tief auf die Brust - » in meinem Leibe starb mein Kind ! « Ohne noch ein Wort miteinander zu wechseln , erwarteten sie zusammen das letzte Dämmern des Abends . Dann stand er auf . » Norina ! « sagte er ganz leise . Es war ihr , als lege eine zarte Hand einen sehr weichen Verband auf eine offene Wunde . In den nächsten Tagen schien sie krampfhaft jede Anknüpfung an ihr Geständnis unmöglich machen zu wollen . Mit fieberhaftem Eifer betrieb sie ihre Wanderungen und vermied es dabei , irgend etwas zu berühren , das eine Erinnerung daran hervorrufen könnte . Erst als ihr deutlich wurde , daß er sie darin unterstützte , kehrte ihre schöne Ruhe voll zurück . » Heute « , rief sie ihm entgegen , als er an einem klaren Maimorgen ins Zimmer trat , » heute wollen wir nach San Lorenzo . « Ein kaltes , blasses Licht herrschte in der Mediceerkapelle , als sie eintraten . Unwillkürlich überkam sie beide , die wohltuende Wärme hinter sich ließen , gleichzeitig ein Kälteschauer . » Alle Höhen sind eisig , « meinte er . Die Erinnerung an die Totenfahrt über die Berge packte ihn wieder . » Darum verstehen wir sie so schwer , die wir alle in der Tiefe wohnen , « ergänzte sie . Sie traten vor Lorenzos Grabmal . » Hier , sagten Sie einmal , seien die Rätsel des Lebens verborgen ? « frug er . Sie nickte nur , die Augen groß auf den ruhenden Giganten geheftet , der mit dem weiten Blick in die Ewigkeit selbst zu schauen scheint , während der Mund wie in einer Maske verschlossen liegt . » Und Sie - ahnen die Lösung ? « Sie schüttelte heftig den Kopf und schaute zu der Gefährtin des Giganten auf der anderen Seite des Sarkophags empor , die mit tief gesenktem Haupt , so daß das Antlitz ganz im Schatten liegt , vom Schlummer umfangen ist . » Ich sehe nur , daß jene dort , « sagte sie leise , » die sie die Nacht nennen , die vollen Brüste der Säugenden hat , und daß ihr wunderbarer Körper die Zeichen vieler Mutterwehen trägt ; und ihr tifer , tiefer Schlaf voll der unergründlichen Geheimnisse der Fruchtbarkeit ist . Alles , alles Leben , glaub ' ich , kommt aus der Tiefe des Schlafs , des Nichtwissens . Pero non mi destar , deh ! parla basso , würde sie sagen , wie ihr Meister , wenn einer sie wecken könnte . Und ich sehe , daß jener dort , ihr zur Seite , unter dessen Simsonfäusten dieses Heiligtum einstürzen müßte , erhöbe er sich , von aller Erkenntnis gesättigt ist und nicht sagen kann , was er sieht . « Schwatzende Menschen kamen , darunter ein Bebrillter , der zu dozieren begann . Norinas Finger , die fieberhaft glühten , umfaßten Konrads Hand und zogen ihn hinaus . » So bliebe alles Letzte , alles , wonach unsere heißeste Sehnsucht strebt , Geheimnis ? « sagte er , als sie draußen im engen Gange standen . Sie sah ihn an und erstaunte , wie bei der Frage seine Züge erschlafften . Und sie entgegnete langsam : » Ich weiß nichts von philosophischen Systemen , ich kenne keine andere Religion als die meine , mein Denken ist nur ein Fühlen , und so fühle ich auch nur , daß die Tiefe des Geheimnisses gerade seine Schönheit ist . Nur in Bildern und Symbolen nähern wir uns ihm . Das Warum war für Michelangelo eine dürre , durch dichte Finsternis tastende Gestalt , mit vielen Schlüsseln am Gürtel , von denen keiner in das Schloß paßt . « Sie gingen die breite Treppe hinab in die Krypta von San Lorenzo . Eine ungeheure , gedrungene Säule erhebt sich in ihrer Mitte , atlashaft . » Cosimo der Alte liegt hier begraben , « erklärte Norina , » der Vater des Vaterlandes . « » Der Vater des Vaterlandes - , « wiederholte Konrad gedankenvoll . » Er wollte kein anderes Grabmal , « sagte sie . » Aus ihm wuchs der florentinische Staat empor , er trug ihn , Schöpfer und Diener zugleich , « sprach Konrad wie zu sich selber redend weiter ; » er ist nur noch Asche in seiner Gruft , aber die Säule steht . Der Staat zerstäubte , aber sein Geist erfüllt eine Welt . « Als sie an diesem Tage nach Hause kamen , lag ein so heller Glanz auf ihren Gesichtern , daß die Dienstboten im Souterrain kichernd die Köpfe zusammensteckten und der alte Graf sich befriedigt die Hände rieb . Giovanni aber schlich Norina nach und pochte an ihrem Zimmer . Da stand er lange vor ihr , verlegen stotternd , mit einem flehenden Blick , den er auf ihre Züge heftete . Es bedurfte eines langen freundlichen Zuredens , ehe er ein paar zusammenhanglose Worte über die Lippen brachte . » Schon einmal blutete Giovanni für Monna Lavinia , « sagte er und verstummte minutenlang wieder . Plötzlich warf er sich , ihre Knie leidenschaftlich umklammernd , ihr zu Füßen und schrie : » Die Wolken streichen kalt um den Turm von Hochseß , und graue Fledermäuse flattern statt der Vögel , - die Fräuleins aber haben den bösen Blick - « Es durchlief sie ein Zittern . » Sie können bei uns bleiben , Giovanni , « sagte sie , sich sanft aus seiner Umklammerung lösend . » Sie - Sie sagt Monna Lavinia zu dem Seiltänzer - Sie ? ! « Er erhob sich , sah Norina groß an , machte eine linkische Verbeugung und bat mit ganz veränderter ruhiger Stimme : » Verzeihung , Frau Marchesa ! « Dann ging er . Am Nachmittag kehrte Carlo Savelli zurück , schon von weitem durch seinen lachenden Mund verkündend , daß er seinem Ziele nahe sei . » Maud und ich sind einig , «