ihn lächelnd . Die Spannung unter den Zuschauern hatte einen hohen Grad erreicht . Die Sympathien der meisten waren auf seiten der gräflichen Beamten . Der Rendant bot noch einmal mit zitternder Stimme . Die Schulden waren mit seinem Gebote um hundert Mark überschritten . » Noch Fünfzig ! « rief Harrassowitz und sah den Gegner herausfordernd an . Es entstand eine Pause . Der Richter sah nach - der Uhr . » Wenn keine weiteren Gebote abgegeben werden , schließe ich die Subhastation . « Kein weiteres Gebot erfolgte . » Demnach ist Herr Samuel Harrassowitz Meistbietender geblieben . Ich frage , ob Einwendungen gegen Erteilung des Zuschlages an Harrassowitz erhoben werden ? - Einwendungen werden nicht erhoben ! - Die Erteilung des Zuschlages wird morgen um elf Uhr verkündet werden . « VIII. Während in der Stadt sein Gut versteigert wurde , pflügte der Büttnerbauer seinen Acker . Schon bei frühestem Morgengrauen hatte er die Ochsen aus dem Stalle gezogen , hatte sie vor den Pflug gespannt und war hinausgefahren bis dorthin , wo Wald und Felder grenzten . Die Bäuerin war seit einer Woche bettlägerig . Toni hatte mit dem Säugling zu tun . Auf Theresens Schultern lastete , seitdem die Sachsengänger das Dorf verlassen hatten , ganz allein die Sorge um das Hauswesen . Der Bauer wollte heute das Büschelgewende beackern . Dem verwilderten Schlage - gleichsam das Stiefkind des Gutes - galt doch im Grunde seine eifrigste Sorge . Der Gedanke , daß ein Teil seines Besitzes vernachlässigt und unbenutzt daliege , ließ ihm keine Ruhe , quälte ihn wie einen Kranken die offene Wunde . Den Schlag mußte er wieder urbar machen , noch in diesem Sommer . Hafer wollte er darauf säen , als die wenigst anspruchsvolle Frucht . Vor der Aussaat aber sollte der Boden noch einige Male mit Pflug und Egge um und um gewendet werden . Es wollte ein wundervoller Frühjahrstag werden . Der Boden dampfte von dem warmen Regen , der in der Nacht niedergegangen war . Laue Fruchtbarkeit schwebte greifbar über der Scholle . Überall drängte und sproßte junges Leben zum Tage empor . Die Wiesen waren bereits mit dem ersten verschämten Grün beschlagen . Die Wintersaaten standen dicht und üppig , in vielverheißendem , saftigem Dunkelgrün . Mit dem Pflügen ging es langsam genug vorwärts in dem zähen Lehm , der seit Jahren keine Pflugschar gefühlt hatte . Brombeerranken und andere Schmarotzer des verwilderten Landes bedeckten die magere Ackerkrume und wichen nur ungern dem Pfluge . Kiesel und Feldsteine stemmten sich gegen die Schar . Und dazu ein Paar träge Ochsen vorgespannt ! Die Zeiten , wo er Pferde im Stalle gehabt , waren für den Büttnerbauer vorbei . Der alte Mann fluchte nicht , trotz der Langsamkeit der Tiere . Sein Trotz war stumm . Mit zusammengebissenen Zähnen blickte er starr geradeaus über die Rücken der Ochsen . Die Hand am Sterz , in der Linken Leine und Peitsche , so schritt er hinter dem Pfluge . Wenn er die Lippen öffnete , dann war es höchstens zu einem » Hüü « oder » Hoo « . An der Anewand angelangt , hielt er die Ochsen durch einen Ruck der Leine an , hob den Pflug aus , wendete ihn und fuhr eine neue Furche an , genaue Richtung haltend . Er pflügte noch wie ein Jüngling , mit starker Hand und scharfem Augenmaße . Die Sonne rückte höher . Der Dampf über den Auen hatte sich verflüchtigt . Klar lag jetzt Halbenau unter ihm , das er von seinem erhöhten Stande überblicken konnte , Haus für Haus , bis hinab zur Kirche . Schon begannen sich die Fruchtbäume hie und da zu schmücken mit weißen Perücken . In langen , schmalen Streifen zogen sich die Güter der Bauern , Halbhufner und Gärtner vom Dorfe nach dem Walde zu , vielfach durch Raine und Gräben in viereckige Stücken und Streifen zerlegt , in vielen Farben leuchtend , bald braun , bald grün , bald gelblich oder gräulich , je nach der Frucht und der Bodenart . Ein scheckiges Bild , wie ein Stück Zeug mit vielen Flicken darauf . Und am Feldrande ein Kranz von Niederwald , der lichtgrün und lila schimmerte , mit seinen hellen Stämmchen von Birke und Erle . Dahinter der Kiefernwald , im männlichen Ernste seines dunklen Nadelkleides . Und darüber hin der Frühjahrshimmel , mit einzelnen schwimmenden Wolken von milchweißer Farbe . Der Büttnerbauer sah nichts von der Schönheit , die sich rings um ihn breitete . Sechzigmal war er Zeuge geworden des Frühjahrswunders . Sechzigmal hatte sich für ihn die Flur geschmückt mit gleicher Pracht . Er war kein empfindlicher Naturschwärmer ; dafür gab es in seiner trocknen Bauernnatur keinen Raum . Frühjahr , das bedeutete für ihn : Erwachen aus der kalten , finsteren , öden Winterszeit , zum sonnigen , klaren , milden Sommer ; wo man nicht länger gezwungen war , mit müßigen Händen im Zimmer zu hocken , wo man hinaus durfte auf den geliebten Acker , die Zeit , da man die Glieder in emsiger Arbeit rührte , wo man aber auch die Früchte seiner Arbeit sehen durfte , wie sie heranwuchsen und gediehen , der Ernte entgegen . Auch in diesem Frühjahr schien die Sonne warm und belebend . Sie wärmte auch die Glieder des Alten und brachte sein Blut in schnellere Strömung . Das Neuwerden in der Natur rief selbst in seinem verbrauchten Körper eine Steigerung aller Kräfte , eine unbewußte Spannung der Lebensenergie hervor . Aber es war diesmal anders als sonst . Etwas war erstorben in dem alten Manne , lag wie mit Eis und Schnee des Winters zugedeckt , war nicht grün geworden mit dem Erwachen des Frühlings ringsum : die Hoffnung . Es hatte seinen guten Grund , warum er die Zähne so fest zusammengepreßt hatte , und die Augen so starr geradeaus gerichtet hielt zwischen die Köpfe seiner Tiere . Hätte er die Blicke hinabschweifen lassen über Felder