Ihnen erscheint , sondern es lebt in Ihnen der unbestimmte Wunsch , Denjenigen , der Ihnen einst das Theuerste auf Erdenge wesen , ebenfalls auf den Weg des Heils zurückzuführen . Beten Sie für ihn und fahren Sie fort , seiner zu gedenken , aber gedenken Sie seiner , wie eines Verstorbenen . Abgesehen von seiner unglücklichen , religiösen Richtung , abgesehen von seinen politischen Verirrungen , war er stets ein achtbarer Charakter , der die freundliche Theilnahme seiner Mitmenschen wohl verdiente . Eine Versündigung ist es daher nicht , wenn Sie , selbst in Ihren Gebeten und frommen Betrachtungen seiner gedenken , aber er ist todt für Sie . Sie haben mit edler christlicher Aufopferung Alles für seine Befreiung hingegeben . Sie haben mit der rechten Hand hingegeben , ohne daß die linke darum wußte ; selbst vor Ihrem Beichtvater und Ihrer hochherzigen Frau Tante verheimlichten Sie die gute That . Gott lohnte Ihren Edelmuth , indem er das Unternehmen gelingen ließ : Ihr armer , bedauernswerther Freund befindet sich zur Zeit auf der Reise nach fernen fremden Ländern , bis wohin der Arm der hiesigen Gerechtigkeit nicht reicht . Trübsal , Kummer und Elend werden auf ihn einstürmen und , so Gott will , sein Gemüth erweichen ; beten Sie daher für ihn , daß er siegreich aus dem Kampfe hervorgehe , und sei es auch erst in der letzten Stunde seines Lebens , sich in die Arme der alleinseligmachenden Kirche werfe , um einst im Jenseit ein Wiedersehen zu ermöglichen . Er ist todt für Sie , aber ohne Zweifel und Beängstigungen zu empfinden , dürfen Sie seiner gedenken , für ihn beten . « » Mein Vater , « bat Johanna , ihre vor Entzücken strahlenden Augen mit stehendem Ausdruck auf den Geistlichen heftend , » dann gewähren Sie mir den Trost , gemeinschaftlich mit mir für das Wohl meines armen , verlassenen Freundes zu beten . « » Sie nehmen mir das Wort von den Lippen , « versetzte der Priester , sich erhebend , und zugleich Wechselte er heimlich mit Bernhard Blicke des Mißmuthes und auch wieder triumphirender Zufriedenheit , » vereinigt wollen wir für ihn beten , vereinigt zu dem Allmächtigen flehen , daß er ihn erleuchte und von der ewigen Verdammniß errette . « Es folgte jetzt das Rücken von Stühlen , die beiden Geistlichen und die Oberförsterin bewegten sich mehrfach in stiller Geschäftigkeit aneinander vorbei , die Lampe wurde auf einen Stuhl gerade vor Johanna hingestellt , und als dann wieder Ruhe eintrat , da kniete der ältere Geistliche mit einem aufgeschlagenen Buche grade vor der Lampe , und zu beiden Seiten von ihm knieten , mit gleich andächtiger Miene , der schurkische , heuchelnde Bernhard , und die von der unumstößlichen Wahrheit ihrer Religion tief durchdrungene alte Dame . Johanna hielt das Crucifix inbrünstig an ihre Brust gedrückt ; ihren vor Mattigkeit halb geschlossenen Augen entströmten Thränen der Freude , und auf ihren eingefallenen Wangen wechselte wieder die krankhafte Röthe mit der tödtlichen Marmorfarbe . Der Priester begann mit murmelnder Stimme ein lateinisches Gebet abzulesen . Es war dies das Letzte , was ich hörte und sah . Ich glaubte von Wahnsinn befallen zu sein , denn nur mit der größten Anstrengung und durch den Gedanken an die etwanigen Folgen für die bis zum Tode erschöpfte Kranke , vermochte ich mich in so weit zu beruhigen , daß ich nicht durch das Fenster in die Stube brach , um die beiden Verräther , welche in ihrem Gebet das Allerheiligste auf verbrecherische Weise schändeten , vor Johanna ' s , meiner armen gemordeten Johanna Augen in den Staub zu treten . » Anton komm , « sagte ich laut zu meinem erschreckten Begleiter , denn erfüllt von Abscheu , und dem namenlosesten Schmerz wäre mir in jenem Augenblick eine Entdeckung vollständig gleichgültig gewesen . Ebenso schritt ich , trotz Anton ' s dringender Warnungen , mitten auf der Landstraße offen einher ; eine Begegnung mit dem wilden Andres hätte ich willkommen geheißen , und mit wildem Entzücken würde ich ihn , um an ihm mit meiner Rache zu beginnen , mit meinem schweren Wanderstabc erschlagen haben . Doch mein guter Stern wachte über mich , daß ich nicht mit ihm zusammentraf , und nachdem wir in unsere Höhle zurückgekehrt waren , stellte sich auch die Ueberlegung wieder ein , welche mir gestattete , die Verhältnisse genauer zu prüfen und auf einen Plan zur Rettung Johanna ' s aus der Gewalt der grausamen Feinde zu sinnen . – Am folgenden Morgen , gleich nach Tagesanbruch , wanderte der getreue Anton nach der Oberförstern . Er war beauftragt , einen kleinen , mit Bleistift geschriebenen Zettel dem Oberstlieutenant persönlich einzuhändigen . Auf dem Zettel standen folgende Worte : » Nicht um seinetwillen , sondern um den unglücklichen Zustand Ihrer Nichte mit Ihnen zu berathen , wünscht ein Geächteter Sie zu sehen und zu sprechen . Der Bote ist sicher , der Aufenthaltsort des Verstoßenen nur ihm bekannt . Jeder Versuch , durch ihn das Versteck kennen zu lernen , wird sich als erfolglos ausweisen . « Nach zwei Stunden brachte Anton mir die Antwort . Er halte den Oberstlieutenant in seiner Stube allein angetroffen und ihm die Nachricht unverzüglich zugestellt . Nach seiner Mittheilung zu schließen , mußte dieselbe wie ein Donnerschlag auf meinen Vormund eingewirkt haben , denn nachdem er einige Male in der Stube mit Heftigkeit auf und abgegangen war , hatte er sich auf einen Stuhl geworfen und wohl eine halbe Stunde in tiefe Gedanken versunken dagesessen . Dann war er plötzlich aufgesprungen , hatte schnell einige Worte auf einen Papierstreifen geschrieben und diesen , zusammen mit einem harten Thaler , als Belohnung für seinen Gang , dem überraschten Anton in die Hand gedrückt . Anton hatte darauf , meinem Rathe gemäß , dem Oberstlieutenant meine Lage geschildert und namentlich darauf hingewiesen , daß gerade in der Nähe der Oberförstern die größte Gefahr auf mich laure . In Folge dessen