Prinz Heinrich von 1753 bis 1802 ( 3. August ) . Prinz Ferdinand von 1802 bis 1813 ( 2. Mai ) . Prinz August von 1813 bis 1843 ( 19. Juli ) . Seit 1843 ist es wieder Königlicher Besitz . – Wir nähern uns jetzt von der Kolonnade her dem linken Flügel des Schlosses , treten auf einen großen Flur und ziehen leise mit der Hand des Bittstellers an der Klingel des Kastellans . Er schläft wirklich noch , aber seine Frau nimmt unverdrossen das große Schlüsselbund von der Wand und schreitet treppauf vor uns her . Wollte ich dem Leser zumuten , uns auf diesem Gange zu folgen , so würde ich ihn nur verwirren ; ich begnüge mich deshalb damit ( ohne Rücksicht auf die Reihenfolge , darin wir die Zimmer sahen ) in nachstehendem erst von den Zimmern des Kronprinzen Friedrich und danach von denen des Prinzen Heinrich zu sprechen . Zunächst also die Zimmer des Kronprinzen , des nachmaligen » großen Königs « . Sie befinden sich in beiden Flügeln , wenn man , wie billig , den großen Konzertsaal mit hinzurechnet , den Konzertsaal , in welchem unter Leitung Grauns und unter Mitwirkung des Kronprinzen die klassischen Kompositionen jener Epoche zur Aufführung kamen . Dieser Konzertsaal befindet sich ( immer von der Seefront aus ) im linken Flügel des Schlosses , von dem aus seine hohen Fenster einerseits auf den Schloßhof , andrerseits auf das » Kavalierhaus « und einen vorgeschobenen Teil der Stadt herniederblicken . Er ist etwa vierzig Fuß lang , fast ebenso breit und vortrefflich erhalten . Die Wände sind von Stuck und die Fensterpfeiler mit Spiegeln und Goldrahmen reich verziert ; eine Hauptsehenswürdigkeit aber ist das große Deckengemälde von Pesne , das dieser , nach einem den Ovidschen Metamorphosen entlehnten Vorwurf , im Jahre 1739 hier ausführte . Der Grundgedanke ist : » die aufgehende Sonne vertreibt die Schatten der Finsternis « oder wie einige es ausgelegt haben , » der junge Leuchteprinz vertreibt den König Griesegram . « Die Technik ist vortrefflich , und wie immer man auch über pausbackige Genien und halbbekleidete Göttinnen denken mag , in dem Ganzen lebt und webt eine künstlerische Potenz , gegen die es nicht gut möglich ist , sich zu verschließen . Schinkel soll unter dem Einfluß dieses Deckengemäldes die große Komposition entworfen haben , die sich jetzt al fresco in der Säulenhalle des Berliner Alten Museums befindet . Was übrigens den Konzertsaal selbst angeht , so fand innerhalb desselben , im Sommer 1848 , ein etwas in rot getauchtes Ruppin-Rheinsbergisches Gesangfest statt , das eigentümlich gestört wurde . Man war eben auf der » Höhe der Situation « , als sich plötzlich eine halbe Stuckwand loslöste und mitten in den entsetzten Sängerkreis hineinfiel . Alles stob auseinander . Das Mauerwerk des alten Schlosses hatte sich aus seinen friderizianischen Erinnerungen heraus empört . Dieser linke Flügel enthält außer dem Konzertsaal noch zehn oder zwölf kleinere Räume , von denen einige die Zimmer der Prinzeß Amalie heißen , während der Rest sich ohne jeden Namen begnügen muß . Diese » Namenlosen « sind die einzigen Räume des Schlosses , die noch eine praktische Verwendung finden . In ihnen logieren die Hausministerialbeamten , die hier gelegentlich eintreffen , um nach dem Rechten zu sehen . Es macht einen ganz eigentümlichen Eindruck , wenn man nach Passierung einer langen Reihe von Zimmern , die nur immer die Vorstellung in uns wachriefen , » hier muß der oder der gestorben sein « , plötzlich in ein paar Räume tritt , die liebe Rückerinnerungen an die Tage eigenen Chambregarnielebens in uns wecken . Die kleinen Bettstellen von Birkenmaserholz , die roten Steppdecken von allersimpelstem Kattun , die Waschtoiletten mit dem Klappdeckel und die beinah faltenlosen Zitzgardinen , als habe das Zeug nicht ganz gereicht , alles hat den schlichtbürgerlichsten Charakter von der Welt , und das eitle Herz freut sich der Wahrnehmung , daß man in Schlössern schläft wie anderswo . Doch vergessen wir über diesem stillen Behagen nicht unsere eigentliche Aufgabe , und wenden wir uns lieber jenem kleinen Arbeitszimmer zu , das , mit noch größerem Recht als der Konzertsaal , den Namen des großen Königs führt . Dies Arbeitszimmer liegt im rechten Flügel des Schlosses , und zwar in dem kleinen Rundturm , der den Flügel nach vorn hin abschließt . Wir passieren abermals eine lange Zimmerreihe , bis wir endlich in ein kleines und halbdunkles Vorgemach treten , das sein Licht nur durch eine Glastür empfängt . Dies halbdunkle Vorgemach enthielt die kleine Bibliothek , die Friedrich der Große bald nach seiner Thronbesteigung nach Potsdam schaffen ließ , das davor liegende Zimmer aber , von dem uns nur noch die Glastür trennt , ist das Arbeitszimmer selbst . Nur sehr klein ( höchstens zwölf Fuß im Quadrat ) hat es nach drei Seiten hin eine entzückende Aussicht über Wald und See . Vor einhundertundvierzig Jahren muß es auch in seiner Ausstattung einen durchaus heiteren und angenehmen Eindruck gemacht haben . Es ist ein Achteck , das mit drei Seiten in der Mauer steckt , während fünf Seiten frei und losgelöst nach vorn hin liegen . Das Ganze setzt sich abwechselnd aus Wand- und Glasflächen zusammen : vier Paneelwände , drei Nischenfenster und eine Glastür . Die Fensternischen sind sehr tief und boten deshalb Raum zur Aufstellung von Polsterbänken , die sich an beiden Seiten entlangziehen . An den Paneelwänden stehen altmodische Lehnstühle mit versilberten Beinen und schlechten , dunklen Kattunüberzügen . Über den Lehnstühlen aber , in ziemlicher Höhe , sind Konsolen mit den Büsten Ciceros , Voltaires , Diderots und Rousseaus angebracht . In die Holzbekleidung ist vielfach Spiegelglas eingelassen , während sich zu Häupten der Eingangstür allerlei Zeichen des Freimaurerordens befinden und abermals ein Pesnesches Deckengemälde den Plafond bedeckt . Dasselbe zeigt die Ruhe beim Studieren ; ein Genius überreicht der sitzenden Minerva ein Buch , auf dessen Blättern man die Namen Horaz und Voltaire liest . Das Bild hat verhältnismäßig