und die den heimlichen Ton einer tiefen , leidenschaftlichen Andacht hineinzutragen schienen in die Stille und unter die Überfülle kostbarer , alter Bücherreihen an den hohen Wänden . Auch auf einzelne silberne Plaketten , die an dem blanken , braunen Eichengetäfel zwischen den mächtigen Pergamentrücken alter Handschriften angebracht waren , wies ihn die alte Dame sorglich hin . Alles war für Einhart nur ein erster Hauch von einem eigenen , selbstsicheren Leben in Macht und Schönheit . Man war dabei schon wieder auf den steinernen Altan hinausgelangt , um den Blick über purpurrote Beetornamente hinüber auf eine weite Wiesenfläche des Parkes zu tun . Bei Tafel saß man in einem lichten , geräumigen Saale , dessen Deckengewölbe und Wände nur ebenfalls ganz in Weiß mit leicht erhabenen , freien Blumengewinden verziert waren . Einhart hatte seinen Platz neben der Herrin des Schlosses . Sie zeichnete ihn aus , wo sie konnte . Einige junge Komtessen , die in helle Seiden gekleidet , warfen dann und wann prüfende Blicke auf den neu angekommenen , zigeunerischen Meister Einhart , der an dem ersten Tage nur zu den schelmischen Worten seiner lustigen , graugescheitelten Nachbarin und oft auch zu den Bemerkungen einer alten , gebrechlichen Exzellenz , eines Grundherrn der Nachbarschaft , der hier zu Besuch war , herzlich lächelte . Sonst bequemte sich Einhart gar nicht , aus seiner Stille herauszugehen . Graf Karol , ein junger Abgeordneter , » einer der kühnsten Fahrer und Reiter im Lande « , wie die alte Gräfin Einhart zugeflüstert , hatte es ein paarmal versucht , Einhart aus seiner Stummheit herauszulocken . Auch Komtesse Helena , eine sehr muntere , junge Verwandte der Gräfin Schleh , die sehr große und sehr blaue Augen hatte , und eine leichtwogende Stimme , die auch unsäglich melodiös kicherte , hatte die Rede , die Graf Karol über die Kunst begonnen , fortzusetzen versucht . Nichts war gelungen . Einhart war nun einmal unerwecklich geblieben , erfüllt von der köstlichen Reine und Kühle des Raumes . Er schmeckte und fühlte heimlich die atemlose Stille , mit der die reiche Dienerschaft in bunter Livree lautlos tätig um die Tafelnden umging . Sein lächelnder Blick ging zuweilen achtlos um den oder jenen , der am Tische saß . Einhart fühlte den Sonnenschein durch die hohen Bogenfenster über die vollen Purpurblumen hereingleiten , die in üppiger Silberschale mitten auf dem weißen Tafeltuch ragten , sah das süße Licht über köstliche Spitzen und Seiden und Federflaume , über junge , heitere Köpfe und zarte Schultern fließen und in den Kelchen und Schalen glutrot und weingolden funkeln und blinken . Das alles war Meister Einhart einstweilen Ereignis genug , erfüllt und stumm zu sein . Das Gespräch an der Tafel war schließlich über Einhart hinweggegangen . Man hatte von dem Bau einer Eisenbahn geredet , die für die Landschaft in Aussicht genommen . Und Graf Karol erörterte dann mit dem alten Burgherrn hin und her Vermutungen , die sie über die Besetzung einiger freigewordener , hoher Regierungsstellen wechselseitig hegten . Nur einmal war plötzlich tiefe Ruhe eingetreten . Das war , als die Diener das Wildgeflügel hereintrugen , und der alte , gebrechliche Burgherr , die Exzellenz , dazu ausdrücklich bemerkt hatte , daß ein alter Mann immer beim Essen sehr sorgfältig verfahren , aber daß er » beiläufig « beim Wildgeflügel um jeden Preis schweigen müsse . Es war darnach wirklich eine tiefe Schweigsamkeit eingebrochen . Daß man die sorglichen Tritte der Diener leise gehört und dann ebenso schnell allgemein in ein herzliches Gelächter ausgebrochen war . Und ein jeder an der Tafel hatte dann und wann und auch dabei den Meister Einhart flüchtig und verstohlen angesehen . Als man nach Tisch auf den Terrassenvorsprung hinausgetreten , waren alle voll Güte gegen Einhart . Einhart trug ein volles Festgefühl in sich . Man stand an eines Marmorschlosses besonnter , weißer Terrasse . Frische , bunte Blumengewinde hingen um die steinerne Brüstung und von den Pfeilern nieder . Die jungen , lieblichen Mädchen reichten in köstlichen Schalen den Tee . Komtesse Helena bediente Einhart , trug ihm selbst die silbernen Tabletten mit feinen Gebäcken zu und lächelte ihm zu mit Anmut . Weithin in Sonne lag das Grün der Wiesen , ragten die uralten Pappelwipfel und warfen Riesenschatten in die Runde . Man saß bald unter den großen Schirmen , indes man den Tee einsog , die Sonne warm und stumm glühte , und der blaue Zigarettenduft sich träge in die Sonnenluft einspann . Dann rollten Wagen auf dem schattigen Parkwege her . Es gab eine verhaltene Bewegung unter denen , die am Tische saßen . Dann ein sanftes Begrüßen in die Ferne . Die Jungen alle hatten sich erhoben und liefen vor die Schloßfront . Einhart mit der alten Gräfin und die gebrechliche Exzellenz , die sich im Lehnstuhl zurückbog und sich nicht rührte , waren allein sitzengeblieben . » Meine geliebte Nichte , « erklärte gleich die alte Gräfin . » Sie wohnen in unserer nächsten Nachbarschaft . Komtesse Josepha Renauld , des alten Landmarschalls Renauld einzige Tochter , « sagte sie . Dann nahm sie vollends eine sanfte Kummermiene an . » Oh , Meister Selle ! Sie bringt eine sehr liebe , sehr traurige Frau mit . Verena von der Trau . Denken Sie ! Diese junge Frau ist kaum dreiundzwanzig Jahre alt und trägt schon an der sonderbarsten Schickung . Sie hat auf unbegreifliche Weise ihren Mann verloren . Mitten aus der glücklichsten Ehe . Was sage ich ? Sie lebten wie Kinder . Denken Sie ! Durch Selbstmord ! Man wird es nie erklären können . Verena ist aus ihrem Erstaunen gar nicht mehr aufzuwecken . Sie sang früher wunderbar . Reich und fromm klang die Stimme . Sie hatte immer etwas Seliges im Laut . Und doch auch herb wieder wie der erste Frühlingswind . Oh , sie denkt gar nicht mehr an dergleichen . Sie lebt schon mehr als zwei Jahre nur so hin in Meditationen