„ Ach , das kann spät werden , “ meinte der alte Knecht , „ er wollte ins Buchroder Revier und ist hingeritten . “ Hede warf einen Blick auf die Uhr , es war noch nicht halb Sechs . „ Ich muß um sechs Uhr fort , Karoline , muß noch in die Kirche , “ sagte sie . „ Merk ’ auf – vor dem Anrichten thust du den geriebenen Meerrettich in die Sahne , das ist alles . “ „ Ach , Fräulein , warten Sie doch noch einen einzigen Augenblick . Ich hab ’ so ’ n nötigen Gang , “ bettelte das Mädchen „ nachher sind die Läden alle zu und ich möchte so gern noch einen Shawl kaufen für meinen Fritz und kann die Kinder doch nicht allein lassen ! “ „ Ja , aber , liebe Karoline , dann rasch ! “ Und Hede setzte sich ganz nervös auf den Küchenstuhl „ Bitte , rasch , Karoline ! “ wiederholte sie . „ Aber wie ein Hase laufe ich , “ rief diese , nahm den flanellgefütterten Kattunmantel und stürzte hinaus , als ob es brennte . Draußen sagte sie vor sich hin , indem sie ihre Eile mäßigte „ Na , warten Se man een beten , bis der Herr Oberförster nach Hause kommt – ick hab ’ kein ’ Eil ’ Und als sie nach einer längeren Weile zurückkehrte , saß Fräulein von Kerkow noch da und sah mit gefurchter Stirn vor sich hin und hatte gar nicht gemerkt , daß Karoline eine geschlagene halbe Stunde fortgewesen war . „ Es ist noch viel Zeit bis zur Kirche , “ sagte das Mädchen , „ ich danke auch schön , Fräulein von Kerkow . Ein Paar Strümpfe habe ich auch noch rasch gekauft für den Fritz . “ Hede erhob sich . „ Holen Sie mir Hut und Mantel , Karoline , ich will jetzt gehen , den Kindern sage ich nicht Gute Nacht , sie fangen sonst wieder an zu quälen . “ „ Herrjeh ! Ja , ja , “ meinte das Mädchen , „ ich wundere mich überhaupt , daß sie so still sind . Sie werden wohl am Fenster stehen und auf den Vater passen . – Fräulein , ich gehe gleich und hole den Mantel , will nur erst ’ mal nach dem Feuer sehen . Und sie ergriff einen Armvoll Holz und schob es bedächtig , Stück für Stück , unter den Herd . Da klingelte es . Hede Kerkow aber verharrte noch regungslos auf dem nämlichen Flecke . Natürlich war er es . Der Knecht hinkte über den Flur ihm entgegen , Karoline aber begann eine vorwurfsvolle Rede : „ Und das wäre doch ’ mal ’ ne Upmunterung gewesen vor den armen Mann , der so wie so nichts nich auf der Welt hat . Bleiben Sie doch man dies einzige Mal da , Fräulein , es ist ja doch Weihnachten und die Bälger sind doch rein vom Bändel los vor Vergnügen ! “ Hede Kerkow stand da , wie wenn man sie beim Stehlen ertappt hätte , und wartete auf den Augenblick , wo die Thür zu des Oberförsters Zimmer gehen sollte , um dann unbemerkt zu entwischen . Aber da drangen schon die Stimmen der Kinder aus dem Hausflur herüber die den Vater mit der Jubelbotschaft empfingen : „ Die Tante ist da , Vater ! Um fünf Uhr ist sie gekommen ! Sie will nicht hier bleiben , aber du läßt sie nicht fort – gelt , Vater ? “ Und dann lief Karoline zur Küchenthür , riß sie auf und schrie „ Hier ist die Tante ! “ Hede Kerkow sah ein , daß sie gefangen war . Sie wollte wenigstens einen ehrenvollen Rückzug antreten , und deshalb ging sie ruhig dem Oberförster entgegen , der da inmitten seiner Kinder noch in Flausch und Mütze stand , auf denen die Schneeflocken lagen wie auf den Weihnachtsmännern in den Spielwarenläden der Eisflimmer . „ Ich will nicht lange stören , “ sagte sie freundlich , „ ich möchte zur Kirche gehen . Es freut mich , daß ich Ihnen noch ein frohes Fest wünschen kann . “ „ Danke , Fräulein von Kerkow ! Es thut mir nur leid , daß Sie mir nicht die Freude machen wollen , den Heiligen Abend mit uns zu verleben . Er nahm die Mütze ab und setzte sie seinem Jungen auf , dann zog er den Flausch aus und warf ihn Agnes über den Arm . „ Einen Augenblick aber treten Sie doch wohl ein ! “ bat er , „ sonst muß ich wahrlich denken , daß Sie gehen , weil ich komme . “ Und als die Kinder eilfertig die Sachen fortschleppten , wandte er sich der Wohnstube zu . Da rief Agnes zurück : „ Dort darfst du nicht ’ rein , Vater , dort liegen ja unsere Geschenke für dich ! “ Nun machte er gehorsam kehrt und schritt nach seiner Stube . „ Ich bitte , hier vorlieb zu nehmen , “ sagte er . Einen Augenblick zögerte sie , dann folgte sie ihm . Er ging zum Schränkchen , auf dem die Lampe stand , zündete sie an , trug sie auf den Tisch und bat Hede , auf dem Sofa Platz zu nehmen . „ Es ist noch ebenso hier , wie Sie sehen , “ sagte er und lächelte ein wenig melancholisch . Und dann saß er ihr gegenüber , starrte auf die verblichene Tischdecke , mit deren Fransen er spielte , und schwieg . Und Hede schwieg auch , und beiden klopfte laut das Herz . Von draußen schollen noch einmal die Stimmen der Kinder herein , dann ward es ganz still . Karoline hatte sie in die Küche gerufen „ die Bälger , “ wie sie sich ausdrückte , und da sagte sie : „ Nu hört ’ mal zu ! Wir gehen