Ludwig enttäuscht das Blatt aus der Hand . » Was soll mir das ? Der heilige Zeno scheint dem heiligen Peter eine mißvergnügte Woche zu bereiten . Aber wenn zwei Heilige sich an den Haaren ziehen , soll sich ein irdischer Sünder nicht einmischen . Der Himmel ist allein verantwortlich für die Konduite seiner Benedeiten . Ja , ja , ja - daß der Reichenhaller den vorsichtigen Schläfer von Burghausen aufstöbern möchte , ist möglich . Aber was helfen mir Möglichkeiten ? Ich brauche , was sich mit Fäusten greifen läßt . « Der Herzog sah den Brief wieder an . Dann wandte er sich rasch an Lampert . » Wie war das heute ? Mit diesen Harnischreitern ? Die deinen Knecht aus dem Sattel rissen ? - Beruhige dein gutes Herz ! Dein Knecht ist schon gefunden . Ein bißchen Adam , aber sonst gesund ! - Sag mir ! Wie war das ? « Lampert erzählte mit jagenden Worten und führte an , was ihn am Ernst dieser Hetze hatte zweifeln lassen . » Strauchdiebe ? « Herr Ludwig schüttelte den Kopf . » Nein ! - Gleslin ? Was meinst du ? « Der Greis wollte antworten . Da erhoben die zwei Bärenfinder im Prunksaal draußen ein wütendes Gekläff . Der Herzog sagte lachend : » Die wittern , was für ihre Nase nicht lieblich ist . Was mag da kommen ? « Er ging zur Türe . Wolfl trat in die Stube , auf silbernem Teller ein gerolltes Blatt , das grau und zerknittert war . Flüsternd sprach er unter dem Lärm der Hunde zu seinem Herrn , der diese leise Meldung mit halblauten , abgerissenen Worten unterbrach : » Ein Bettelmönch ? - Staatsgeschäfte ? Mit mir ? - Was sagst du ? Verfolgt ? Der auch ? « Er warf einen schnellen Blick auf Gleslin und fragte den Kämmerer laut : » Warum hast du ihn nicht hereingeführt ? « Eine leise Antwort . Und Herr Ludwig sagte lachend : » Wahrhaftig ? So schrecklich ist das ? Dann begreif ich die Hunde . Die lärmen ja wie toll . Geh , Wolfl , entführe den Schmutzfink ihrem Witterungsvermögen ! Meine Badstube bewahre vor ihm ! Schick ihn zu den Grobmägden in die Waschküche ! Da findet er Schmierseife , Bimsstein und etwas Humor dazu . « Als der Kämmerer die Stube verlassen hatte , beugte der Herzog seine Nase mit Vorsicht über das zerknüllte Röllchen . » Ja ! Das riecht sehr schlecht ! Aus dieser Botschaft quillt mir alle dunstende Schwäche der Menschheit entgegen . Wenn die Seele , die in diesem üblen Körper steckt , nicht besser riecht - « Mit achtsam zugreifenden Fingerspitzen entrollte er das graue Blatt . Draußen wurden die Hunde still . Dem Herzog , kaum er zu lesen begonnen hatte , fuhr das Blut in die Stirne . Seine Augen blitzten . Und mit einer Stimme , in der sich Zorn und Jubel mischten , schrie er ins Leere : » O du Laus du ! « Erschrocken trat Gleslin auf Lampert zu und flüsterte : » Ich bitt Euch , Jungherr , verlasset die Stube ! « Er legte den Arm um Lampert , ging mit ihm bis zur Türe , wandte sich und tat einen mühsamen Atemzug . » Gleslin ! « schrie der Herzog . » Lies das ! Lies , lies , lies ! Dieses stinkende Blatt ist drei von meinen Burgen wert ! Lies das ! Ich hab ihn ! Schlecht ist er immer gewesen . Jetzt ist er dumm . Das soll ihm den Hals brechen . « Der Greis hatte die lateinischen Zeilen des Franzikopus Weiß mit raschem Blick überflogen und stammelte : » Herr , laßt Euch warnen ! Das sieht der schlauesten von seinen Listen ähnlicher als einer Dummheit . « » Nein ! Was er da beginnt , liegt außerhalb seiner Schläue . Das kommt aus seiner Habgier . Die macht ihn blind . In Blindheit schwächt er sich . Ein großer Heerhauf unter seinem besten Hauptmann , Kammerbüchsen und Antwerke unter seinem besten Schießmeister - und das alles festgelegt auf Wochen hinaus ! Jetzt hab ich ihn . Jetzt schlag ich los . Trommle die Schreiber zusammen ! Die Briefe an die Meinen müssen fort , noch heut in der Nacht ! « » Herr , gnädigster Herr « , der Greis zitterte und hob die Hände , » ich beschwör Euch , Herr , geduldet Euren Zorn ! Mißtraut dieser Sache ! Er will Euch reizen , Euch überrumpeln . Ihr seid nur halb gerüstet . Das weiß er . Drum lockt er Euch . Kommt zur Besinnung , Herr ! Eure Macht ist ungenügend - « Heftig unterbrach der Herzog die stammelnden Worte des Greises : » Wahr ! Ich bin an Land der schwächste unter Bayerns Fürsten . Man hat meinen Vater und mich bei der Teilung brüderlich bestohlen um Städte und Burgen . Was verschlägt ' s ! An Gehirn bin ich der Reiche . Mein Witz wird ausreichen , um die Vettern nach meinem Willen zu meistern . Die zu München sind deutsche , redliche Biederleut . Also ungefährlich . Und den Landshuter Maulwurf , der mir den Boden untergraben will , zerstampf ich . « » Herr , Herr , wie dürfet Ihr vergessen , daß Ihr dem König geschworen habt , den Frieden zu wahren ? Soll Herr Sigismund Euch wieder den Vorwurf machen , daß Ihr vor bayrischen Stauden den deutschen Wald nicht seht ? « Dieses mahnende Wort hatte eine Wirkung , daß Gleslin erschrak und stumm wurde . » Wer ? Wer bricht den Frieden ? « schrie Herr Ludwig in einem Zorn , der sein Gesicht verzerrte . » Soll ich von meinem eignen Diener hören müssen , daß ich mein Wort nicht halte ? Und wenn es so wäre ? Mein Wort ist mein Wort . Ich richt es auf und brech es