v. Eberhardt . Ja , ich war sehr glücklich geworden . Ich hatte mich nicht einen Augenblick besonnen auf die Antwort , die ich ihm schicken wollte , und Friedel trabte sehr bald nach Beendigung der langen , ausführlichen Lektüre mit einem Briefchen von mir , welches das lakonische Ja enthielt , der Stadt zu . Der brave Mensch blickte mir forschend ins Gesicht , als ich ihm die Botschaft in die derben Hände legte . Ich muß wohl sehr glücklich ausgesehen haben , denn er war mit einem raschen Sprunge im Sattel , schnalzte mit der Zunge und rief noch halb zu mir gewendet : » Nu aber tritt ein bißchen zu , alter Junge ! Der Herr Leutnant wartet wie ein Kind auf den Heiligen Christ ! « Dann war er auch schon um die Ecke verschwunden . Ich ging ins Haus , nahm das Kind in die Arme und küßte es . Ich erzählte ihm eine lange Geschichte von einer Mama , die es sehr liebhaben würde . Kathrin sagte nichts , aber sie streckte mir ihre alten Hände entgegen , und in den greisen Augenwimpern hingen ein paar Tränen , die ersten , die ich je aus diesen Augen fließen sah . Was kümmerte mich der Baron , was die Meinung der Welt , er bedurfte meiner , das war genug . Alle anderen Bedenken schwanden vor diesem beglückenden Bewußtsein . Und dann der Tag , an dem er kam , und ich zum zweiten Male als Braut in seinen Armen lag . Und unsere Liebe war eine gestärkte , gekräftigte , durch nichts mehr zu trennende . Die Stunden waren so schön , zu schön , als daß ich sie beschreiben könnte . Wäre es möglich gewesen , mein Glück noch zu steigern , so hätte es ein Brief von Hanna getan , den Wilhelm mir mitbrachte . Mit Herzklopfen öffnete ich ihn : es war die Antwort auf jenes Schreiben , worin ich ihr mitteilte , daß ich nun doch Eberhardts Weib werden würde , zwar gegen den Willen ihrer Eltern – und dies sei betrübend für mich – , aber ich könnte nicht anders , weil ich ihn so von ganzer Seele liebhätte . Die gute , liebe Hanna , sie schrieb so zart , so innig und sandte mir , vereint mit ihrem Manne , die aufrichtigsten Segenswünsche . Sie tröstete mich über das Zürnen ihrer Eltern und hoffte , daß sich einst noch alles zur Zufriedenheit gestalten würde . » Tue Deine Pflicht « , schrieb sie noch zuletzt , » mache den armen Eberhardt und sein Kind glücklich , für anderes hast Du jetzt nicht zu sorgen , das liegt in Gottes Hand ! « Das war das richtige Wort gewesen , und ich stellte all mein Tun unter den Schutz unseres himmlischen Vaters und beugte mich demütig unter der Last des Glückes , das mich beinahe schwindlig machte . Ach , dieser Tag , er blieb der Glanzpunkt meines Lebens ! Ich sehe mich noch in der kleinen Stube neben Eberhardt auf dem Sofa , zwischen uns das reizende Kind mit dem dunklen Lockenköpfchen . Er hatte einen Arm um die kleine Gestalt geschlungen , die andere Hand ruhte in der meinen , und dabei erzählte er mir Pläne für die Zukunft . Kathrin , die bei mir die Stelle der Mutter oder Ehrendame vertrat , saß wie immer auf ihrem Platz am Ofen und nickte mit dem Kopfe zu allem , was er sagte . Zum neuen Jahre hoffte er seine Versetzung zu erhalten . Dann wollte er von Weihnacht an Urlaub nehmen und am dritten Feiertage sollte uns Pastor Renner auf immer verbinden . Kathrin sollte unter der Pflege des verständigen Mädchens und der Oberaufsicht der Frau Renner in dem Vaterhause verbleiben , und ich wollte meinem Gatten in unsere neue Heimat folgen . Mir wurden die Augen feucht , als ich daran dachte , die alte , treue Seele zu verlassen . Aber ich hatte keine Wahl mehr , ich gehörte ja ihm für immer . Wir wollten sie alljährlich besuchen , mußten wir ihr versprechen . Mein Gott , wenn man die alte , gebrechliche Gestalt ansah , dann konnte man an einen Abschied auf Nimmerwiedersehen denken . Ein schriftlicher Verkehr zwischen Eberhardt und mir wurde verabredet . Friedel sollte jede Woche einmal herüberreiten und einen Brief bringen und holen . Sehen wollten wir uns nicht so oft , um nicht den Leuten Anlaß zu müßigem Geschwätz zu geben . Weihnacht war ja so nahe , noch zwölf Wochen , und dann sollten wir uns für immer haben . Da mußte es schon ertragen werden , daß wir uns nicht so oft sehen und sprechen konnten . Es gab ja auch soviel für mich zu tun , und eine Ausstattung , zierlich und hübsch , mußte ich auch noch besorgen – hatte mir doch mein Vater schon bei Lebzeiten eine Summe dafür bestimmt . Ach , das Glück ! Wie sieht die Welt so wunderbar eigen aus , wenn das Herz so voll ist von heiliger , süßer Freude . Ein rosiger Schein umleuchtet Gegenwart und Zukunft , was kann nun noch Trübes kommen ? Vergangenes Leid ist ja kaum noch Leid , es dient nur dazu , das Jetzt strahlender und reizender zu machen . Wie ich so dasaß , das schlafende Kind auf meinem Schoß , den Kopf an die Brust des geliebten Mannes gelehnt und von seinem Arm umschlungen , da war meine schönste Stunde gekommen , und Gott sei noch heute der heißeste Dank dargebracht , daß ich sie so voll , so ungetrübt erleben durfte . Ach , wie bald , wie bald kam das Entsetzliche ! Es war der November gekommen . An einem stürmischen Tage – es war am zwanzigsten , der , sooft er auch bis jetzt wiederkehrte , nichts von seiner Bitterkeit in meiner Erinnerung verloren hat – war ich drüben gewesen bei Frau Renner ,