den im letzten Lebensstadium geführten Büchern kodizillarisch vervollständigt , erwies sich noch umfänglicher , als man erwartet hatte . Eine erhebliche Barsumme , wie auch das Dresdener Haus fielen musikalischen Bildungszwecken zu . An einem Erardschen Flügel , der in jenem Hause zurückgeblieben war , sollte Pastor Blümel in alten Tagen sich von Töchtern oder Enkelinnen sein Abendlied vorsingen lassen ; sämtliche römischen Instrumente und Noten , mit Ausnahme der seligen Harfe , erhielt Sidonie . Die Dienerschaft , etliche verarmte Künstler und andere bisher Unterstützte waren mit Legaten und Renten bedacht ; ein eisernes Kapital für die Witwen und hinterlassenen ledigen Töchter der Werbenschen Pfarrer und Schullehrer , ein anderes zu baulichen und wohltätigen Gemeindezwecken niedergelegt . Die Verfügung über beide Stiftungen wurde nach freiem Ermessen dem Ortspfarrer überlassen , insofern und solange als der gegenwärtige Herr Konstantin Blümel oder , als dessen Nachfolger , sein Pflegesohn Dezimus Frey in diesem Amte standen . Bei anderweitiger Besetzung fiel die Verwaltung der Gutsherrschaft unter gerichtlicher Kontrolle anheim . Mit diesem Ehrenamte war Dezimus Frey aber längst noch nicht abgefunden ; denn nachdem der dreijährige Genuß des auf Werben ruhenden theologischen Stipendiums dem ersten studierenden Hirtensohne der Gemeinde noch einmal ausdrücklich stipuliert worden war , folgte nachstehender Passus : » Da es mir einleuchtend ist , daß besagter Dezimus Frey sich leichter am sichtbaren Himmelszelt als im unsichtbaren Himmelreich umtun lernen wird , vermache ich ihm die Summe von zweitausend Talern . Und zwar soll ihm selbige ausgezahlt werden : vor dem Universitätsbesuch , falls er sich von Haus aus für das Studium der Astronomie entschließt , demnach des Stipendiums verlustig geht ; oder nach Genuß des Stipendiums , um bei gereifter Erfahrung die Freiheit zu haben , sich in angemessener Sphäre , wenn auch nur als Nebenzweck , weiterzubilden . Wie ich es denn in keiner Weise verwerflich finden würde , wenn man in jedem Pfarrhause ein Observatorium errichtete , zum Merkmal , daß die Welt sich dreht . « » Der Dezem ist aber doch ein Glücksvogel ! « rief Röschen den alten Freund unterbrechend aus . » Und er kennt nicht einmal eine Note , singt und spielt bloß aus dem Kopf ! An mich hätte die alte Harfenkönigin doch auch ein bißchen denken können . Ich mache meine Sache doch ganz anders wie der Dezem . « » Ei nun , Kindchen , sie hat ja eventuell auch an Sie gedacht , « tröstete der Rat . » An mich ? Ich werde doch wahrhaftig keine alte Jungfer werden ! Und vor der Pfarrerwitwe in Werben wird der liebe Herrgott mich doch hoffentlich auch bewahren ! « » Aber bedenken Sie doch , das schöne Instrument ! « » Das ist auch wahr ! Und am Ende , was dem Dezem gehört , ist ja auch so gut wie mein . « » Nun sehen Sie wohl ! Da können Sie sich auch noch eine faustdicke , goldene Repetieruhr an den Gürtel hängen , die gleicherweise Ihrem Dezem testiert worden ist . Ein Erbstück von Vaterseite , das in der Hand des Hutmannssohnes wiederum ein Erbstück werden und an den Wandel der Geschlechter mahnen soll . « » Schönen Dank , gnädige Dame ! « rief Röschen mit einem Knix und einer Kußhand , die sie gen Himmel warf . » Aber was hat denn nun eigentlich der schöne Herr Max ? « » Der schöne Herr Max , ei nun , der hat das Nachsehen , Kindchen - - « » Schändlich , empörend ! - - « » Nach meiner unmaßgeblichen Meinung keineswegs ! Im übrigen teilt er diesen Blick in das Leere mit diversen anderen ebenso würdigen Expektanten . Nicht ein einziger Familienname ist in dem Schriftstück als Erbe aufgeführt . Keinem zuliebe und manchem zuleide ist eine Ausnahme gemacht worden . « » Aber ums Himmels willen , wer kriegt denn da das Gut ? « » Nur gelassen , Herzchen . Das dicke Ende kommt allemal nach . Die trauernde Sippschaft im Ahnensaal ist auf eine weit längere Geduldsprobe gestellt worden als Sie , und die Sentenzpillen , die sie derweile hinunterwürgen mußte , werden ihr schwer genug im Magen gelegen haben . Nachdem also über jeden Batzen und Fetzen verfügt worden war , hieß es zu guter Letzt ungefähr so : Die Unsterblichkeit meines übernatürlichen Menschen würde mir wünschenswert sein , ist aber bezweifelbar . Unbezweifelbar dahingegen ist die natürliche Torheit oder törichte Natürlichkeit jedwedes Menschen , auf dieser wandelbaren Erdenstätte längstmöglich eine unwandelbare Spur zu hinterlassen . Auch ich bekenne mich dieser Torheit schuldig . Da ich jedoch mit leiblicher Nachkommenschaft Gott sei Dank nicht gesegnet bin , und da die Kunst , die zu hegen mir gegeben war , leider eine ist , die verfliegt wie die Blume des Weines , bleibt mir gleich dem ersten besten alten Bauer nur ein Stück unbeweglicher Scholle , um ihr ein Merkzeichen einzuprägen von dem alten Geschlecht , das auf ihr erwachsen ist und , bis auf etliche fremde Pfropfreiser , mit meiner Person erlischt . Vor zwei Jahrhunderten hatte der von der Werbensche Grundbesitz durch die geschickte und gefüllte Hand einer Frau sich zu einem der umfänglichsten in sächsischen Landen ausgedehnt . In dem Erbe von Mann auf Mann zerbröckelte er , um schließlich in dem Erbe von Mann auf Weib ein Nichts zu werden . Einer ledigen alten Frau , der letzten , die den Namen trägt , war es gegönnt , seinen Grundstock als käufliche Ware wieder in ihre Hand zu bringen . Um diesen vor nochmaliger Zertrümmerung zu bewahren , befestigt sie ihn zu einem Kunkellehn , und um durch die Zersplitterung der Einkünfte sein verblichenes Ansehen nicht noch weiter verbleichen zu lassen , stiftet sie ein weibliches Seniorat . « » Den blitzartigen Eindruck dieser letzten Worte , « schaltete der Rat lachend ein , » das Aufflackern des leichenhaften alten Herrn wie unter einem galvanischen Strom , das grimmige Lächeln des jungen Doktors , die Grimasse