vor mir ein kahler Hügel lag , wollte ich mein Tier verschnaufen lassen , stieg ab und band es an einen Baum . Seltsam war ' s , daß ich ein Brausen vernahm , wie Waldesbrausen , indessen doch kein Wind ging . Auf den Hügel stieg ich nun und nahm mit Staunen wahr , daß vor mir ein endlos Gewässer lag , die See . Wolkenballen schwebten darüber , angeglüht von der Sonne , die zur Linken unterging . Wellen rollten zum Strande und warfen sich rauschend auf den Sand , eine nach der andern . Im Anschauen vergaß ich der Gefahr , die mich soeben bedräuet hatte . Klein war ich vor diesem riesenhaften Wogewesen , und mir fiel bei , was mein seliger Vater gesagt hatte , als ich zum ersten Male das Schlesische Gebirge von ferne sah : » Willst du Gott schauen , so vergiß nicht die Berge , und nicht das Meer . « Doch ich durfte nicht verweilen , weil es galt , meine Eheliebste zu suchen und womöglich noch vor Nacht Rostock zu erreichen . Kehrte also zum Pferde zurück , das sich inzwischen an Gras und Läublein gütlich getan , lobte und streichelte es und schwang mich aufs neue in den Sattel . Ich wollte längs des Strandes zur Warnowmündung reiten und mich von einem Schiffer nach Rostock fahren lassen . Wie ich nun vom Hügel hinunter will , ist da ein Abhang , und ich muß daran entlang reiten , bis sich quer eine Schlucht auftut . Mein Pferd strebt die Schlucht hinunter , stolpert aber und stürzt so unglücklich , daß ich mit dem linken Bein unter seinen Körper komme , vermeinend , das Bein sei mir gebrochen . Das Tier sprang wieder auf , ich aber blieb liegen , da ich das Bein nicht brauchen konnte . Daß mir die Weile nicht lang ward , dafür sorgte mein Gliederweh . Das Pferd stund geduldig in meiner Nähe und wieherte manchmal . Ich wünschte , daß es zu mir käme , weil ich hoffte , mich an ihm aufzurichten und vielleicht gar in den Sattel zu gelangen . Doch wie ich auch lockte und schnalzte , es kam nicht . Schon war der Abendglanz an den Wolken verglommen und die Dämmerung brach herein , als ich eines Mannes gewahr wurde , der am Strande ging . Wie ich um Hilfe schrie , stutzte er , kam dann zögernd näher und rief mir zu : » Wer da ? Schwed oder Kaiserischer ? « Zur Antwort gab ich , daß ich ein Reisender und mit meinem Pferde gestürzt sei . Der Mann , dem Aussehen nach ein Knecht , war anfangs mißtrauisch . Als ich ihm aber guten Lohn für Beistand versprach , holte er mein Pferd , richtete mich auf , daß ich auf mein heiles Bein zu stehen kam , und hub mich in den Sattel . Am Zügel führte er das Pferd über die sandige Düne zu einem Bauernhof , so zwischen Büschen versteckt lag . Bellende Hunde kamen gesprungen , und auf der Schwelle des Wohnhauses erschien ein bärtiger , martialischer Mann , halb wie ein Soldat , halb wie ein Bauer gekleidet . Der Knecht berichtete ihm , wie er mich gefunden habe , und ich bat den Herrn Rittmeister , wie ihn der Knecht nannte , mich aufzunehmen . Da ordnete dieser an , es solle mir in der Scheune ein Lager aus Stroh und Wolldecken bereitet werden . Als man mich darauf gebettet hatte , betastete der Rittmeister mein Bein und sagte , ich habe mir einen Bruch des Knochens zugezogen und werde wohl wochenlang liegen müssen . Mir war nicht anders , als höre ich mein Todesurtel . Denn nun war die Möglichkeit , Thekla wiederzufinden , völlig dahin , und ohne meine Liebste deuchte mich die Welt ein leeres Nichts . Die Trauer machte mich so schweigsam , daß mein Wirt auf seine Fragen nur einen kargen und wirren Bescheid erhielt . Das hinderte ihn nicht , meine geschwollenen Gelenke mit nassen Linnen zu kühlen und den Bruch mit einer festen Hülle zu umgeben , wobei er äußerte , als alter Soldat habe er dem Feldscher etliches von seiner Kunst abgesehen . Wenig Schlummer fand ich , unaufhörlich raunete mir die Sorge zu , wie Thekla weiter und weiter entführt , und ihre Spur immer mehr verwischt werde . In meiner Hilflosigkeit schluchzete ich , daß mein Wirt es im Hause hörte . Er kam , schalt gutmütig und sagte , ich solle ihm offenbaren , was mich bekümmere . Da er alsdann meine Geschichte vernommen , war er gerührt und erbot sich , sofort nach dem Schwäher der Frau Zetteritz in Rostock zu forschen . Ferner tat er mir wohl , indem er mich aus der Scheune ins Wohnhaus bringen ließ und mir ein Gemach einräumte . Hier lernte ich die Frau Rittmeister kennen , ein großes , starkes Weib . Sie labte mich mit Trank und Speise , hörte teilnehmend meine Geschichte und gab mir den Trost , ich werde schließlich doch noch meine Eheliebste ausfindig machen ; das Leben werde man ihr ja nicht gleich nehmen , ich müsse nur Geduld haben . Andern Tages tat mein Wirt die Reise nach Rostock und blieb eine ganze Woche aus . Doch keine frohe Kunde brachte er heim , nichts wußte man in Rostock , nichts auf den umliegenden Höfen von einem Schwäher der Frau Zetteritz und einem kaiserlichen Offizier dieses Namens . So war ich denn darauf angewiesen , der Frau Rittmeister Mahnung zur Geduld zu beherzigen . Eine seltsame Kurzweil ward mir in den Monden meiner Krankheit . Nach all der erlittenen Trübsal schien der Himmel mich aufheitern zu wollen , indem er etwas zum Lachen auftischte . Der Rittmeister , Schulte mit Namen , und sein Weib zeigten oft ein wunderlich Gebaren . Im polnischen Kriege hatte er Dienste getan und sein Weib geehelicht , das Marketenderin