrtum ! Oh , ich verstehe , ich kann es begreifen , aber hier innen ist ' s so öde , so still geworden , Klaudine . « Sie legte einen Augenblick eine Hand auf die Brust und strich dann schmeichelnd über Klaudines Arm , der in der Binde hing . » Elisabeth « , sprach diese , » du bist immer eine so fromme Natur gewesen , du richtest sonst so mild die Handlungen der Menschen . Willst du hier ein harter Richter sein ? « Die Herzogin schüttelte den Kopf . » Nein , ich habe verziehen . Die kleine Spanne Zeit , die mir noch bleibt , soll freundlich verfließen . Ach , Klaudine , zum ersten Male , seit ich sein Weib bin , hat er heute früh mit mir gesprochen , wie ich es immer ersehnt habe , wachend und träumend . Herzlich und aufrichtig , mild und gut hat er gesprochen . Es kommt zu spät , ja , ja – aber es ist so schön , so süß , und deshalb habe ich ihm verziehen . Es ist nur noch ein Rest , so ein Rest dummer Eitelkeit in mir . Weißt du , ich wollte ihm immer gefallen und bedachte gar nicht , daß ich ein so elendes , krankes Geschöpf bin . Da habe ich mir rasch den Spiegel hier genommen und hineingeschaut , es tat ein bißchen weh zuerst , aber dann – « Sie verstummte , und in ihren Augen schimmerte es feucht , während sie sich zum Lächeln zwang . Klaudine konnte es nicht hindern , ihr rollten ein paar große Tränen über die Wangen . » Er dauert mich so « , sagte die Herzogin noch einmal , » ich will gut und geduldig und liebevoll gegen ihn sein . Und wer mir noch leid tut « , fuhr sie fort , » das ist Helene – sie liebt deinen Bräutigam . « » Ja ! « hauchte das Mädchen . » O du schönes , von Gott begnadetes Geschöpf du « , sagte die Kranke , » dem aller Herzen sich zuneigen ! Wie mag es wohl sein , wenn man so geliebt wird ? « Es klang so traurig , so hoffnungslos . Klaudine stand auf und wandte sich zum Fenster . Sie durfte nicht zeigen , wie weh ihr war . » Ich will dich nicht länger zurückhalten , Klaudine « , fuhr die Herzogin fort , » du hast so viele , viele Pflichten heute . Du mußt dich Mama als Braut vorstellen und deinem Kindchen als Mutter , und ihr werdet so viel zu sprechen haben , du und er . Geh , Klaudine , geh mit Gott ! « Sie lächelte . Der kleine Prinz hatte ihr jauchzend das Spitzenhäubchen von dem dunklen Haar gezagen