daß ein südamerikanischer Indianerstamm sich seiner mit den gleichen Absichten bediene , indem die Leute die Geister ihrer Vorfahren sehen oder zu sehen glauben ; denn eben inwieweit hier eine wunderliche physiologische Wirkung oder wirkliches Hereinragen andrer Welten stattfindet , das sei zu untersuchen . Karl ging mit jener gewissen schauerlichen Freude auf den Vorschlag ein , die wir alle in solchen Fällen empfinden mögen ; und nachdem Roch auf seinem Zimmer die Vorbereitungen getroffen , lud er nun Karl an einem Abend zu sich . Sein Zimmer war ein sonderbarer Raum , der ganz hoch oben in einem Hause lag , das nur von Arbeitern , und zwar recht geringen , bewohnt war . Auf den Treppen spürte man einen namenlos scheußlichen Geruch , den erklärten die vier und fünf Namenszettel übereinander an den Korridortüren , indem sie zeigten , wie dicht die elenden Stuben bewohnt sein mochten durch allerhand Schlafburschen und sonstige ärmliche Leute . Von einem solchen Korridor ging es auch in Rochs Zimmer , das war etwa drei Meter lang und zwei Meter breit , so daß schon das Eintreten schwierig war , weil die Tür auch nach innen ging , und man sich neben dem Bett durchdrängen mußte . An den Wänden hingen sehr viele Vogelbauer , in denen Waldvögel auf Sprossen schliefen . Außer dem Bett standen nur noch eine alte Kommode und zwei Stühle in dem Kämmerchen , das in der Tat für weitere Möbelstücke keinen Raum aufgewiesen hätte . Nach einer verlegenen Bemerkung über die Dürftigkeit seiner Wohnung wies Roch auf die Kommode , wo bereits eine flache Schale mit dem Pulver neben einer Spirituslampe bereit stand . Die Vorschrift des alten Zauberbuches lautete , nach Abzug von allerhand Geheimniskrämerei , daß man vorher lebhaft an die Person denken solle , deren Geist man zu sehen wünsche , wobei es gleich war , ob man einen Lebenden oder Toten haben wollte , und daß man die Erscheinung weder anrede noch sich ihr nähere , weil sonst ein großes Unglück geschehen könne , denn es seien Beschwörer von den erzürnten Geistern erdrosselt worden . Nachdem sich die beiden fest versprochen hatten , daß sie dieses erste Mal die Vorschrift genau befolgen wollten , zündete Roch die Spirituslampe an , welche in dem sonst dunkeln Zimmer mit blauem und flackerndem Flämmchen brannte , und dann streute er etwas von seinem Pulver auf . Eine lange Weile warteten die beiden , indes das blaue Flämmchen hüpfte und wie unentschlossen zuweilen ganz vergehen wollte . Aber es ereignete sich nichts Auffälliges ; nur war zuweilen ein Knistern hörbar , wahrscheinlich wenn ein Körnchen von dem Räucherwerk verbrannte ; merkwürdig laut schien den beiden dieses Knistern . Aus dem engen Hofe schallte in die Höhe , und war verstärkt durch die eng zusammenstehenden Wände der Häuser , das Brüllen eines Betrunkenen ; nach einer Zeit , die den beiden wohl eine halbe Stunde schien , mischte sich in das Brüllen das Schreien und Jammern seiner Frau , der hatte er heimlich das Geld fortgenommen , das sie durch Scheuern verdiente , und sie konnte den Kindern nichts zu essen geben . Roch und Karl dachten fast nur an den Vorgang , der sich da unten im Hofe abspielte , aber sie hielten sich doch noch immer ruhig . Plötzlich hob sich das blaue Flämmchen und erlosch . Nun zeigte sich , daß der Lichtschein vom Hofe her eine ganz schwache Helligkeit ins Zimmer verbreitete , so daß nicht gänzliche Dunkelheit war . Ein schwerer Rauch legte sich den beiden auf die Brust , und die Stimmen auf dem Hofe schienen sich in immer weitere Entfernung zurückzuziehen , indessen die Vögel in den Käfigen mit einem Male in seltsamer Weise flatterten und sich geängstigt zeigten . Plötzlich war es aus der Erde gestiegen wie eine graue Gestalt ; dann schwebte es langschleppend in der Luft , in der Entfernung von den beiden , die sie vorher auf dem Boden bezeichnet hatten . Nachdem erhob sich aus dem Boden ein zweites Wesen , gekrümmt stieg es von unten auf und mit Anstrengung . Nach einer Weile schwebte es ebenso langschleppend . Aber ganz undeutlich war das alles , das waren Schatten ohne Wunsch und Gesicht . Langsam schwebten sie . Eine lange , lange Zeit währte das ; aber es war nicht klar , ob Stunden dahinflossen oder Minuten . Da wurde langsam deutlich der ersten Gestalt Gesicht und Wesen und rann zusammen zu der Figur Luisens . Gramvoll sah sie aus , und in ihren Augen ruhten schwere Leiden , die keine Form annahmen . Eine heftige Liebe und tiefes Mitleiden wallten auf in Karls Herzen , er hatte den Willen , auf den Schimmer zu eilen und dieses schwermütige Gesicht an seine Brust zu drücken . Aber indem erzitterte schon das schwanke Wesen wie ein Bild im Wasser , das plötzlich bewegt wird durch eine Blüte , die von einem überhängenden Baume leise herabfällt auf den glatten Spiegel . So bezwang er sich und hielt still , und langsam glättete sich wieder das Wesen und ward ruhig . Derart verharrte alles eine lange Weile in atemlosem Schweigen ; da geschah etwas in der andern Figur , die bis dahin noch unbestimmt gewesen , denn eilfertig schoß es in ihr hin und her , ballte sich und trennte sich wieder ; aber die Züge wurden fester und schärfer , und schon hatte Karl eine heimliche Angst , daß ihm Johanna erscheinen werde ; da tauchten in dem leeren Gesicht auf die Linien von Johanna , und es erschienen willensstarke Augen , und ein auf Böses gerichteter Blick wurde klar , und haßerfülltes Gesicht . Bis ins Innerste erschauerte Karl vor Entsetzen , denn alles Furchtbare , dessen dieses Weib vielleicht einmal fähig war , hatte seine Äußerung in diesem Gesicht gefunden , in den Linien sowohl wie im Ausdruck . Wenn im Leben solche Gesichter wären , so würden alle Menschen Furcht haben voreinander , weil solches Aussehen