der vorwitzig ' Mann , und die Eva haben gehabt kein Röcklein nit an - die tät ' das Feuer wohl saggrisch beißen . Das Paradies ist ihnen schon lang ' verheißen , und durch die Leidensnot und den bittern Tod tät ' s ihnen jetzt Christus erlauben . - So hat mir ' s der recht ' Schächer erzählt , dem linken tät ' ich ' s nit glauben . « » Nu , Rüpel , « sagen die Leut ' , » wenn du sonst nichts mehr weißt , so bist auch grad kein heiliger Geist . « Unbekümmert um diesen Spott , fährt der Alte fort : » Am heutigen Morgen sind unsere lieben Frauen zum Felsengrab gegangen schauen . Ist ein Junggesell gesessen auf dem Stein ; die Magdalena gucket schon vorwitzig drein , kreiselt ihr güldenes Lockenhaar fein und denkt : wie alt mag er sein ? - Mit Verlaub , schöne Frauen , der liebe Herr Jesus ist nit hie , der ist auferstanden schon in allerfrüh ! Da haben die Frauen für die fröhliche Mär ein Trinkgeld wollen geben Gott zu Ehr ; aber der Junggesell ist gelaufen zum Himmel hinein ; ich tät ' s auch - täten mich tragen meine alten Bein ' . « Wieder schweigt der alte Rüpel . Da aber keiner die Anspielung auf ein Trinkgeld verstanden hat , so fährt er fort : » Der Herr Jesus geht spazieren im Wald , tät ' sich ausruhen von bitteren Leiden ; ein Hirtenknab ' steht auf stiller Heid , der tät ' weiße Schäflein weiden . Tät ' weiden die Schäflein und weinen dabei , gar bitterlich , bitterlich weinen . Da fragt ihn Herr Jesus : was weinst du mein Kind , es tut ja die Sonnen scheinen ! - Ja freilich , sie scheint auf den Rasen grün , der mir meinen Vater tut decken ; und der Heiland ist gestern am Kreuze gestorben , wer wird mir den Vater wecken ? - Da spricht der liebe Herr Jesus : » Mein Kind ! siehst du die Felsen beben ? Der Herr ist erstanden , wird wecken dereinst die Toten zum ewigen Leben . « Der alte Mann schweigt und starrt in die Flamme . Sein Haar und Bart ist im Scheine des nächtlichen Feuers rot wie Alpenglühen . Und der Schein des Feuers fällt in Bändern hin durch das Gestämme auf die frischen Gräber des nahen Kirchhofes . Eine schwere Stille ruht über der Versammlung ; als erwarte sie schon diese Osternacht die Auferstehung der Toten . Da richtet sich jählings der Kopf des Alten wieder auf , anmutig zart gleiten seine Finger über die Saiten aus Stroh ; wie Schalkheit zuckt es in seinen Zügen , und als wollte er seine frühere Rede ergänzen , sagt er mit fast kecker Stimme : » Der Hirtenknab ' , der junge Tropf , schüttelt ungläubig seinen großen Kopf . Da langt ihm der Herr die Hand hin zumal , und weist ihm sein heiliges Wundenmal ; just so fürwahr , und das Wundmal ist groß , wie ein Groschenstück gar ... « Überzeugend genug streckt der Greis die hohle Hand aus , und mancher legt richtig ein » Wundmal « hinein - einen guten Pfennig oder ein Groschenstück . Ich hätte ihm diesmal nichts geschenkt . Was hat er denn so fromme Sprüchlein zu singen , wenn er sie nachher allemal wieder mit einem losen Frevel zerstört ! - Der Alte bedankt sich für die kleinen Gaben , dann ist er im Walde verschwunden . Man wundert sich , daß er neuerdings wieder so lebendig wird . Der Grassteiger hat den armen Mann suchen lassen , um ihn für die Ostern an seinen Tisch zu führen . Der Rüpel ist nicht gefunden worden . So geht ' s immer tiefer in die Nacht ; zum großen Glück eine recht laue Nacht , denn keiner , auch von den erst Genesenen , keiner ist zu bewegen gewesen , nach Hause zu gehen . Der Stand eines Sternbildes weist die Mitternacht , den Beginn des Ostertages . Da fährt ein Flämmchen in den strohumwundenen Baum , und die Osterkerze lodert hoch über dem Waldtale gegen den Sternenhimmel auf . Nun jubeln die Kinder , die Weiber und die Männer ; aber weiterhin , als Hall und Schall vermag zu dringen , leuchtet die Feuersäule und verkündet dem Waldlande ringsum den Ostertag . Und zur selbigen Stunde haben die Weiber ihre Handkörbe aufgedeckt , auf daß die Gottesgaben darin , Brot , Eier und Fleisch , der liebe Osterhauch mag befächeln . Und so ist unserem Festbrote die Weihe zuteil geworden , die der Vater Paul uns für diese Ostern nimmer vermag zu spenden . Erst gegen Morgen ist die Osterkerze , deren hochstrebende Flamme sie gar in den Miesenbachgräben sollen gesehen haben , verlodert zusammengebrochen . Dann sind wir von dem nächtlichen Osterfeste heimgekehrt in unsere Hütten . Von diesen Tagen an , Andreas , wirst du nicht mehr jünger . - Jünger ? wer hat dich gelehrt so ungereimt zu schwätzen ? Zähl ' deine Eisfäden auf dem Haupte , zähle sie , wenn du kannst , du alter Mann ! Ich meine , der Pfarrer hat mich mitgenommen . Mai 1832 . Von unserem jungen Herrn hört man große Dinge . Und diesmal sind sie amtlich erhärtet . Hermann hat die Güter des Vaters übernommen und ist demnach unser Herr . Als Angebinde hat er den Winkelstegern alle rückständigen Arbeitsleistungen und die Grundeinzahlungen auf zehn Jahre hinaus nachgesehen . Das ist ein guter Anfang . Die Winkelsteger wissen ihre Dankbarkeit nicht anders zum Ausdrucke zu bringen , als daß sie in der Kirche eine zwölfstündige Andacht halten , um für die Gesundheit des jungen Herrn zu beten . Hermann soll kränklich sein . Gestern ist der Berthold zu mir gekommen . Seit jenem Tage , da er sein vermißtes Kind unter den Tieren des Waldes gefunden