. Ich fürchte mich vor jedem Löffel Medizin . Aber eine Doppellimonade , das mag gehen . Und wie ist es mit der Diät , Doktorchen ? « » Nicht zu streng . Sagen wir ein Biskuit und etwas gestowtes Obst . « » Nicht auch frisches ? « » Allenfalls auch frisches . Aber mit Auswahl . Etwa einen mürben Gravensteiner oder eine Kalville . « » Danke , danke . Die lieb ich gerade sehr . Und darf ich mir auch etwas vorplaudern lassen ? Von Maline ? « » Gut , gut . « » Oder von Tante Schorlemmer ? « » Noch besser . Sie wird , denk ich , mehr kalmieren als irritieren . Und das ist genau , was wir brauchen . « Damit empfahl sich Doktor Leist und versprach , am andern Tage wiederzukommen . Der Alte war kaum fort , als Renate Malinen heranwinkte . » Nun nimm eine Fußbank und setze dich zu mir ; hier dicht an mein Bett . Wir haben ja des Doktors Erlaubnis . Und nun gib mir deine Hand . Ach , wie schön kühl du bist . Wenn ich nur eine ruhige Nacht hätte ! Aber ich habe immer Bilder vor den Augen . « » Das ist das Fieber . « » Ja , das Fieber . Und das quält mich , daß ich den Anblick der armen Frau nicht loswerden kann . « » Welcher Frau ? « » Die sie heute mittag auf dem Rohrwerder mit aufgespürt haben . Lewin sagte mir , daß kein rohes Wort , nicht einmal eine Klage über ihre Lippen gekommen sei . « » Aber , Fräulein , es ist ja eine Diebin . Und keiner weiß , wem sie zugehört . Krist sagte mir : sie hat zwei Männer oder keinen . Und das ist doch schlimm , das eine wie das andere . « » Ich habe doch Mitleid mit ihr , und so recht eigentlich schlecht kann sie nicht sein ; denn sieh , sie hat nicht an sich gedacht , sondern erst an ihr Kind und hat es in einen kleinen Schlittenkasten gepackt und es mit sich genommen . Und nun seh ich immer die lange Frankfurter Pappelallee vor mir , die kein Ende nimmt und weit , weit am Horizonte zu einem Punkte zusammenläuft . Und zwischen den Pappeln geht die Frau und zieht den Schlittenkasten , in dem das Kind sitzt , und wenn sie aufwärts , abwärts an den Punkt kommt , wo die Pappeln ein Ende zu nehmen schienen , dann tut sich eine neue Allee auf , die noch länger ist und wieder in einem Punkte zusammenläuft . Und die Frau wird immer matter und müder . Es peinigt mich . Ich wollte , daß ich das Bild loswerden könnte . « » Krull und Reetzke sind ja gute Leute und werden ihr nicht mehr auflegen , als sie tragen kann . « » Es sind Bauern , und Bauern sind hart und taub . Ich wollte , der junge Scharwenka hätte den Transport übernommen . Der ist schon anders und läßt mit sich reden . « » Der ? « fragte Maline . » Ja , der . Und du mußt dich nicht gleich verfärben , wenn ich bloß seinen Namen nenne . Er hat mit Lewin gesprochen und ihm seine Not geklagt . « » Er verklagt mich überall . « » Das sagt er auch von dir . Und nun höre mich an , Maline , und wirf nicht den Kopf . Wir waren immer gute Freunde ; so laß dir raten und sei nicht eigensinnig . « Aber ehe Renate weitersprechen konnte , barg Maline den Kopf in ihrer Herrin Bettkissen und fing heftig an zu schluchzen . » Und nun wirst du gar noch weinen ! Aber weine nur . Es ist das erste Zugeständnis , daß du unrecht hast und daß der kleine Trotzkopf es nur noch nicht eingestehen will . « » Er hat mir meine Armut vorgeworfen . « » Nein , das hat er nicht . Er hat dir deinen Hochmut vorgeworfen . Und da hat er recht . Und er hat auch recht in allem , was er von euch Kubalkoschen Mädchen sagt . Das ist ein ewiges Nasenrümpfen und Vornehmtun von dir und der kleinen Eve drüben , und das lassen sich die Bauern nicht gefallen . Ihr wollt beide wie Stadtmädchen sein . « Maline nickte . » Und was hättest du denn in der großen Stadt ? Ein bißchen Putz und ein paar Anbeter mehr . Aber was käme für dich dabei heraus ? Ein städtisches Elend und eine Stabstrompeter oder Kassenbotenfrau . Nein , Maline , bleib in Hohen-Vietz ; es ist ein Glück , das du machst ; sind doch die Scharwenkas die reichsten Leute im Dorf , und nicht die schlechtesten . Und er liebt dich und kann nicht von dir los , trotzdem er eigentlich möchte . Und siehe , das ist so recht die Liebe , wie ich sie mir auch immer gewünscht habe , daß man einen vor Ärger umbringen und zugleich vor Sehnsucht totküssen möchte . « » Wie gut Fräulein Renate das alles beschreiben können . Aber er muß kommen . « » Nein , du mußt kommen . « Maline seufzte . Dann aber plötzlich bedeckte sie Renatens Hand mit Küssen , und aufatmend , als ob eine große Last von ihr genommen wäre , sagte sie : » Wie leicht mir wieder ums Herz ist ! Ach , Fräulein , Fräulein , er ist ja doch der beste Mensch von der Welt . Und es ist auch hübsch von ihm , daß er sich nicht alles gefallen läßt . Ein Mann muß doch ein Mann sein . Und eigentlich kann ich ihn ja doch um den Finger wickeln . « Es schlug sieben , und Maline erhob sich , um der Kranken ihre Medizin